Kolumbien Illegaler Koka-Anbau bedroht neu entdeckten Kolibri

Kaum entdeckt, schon bedroht: Ein schmucker Kolibri aus Kolumbien gehört zu einer bislang unbekannten Art. Doch Brandrodung und der illegale Koka-Anbau bedrohen seinen Lebensraum. Da hilft es auch nichts, dass sein Name wie ein Schnupfer-Wortwitz klingt.


"Schneehöschen", so wird die ganze Gattung der Eriocnemis genannt - kleiner Kolibris aus dem Anden-Bergland Südamerikas. Weiße, dichte Federbüschel um die Beine haben auch der bislang unbekannten Art Eriocnemis isabellae diesen Spitznamen beschert. Das Isabella-Schneehöschen wurde 2005 drei Mal kurz im unzugänglichen kolumbianischen Gebirge gesichtet.

Gehörte der bunte Piepmatz zu einer neuen Art? 2006 konnten die Biologen Alexander Cortés-Diago und Luis Alfonso Ortega in der Serrania del Pinche im Südwesten Kolumbiens erneut Kolibris mit blau-grünem Halsschmuck und den charakteristischen weißen Federn um die Beinchen sichten - und einen von ihnen fangen. Die Fotos des Tiers gingen an die Wirbeltierabteilung des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn. Dort sitzen weltweit führende Kolibri-Spezialisten.

Als "spektakulär" und "phänomenal" bezeichnet Karl Schuchmann, Kurator für Vogelkunde am ZFMK, die Entdeckung. Er sei sich ganz sicher gewesen, dass es sich bei dem Exemplar um den Vertreter einer eigenen Spezies handele, sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Nach der Tochter eines der Finder trägt die Art nun den Namen Isabella.

In der Fachzeitschrift "Ornithologia neotropical" veröffentlichen Cortés-Diago und Ortega nun die Beschreibung des Vogels. Beim Jahrestreffen Neotropical Ornithological Congress, der gerade im venezuelanischen Maturin stattfindet, stellen sie das Isabella-Schneehöschen vor.

Brandrodung für die Drogenproduktion

Umweltschützer der Organisation Birdlife International warnen indes bereits, dass dem putzigen Pieper ein trauriges Schicksal droht: Weil der Vogel erst jetzt entdeckt worden sei, lebe er vermutlich nur in einem sehr kleinen Gebiet. Diese Vermutung hält auch Experte Schuchmann für plausibel. Man habe Vogelfreunde in den umliegenden Bergen auf die Suche nach dem Isabella-Schneehöschen geschickt - ohne Erfolg.

Das Gebiet müsse sofort unter Schutz gestellt werden, fordert Birdlife. "Die Zerstörung des Lebensraums ist die maßgebliche Bedrohung", sagte Luis Magariegos-Hurtado, ein kolumbianischer Kolibri Schützer der Gruppe Hummingbird Conservancy.

In der Gegend würden Bauern durch Brandrodung der Bergwälder neue Anbauflächen schaffen, um illegal Koka anzubauen, die Pflanze, aus der die Droge Kokain gewonnen wird. Diese Waldzerstörung bewege sich Richtung Pazifik, so Magariegos-Hurtado, und bedrohe auch die wolkenverhangenen Wälder der Serrania del Pinche.

"Die Population ist sicher sehr gefährdet", sagte Ornithologe Schuchmann, der die kolumbianischen Kolibris als "Anzeigearten" sieht: Ihre Vielfalt und Verbreitung deuteten auf den Zustand des gesamten Ökosystems hin.

stx/rtr



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