Kommunikation: Raben gestikulieren wie Kleinkinder

"Guck mal her!": Kleinkinder signalisieren durch Gesten, dass Erwachsene ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand richten sollen. Diese Form der Kommunikation war im Tierreich bisher kaum bekannt - doch nun haben Forscher sie bei Raben beobachtet.

Raben im Schnee: Aufmerksamkeit durchs Zeigen geweckt Zur Großansicht
Thomas Bugnyar

Raben im Schnee: Aufmerksamkeit durchs Zeigen geweckt

Seewiesen - Um Artgenossen auf etwas aufmerksam zu machen, nutzen Raben spezielle Gesten - ganz ähnlich, wie es Kleinkinder tun. Ab dem Alter von neun bis zwölf Monaten zeigen Kinder mit der Hand auf etwas oder halten einen Gegenstand, den sie interessant finden und den andere begutachten oder in die Hand nehmen sollen.

Raben nehmen in ähnlicher Weise Objekte in den Schnabel und präsentieren sie danach ihren Artgenossen - etwa Moos, kleine Zweige oder Steinchen, wie Simone Pika vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen (Bayern) und Thomas Bugnyar von der Universität Wien berichten.

Die Wissenschaftler beobachteten zwei Jahre lang die Kommunikation in einer wilden Rabenkolonie im Cumberland Wildpark im österreichischen Grünau. Da sie einzelne Vögel markiert hatten, konnten sie sehen, welcher Rabe sich mit wem auseinandersetzte. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" berichten, fand diese Form der Kommunikation meist zwischen einem Männchen und einem Weibchen statt. Auf das Zeigen des Objekts folgte in der Regel eine gemeinsame Aktion, die Vögel schnäbelten miteinander oder bearbeiteten das Objekt gemeinsam, teilt das Max-Planck-Institut für Ornithologie mit.

Diese Verhaltensweise des Zeigens war im Tierreich bisher nur bei Menschenaffen bekannt - und dort äußerst selten. "Gestenstudien haben sich viel zu lange nur auf Primaten beschränkt", sagt Simone Pika. Ihrer Meinung nach könne das Geheimnis um den Ursprung menschlicher Sprache nur geklärt werden, wenn man die Kommunikationssysteme anderer Tiergruppen mit einbeziehe und ergründe.

Rabenvögel gelten als ausgesprochen intelligent. Bekannt sind beispielsweise die Neukaledonien-Krähen, die kleine Stöcke oder Blattstiele als Werkzeuge nutzen, um damit nach etwas zu angeln. Dies tun sie in freier Natur ebenso wie in ausgeklügelten Laborexperimenten, bei denen sie auch drei passende Werkzeuge nacheinander einsetzen.

wbr/dpa

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