Heftige Kollision Regentropfen können einer Mücke nichts anhaben

Stechmücken sind im Regen wahre Überlebenskünstler: Sie überstehen sogar Kollisionen mit Tropfen, die bis zu 50-mal schwerer sind als sie selbst. Die Wasserkugel reißt sie kurz in die Tiefe, aber dann lösen sie sich wieder davon.

Crash in vier Phasen (Bild anklicken): Kurz nach unten gedrückt, danach abperlen lassen
DPA

Crash in vier Phasen (Bild anklicken): Kurz nach unten gedrückt, danach abperlen lassen


Washington - Stechmücken brauchen den Regen nicht zu fürchten: Sie überleben selbst dann, wenn sie von einem Tropfen getroffen werden, der 50-mal so schwer ist wie sie selbst. Das haben US-amerikanische Forscher in einem Experiment herausgefunden. Traf ein Wassertropfen eine Mücke im Flug, wurde sie in die Tiefe gerissen. Dann aber löste sich das Insekt von dem Tropfen und landete unverletzt an der Wand der Versuchsarena. Das Überlebensgeheimnis der Mücke sei ihre geringe Masse: "Sie ist so leichtgewichtig, dass bei der Kollision kaum Kraft übertragen wird", erklären die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Moskitos lebten meist in Gebieten mit hoher Feuchtigkeit und viel Regen, schreiben Andrew Dickerson und seine Kollegen vom Georgia Institute of Technology in Atlanta. Entsprechend häufig seien sie in Gefahr, einen Tropfen abzubekommen. Regentropfen und Mücke seien zwar ungefähr gleich groß, aber der Tropfen habe eine bis zu 50-mal größere Masse. "Das Masseverhältnis entspricht dem eines Menschen, der mit einem Bus kollidiert", berichten die Forscher. Dieses Vergleichsszenario lege nahe, dass auch die Stechmücke den Zusammenstoß mit einem Regentropfen nicht überleben könne. Das Experiment demonstriere aber, dass dies sehr wohl der Fall sei.

Beschleunigung stärker als bei Raketenstart

"Bei der Kollision mit der Mücke bleibt der Tropfen intakt und verliert kaum an Geschwindigkeit", erklären die Wissenschaftler. Das zeige, dass er beim Zusammenstoß nur einen sehr kleinen Teil seiner Energie an die Mücke übertrage. In den Versuchen wurde das Insekt vom fallenden Tropfen zwischen fünf bis 20 Körperlängen weit nach unten mitgerissen. Die plötzliche Beschleunigung vom waagerechten Flug in den Fall sei dabei extrem hoch: "Insekten, die vom Regen getroffen werden, erreichen mit 100 bis 300 g die höchsten Beschleunigungen im Tierreich", berichten die Forscher. Als g-Kraft bezeichnen Wissenschaftler die Belastung, die ein Körper bei einer plötzlichen Beschleunigung erfährt. Zum Vergleich: Astronauten sind in einer startenden Raumkapsel nur etwa drei bis sechs g ausgesetzt. Auf der Erdoberfläche liegt die Beschleunigung bei einem g

Fliegt eine Mücke zu dicht am Boden, wenn sie getroffen wird, wird ihr diese Beschleunigung zum Verhängnis. Denn dann reicht die Zeit nicht aus, um sich vom Tropfen zu lösen und seitlich davonzufliegen. "Sie schlägt dann mit der ungebremsten Geschwindigkeit des Tropfens auf dem Boden oder in einer Pfütze auf", schreiben die Forscher. Das überlebe sie trotz ihres stabilen Chitinpanzers meist nicht.

Für ihre Versuche konstruierten die Forscher eine fünf Zentimeter breite und 20 Zentimeter hohe Flugarena aus Plexiglas. An der Oberseite verhinderte ein feines Moskitonetz, dass die Versuchsmücken entweichen. Stechmücken der Gattung Anopheles wurden in die Arena gesetzt und von oben mit Wassertropfen oder einem feinen Wasserstrahl beregnet. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera zeichneten die Wissenschaftler die Bewegungen von Tropfen und Mücke auf. Ergänzende Versuche mit einem Mückenmodell aus Styropor ermöglichten es, die Kollision und die dabei übertragenen Kräfte noch gezielter zu beobachten.

