Kohlenstoff-Speicher: So atmet der Regenwald

Indem sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre saugen, schützen Regenwälder unser Klima. Doch wo steckt das meiste Gas? Ein neues Verfahren zeigt, an welcher Stelle wie viel Kohlenstoff in der Vegetation gespeichert ist - und welche Orte somit besonders schützenswert sind.

Amazonas-Regenwald: Alte Böden (rot) nehmen weniger Kohlenstoff auf als neue (grün). Zur Großansicht
CAO / Carnegie Institution for Science

Amazonas-Regenwald: Alte Böden (rot) nehmen weniger Kohlenstoff auf als neue (grün).

Regenwälder sind eine Art Klimaversicherung der Menschen: Alleine der Amazonas-Regenwald schluckt in einem durchschnittlichen Jahr etwa zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) und dämpft dadurch den Klimawandel. Durch Kahlschlag und Rodung, Straßenbau und Landwirtschaft dreht sich die positive Bilanz der grünen Lungen jedoch zuweilen um.

Rund 10 bis 15 Prozent der globalen CO2-Emissionen sind Folge von Schäden der tropischen Regenwälder. Nun haben Forscher eine Karte entwickelt, auf der sich die Speicherkapazitäten der Regenwälder ablesen lässt: An welchen Orten zieht der Wald große Kohlenstoffmengen aus der Atmosphäre? Und wo wirkt sich seine Zerstörung am verheerendsten aus?

Für ihre Arbeit analysierten die Forscher knapp 43.000 Quadratkilometer des peruanischen Regenwaldes - eine Fläche so groß wie die Schweiz. Dabei gingen sie in vier Schritten vor: Zuerst kartierten die Wissenschaftler anhand von Satellitenbildern die Vegetationsarten und Spuren der Zerstörung auf dem Gebiet. Anschließend erzeugten sie eine dreidimensionale Karte der Vegetation, indem sie die Fläche mit einem Lasersystem an Bord eines Flugzeugs vermaßen. In einem dritten Schritt bestimmten die Forscher anhand eines Netzwerks von kleinen Versuchsflächen den Kohlenstoffgehalt im Waldboden - um alle Informationen schließlich in einem vierten Schritt zu vereinen.

Die Karte zeigt detailliert, wie viel Kohlenstoff in der tropischen Vegetation gespeichert ist - und wie viel bei einer wirtschaftlichen Nutzung des Landes entweichen würde. Dadurch ermögliche das Verfahren eine akkurate Überwachung des Kohlenstoffhaushalts der Regenwälder, berichten die Forscher im Wissenschaftsblatt "Proceedings of the National Academy of Science". Laut ihren Ergebnissen ist die Speicherkapazität des Regenwaldes von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa vom Alter der Böden und der Art der Vegetation.

"Ist der Untergrund 60 Millionen Jahre alt, fixiert die Vegetation 25 Prozent weniger Kohlenstoff als der Bewuchs auf einem jüngeren Boden", sagt der Erstautor der Studie Greg Asner von der Carnegie Institution for Science in Stanford. Ein Effekt, der auch auf einer Aufnahme zu erkennen ist (siehe Bild oben): Während der naturbelassene, intakte Regenwald (rechts oben) tiefrot eingefärbt ist, erstrahlt der nachwachsende Regenwald im Rest des Bildes in einem satten Grün. Arbeiter hatten die Vegetation zuvor für den Bau einer Straße abgeholzt (sichtbar beim Klicken auf das Bild).

Neben dem derzeitigen Zustand liefert das Verfahren auch einen Einblick in die Kohlenstoff-Vergangenheit des Regenwaldes: Diese zeigt, dass der Wald von 1999 bis 2009 durch Abholzung und Degradierung rund ein Prozent seines gespeicherten Kohlenstoffs verloren hat - ein Prozess, den die Politik nun stoppen möchte. Die Vereinten Nationen unterstützen mit Redd ein Programm, das die Emissionen durch Entwaldung und Degradierung reduzieren soll.

Bisher war allerdings noch unklar, welche Orte am meisten geschützt werden müssen, dies soll sich durch das neue Verfahren ändern. Um weiter Regenwaldstücke kartieren zu können, hat Asner die Lizenzen für seine Technologie außer Peru auch an andere lateinamerikanische Länder verteilt - kostenfrei, für die Umwelt.

irb

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Regenwald
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Wie funktionieren natürliche Kohlenstoffsenken?
Wälder
Wenn Bäume wachsen, dann nehmen sie über die Photosynthese Kohlendioxid auf. Je natürlicher die Wälder dabei sprießen, desto mehr CO2 kann gebunden werden. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen zum Beispiel in ihrem Holz oder in den Wurzeln. Wenn die Bäume absterben und verrotten - oder wenn sie verbrennen -, dann wird das CO2 wieder frei. Die Wälder sind also nur ein CO2-Zwischenlager. Wenn sich aber die Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung.
Böden
Auch Böden binden große Mengen Treibhausgase. Der Permafrost in den arktischen Regionen schließt zum Beispiel seit der Eiszeit große Mengen Kohlenstoff aus nicht vollständig verrotteten Pflanzen ein. Auch in Mooren lagern große Mengen Kohlenstoff. Wenn der Permafrost taut oder die Moore trocken fallen, dann können Kohlenstoffquellen entstehen.
Ozeane
Die Weltmeere sind die wichtigste Kohlenstoffsenke des Planeten. Aus der Atmosphäre gelangt das CO2 in das Meerwasser. Dort löst es sich, weil seine Konzentration im Wasser niedriger ist als in der Luft. Durch Meeresströmungen gelangt ein Teil des CO2-reicheren Wassers in die Tiefsee, wo es Hunderte von Jahren verbleiben kann. Auch organische Sedimente am Ozeanboden können große Mengen Kohlenstoff speichern. Die zunehmende Aufnahme von CO2 macht das Ozeanwasser allerdings auch immer saurer, was zum Problem für Schalentiere und Korallen werden kann - denn deren kalkhaltige Schalen werden durch die entstandene Kohlensäure im Wasser aufgelöst.

Multimedia-Special
Fotostrecke
Regenwald-Abholzung: Amazonas-Becken in Gefahr