Nestschutz: Kohlmeisen helfen sich bei der Luftverteidigung

Kohlmeisen helfen ihren Nachbarn beim Schutz des Nestes - aber meist nur dann, wenn sich die Pärchen schon kennen. Der Grund für die Luftverteidigung ist den Forschern ein Rätsel. Um reinen Eigennutz der Vögel geht es aber offenbar nicht.

Kohlmeisen (bei Hannover, 2011): "Guter Ruf" bei den Nachbarn Zur Großansicht
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Kohlmeisen (bei Hannover, 2011): "Guter Ruf" bei den Nachbarn

Oxford - Dunkler Kopf, gelber Bauch: Kohlmeisen sind in Europa weit verbreitet. Zu Anfang der Brutzeit finden sich die Tiere in Paaren zusammen, dann bleiben sie über die Saison zusammen. Und wie es scheint, helfen sich benachbarte Pärchen notfalls auch gegenseitig beim Schutz ihrer Nester.

Vogelpärchen, die bereits im vergangenen Jahr in nebeneinander liegenden Gebieten gebrütet haben, greifen fast immer ein, wenn beispielsweise eine Katze oder ein größerer Vogel das Nest der Nachbarn angreift, schreiben Wissenschaftler um Ada Grabowska von der University of Oxford im Fachmagazin "Biology Letters". Dagegen helfen sich Kohlmeisenpärchen, die noch nie nebeneinander genistet haben, seltener gegenseitig. Erstmals brütende Tiere mischen sich in die Auseinandersetzung am nachbarlichen Nest nie ein.

Warum die Vögel sich untereinander beim Nestschutz helfen, haben die Wissenschaftler nicht untersucht. Ihre Vermutung: Weil nebeneinander brütende Kohlmeisenpärchen täglich miteinander zu tun haben - beispielsweise auf der Suche nach Nahrung -, könnten sie sich bei ihren Nachbarn beliebt machen. Mit der Zeit könne sich so eine Kooperation entwickeln. Das Verhalten sei wahrscheinlich mit dafür verantwortlich, dass vertraute Nachbarn mehr Nachkommen hätten als neu dazustoßende Kohlmeisenpärchen.

Eigennutz könne als Grund weitgehend ausgeschlossen werden, da auch geholfen werde, wenn das Nest des Nachbarn weiter weg liege. Das eigene Nest mit zu schützen sei also nicht in erster Linie der Anlass für die Nachbarschaftshilfe.

Für das Experiment haben die Wissenschaftler rund zwei Wochen lang einen Kohlmeisenbestand in der Nähe von Oxford beobachtet. Bei Vogelpärchen, die bereits im vergangenen Jahr nebeneinander gebrütet hatten, griff in 12 von 16 Fällen entweder das Weibchen oder das Männchen in einen Konflikt am Nachbarnest ein. Bei Vogelpärchen, die noch nie nebeneinander genistet hatten, mischte sich nur in 2 von 16 Fällen ein Nachbar ein.

chs/dpa

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