hda/dapd

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
georgius1 05.06.2012
1. Jupp....
das kann ich bestaetigen. Mit der Dusche ist diesen Viechern nicht bei zu kommen. Auch kurz ueberm Boden funktioniert das nicht. Ich habe mich immer gewundert, warum das so sei. Nun ist es ja geklaert. Am besten erwischt man die Moskitos im Fluge zwischen den Haenden. Die weibl. stech- und saugedurstigen Moskitos sind im Flug recht langsam. Auch immer interessant, dass und wie die einem penetrant in die Nasszelle folgen. Seit einigen Jahren habe ich Moskito-Gitter vor Fenster und Tueren und da verirrt sich so ein Biest etwa einmal die Woche statt 20 und mehr taeglich. Das sind Erfahrungen von knapp 30 Jahren Aufenthalt in den Tropen. Gruss aus Saigon George
sappelkopp 05.06.2012
2. Also ich habe beste Erfahrungen...
Zitat von georgius1das kann ich bestaetigen. Mit der Dusche ist diesen Viechern nicht bei zu kommen. Auch kurz ueberm Boden funktioniert das nicht. Ich habe mich immer gewundert, warum das so sei. Nun ist es ja geklaert. Am besten erwischt man die Moskitos im Fluge zwischen den Haenden. Die weibl. stech- und saugedurstigen Moskitos sind im Flug recht langsam. Auch immer interessant, dass und wie die einem penetrant in die Nasszelle folgen. Seit einigen Jahren habe ich Moskito-Gitter vor Fenster und Tueren und da verirrt sich so ein Biest etwa einmal die Woche statt 20 und mehr taeglich. Das sind Erfahrungen von knapp 30 Jahren Aufenthalt in den Tropen. Gruss aus Saigon George
...mit einem Staubsauger gemacht. Hatte mal 30 der Viecher im Schlafzimmer in der schwedischen Pampa. Die haben schon die Messer gewetzt und ich wette sie hatten schon die Servieten umgebunden. ;-) Da habe ich sie mit dem Staubsauger weggesaugt, mache ich seit dem immer so. Wobei natürlich das Moskito-Gitter die bessere Alternative ist.
a-mole 05.06.2012
3.
Zitat von sappelkopp...mit einem Staubsauger gemacht. Hatte mal 30 der Viecher im Schlafzimmer in der schwedischen Pampa. Die haben schon die Messer gewetzt und ich wette sie hatten schon die Servieten umgebunden. ;-) Da habe ich sie mit dem Staubsauger weggesaugt, mache ich seit dem immer so. Wobei natürlich das Moskito-Gitter die bessere Alternative ist.
ohgottohgott.. ich HASSE Mücken.. sie sind böse, sie rauben mir den Schlaf wenn ich dieses fieße surren schon höre. Kommen die nicht aus dem Staubsauger wieder rausgekrabbelt?
angst+money 05.06.2012
4. Einfach eine Bluwurst mit rein..
Zitat von a-moleohgottohgott.. ich HASSE Mücken.. sie sind böse, sie rauben mir den Schlaf wenn ich dieses fieße surren schon höre. Kommen die nicht aus dem Staubsauger wieder rausgekrabbelt?
Ok, jetzt im Ernst: In einem Artikel über Spinnen und Staubsauger (Quelle: hohe Wahrscheinlichkeit für SPON) war vor ein paar Jahren zu lesen, dass die Beschleunigung im Staubsauger so hoch ist, dass die Spinnen es nicht überleben. Hoffen wir also das gleiche für die Mücken. P.S.: ich auch!
FreakmasterJ 05.06.2012
5. Bekommen die für ihre Studie etwa Geld… ??
Zitat von sysopdapdStechmücken sind im Regen wahre Überlebenskünstler: Sie überstehen sogar Kollisionen mit Tropfen, die bis zu 50-mal schwerer sind als sie selbst. Die Wasserkugel reißt sie kurz in die Tiefe, aber dann lösen sie sich wieder davon. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,836946,00.html
…oder gar nen Titel? Dass Moskitos Regen überleben ergibt sich im Umkehrschluss, dass sie bisweilen leider noch nicht ausgestorben sind. Dafür muss man nicht so ein Zinnober veranstalten. Aber seit Bart Simpson mit seinem Projekt "Können Hamster fliegen" den 1. Preis beim Schulwettbewerb bekommen hat, scheinen einige Forscher es ihm gleich tun müssen. Als ob die Menschheit keine schwerwiegenderen Probleme hätte, die es zu erforschen gilt....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.