Konferenz in Bonn: 150 Millionen Hektar Wald sollen neu entstehen

Jahr für Jahr werden gigantische Waldflächen zerstört. Jetzt will ein Bündnis aus Regierungen und Unternehmen Gegenmaßnahmen einleiten. Bis 2020 sollen 150 Millionen Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Ob die Trendwende gelingen kann, ist allerdings fraglich.

Ehemaliger Dschungel in Brasilien: Staaten wollen für Wiederaufforstung kämpfen Zur Großansicht
REUTERS

Ehemaliger Dschungel in Brasilien: Staaten wollen für Wiederaufforstung kämpfen

Bonn - Ein breites Bündnis von Regierungen, Unternehmen und gesellschaftlichen Organisationen will bis zum Jahr 2020 weltweit rund 150 Millionen Hektar Wald aufforsten. Dieses Ziel vereinbarten am Freitag die Teilnehmer einer internationalen Waldschutz-Konferenz in Bonn, die von der Bundesregierung und der Internationalen Naturschutzunion IUCN ausgerichtet wurde.

Ob das allerdings eine Trendwende einleiten kann, ist fraglich. Denn weltweit gehen jedes Jahr fast 13 Millionen Hektar - eine Fläche etwa von der Größe Griechenlands - an Wäldern verloren, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei der Waldkonferenz "Bonn Challenge" am Freitag. "Diesen massiven Verlust an Wäldern können wir nicht länger hinnehmen. Wir müssen alle denkbaren Anstrengungen unternehmen, die verbliebenen Wälder zu erhalten und gleichzeitig beginnen, die zerstörten Wälder wieder aufzubauen."

Das Ziel einer Aufforstung von 150 Millionen Hektar sei verbunden mit Uno-Umweltvereinbarungen und sei "machbar" und "realistisch". Weltweit gebe es eine Waldfläche von rund zwei Milliarden Hektar, die aufforstbar seien. Das entspricht etwa der halben Fläche Asiens. Die IUCN schätzt den nationalen und internationalen Gewinn einer solchen Aufforstung auf rund 85 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Es sei auch der kosteneffektivste Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Hintergrund der IUCN-Konferenz ist die fortschreitende Zerstörung der Wälder der Erde. Dies führt zu einem dramatischen Verlust an Lebensräumen für Tiere, beraubt viele Menschen ihrer angestammten Lebensgrundlagen und setzt außerdem Treibhausgase in die Atmosphäre frei, die den Klimawandel anheizen. Die 1948 gegründete IUCN ist das erste internationale Umweltschutznetzwerk. Mehr als 200 Regierungen und 800 Nichtregierungsorganisationen sind Mitglied der Vereinigung, die sich in Erhaltungs- und Wiederaufforstungsprojekten engagiert.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums vereinbarten die Teilnehmer des Treffens namens "Bonn Challenge", ihren Beitrag dazu zu leisten, weltweit in den nächsten neun Jahren die vereinbarten 150 Millionen Hektar an verlorenem Wald zu ersetzen oder beschädigten Wald wieder aufzubauen. Sie wollen zudem weitere Partner für das Projekt werben. Konkrete Schritte wurden aber nicht vereinbart.

Stewart Maginnis, IUCN-Direktor für Umwelt und Entwicklung, forderte die Teilnehmer der Konferenz dazu auf, schnell darzulegen, wie ihre Länder "unter Berücksichtigung ihrer nationalen wirtschaftlichen Entwicklung und Prioritäten beim Naturschutz" zur Erreichung dieses Ziel beitragen wollten. Als Vorbild lobte er die Ankündigung Ruandas vom Februar, bis 2035 sämtliche beschädigten Waldflächen und sonstigen Naturräume auf seinem Gebiet wieder aufzubauen. Das Vorhaben gilt als das wohl ehrgeizigste seiner Art in einem Entwicklungsland.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Super Sache, besser als bankrotte Eurostaaten zu retten
cyberjones12 02.09.2011
So wird mit dem Geld was gutes gemacht. Nicht die Euros in die bankrottstaaten und bankrottstrukturen hineinschütten. Da kommt nichts raus als Ärger, Frust und eine Fehllenkung von Aktivitäten. Vielleicht sollten wir ganz Griechenland bepflanzen?
2. Gute Nachricht
caecilia_metella 02.09.2011
Als Mensch, der sich als innerhalb des Naturkreislaufes lebend versteht und noch irgendwann Oma werden will, kann ich das nur positiv sehen. Im Widerspruch zu diesem Bestreben steht aber auch einiges, beispielsweise die permanente Vergrößerung von Flugzeugen und Flughäfen.
3. Die Skepsis ist berechtigt!
hansulrich47 02.09.2011
Zitat von sysopJahr für Jahr werden gigantische Waldflächen zerstört. Jetzt will ein Bündnis aus Regierungen und Unternehmen Gegenmaßnahmen einleiten. Bis 2020 sollen 150 Millionen Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Ob die Trendwende gelingen kann, ist allerdings fraglich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,784128,00.html
Vermutlich wird wieder nur viel Steuergeld verpampelt! Solange es sich lohnt Wald abzubrennen, weil danach Bauland Ackerland usw entsteht, sind Massnahmen zur Aufforstung wenig sinnvoll. Wenn man ausserdemm sieht, wieviel Wald- und Buschland ständig auch 'natürlich' abbrennt (Spanien, Portugal, Californien, Australien usw.) ist eine Aufforstung nur in wenigen Regionen wirklich sinnvoll. Und wenn Förster erzählen, nur jeder zehnte in China offiziell gepflanzte Baum überlebe die erste Trockenzeit, dann ist beim Geld ausgeben mehr Vorsicht angebracht, als unseren Politikern zuzutrauen ist!
4. Da kann ich Ihnen nur Recht geben.
Bernd_1961 02.09.2011
Zitat von hansulrich47Vermutlich wird wieder nur viel Steuergeld verpampelt! Solange es sich lohnt Wald abzubrennen, weil danach Bauland Ackerland usw entsteht, sind Massnahmen zur Aufforstung wenig sinnvoll. Wenn man ausserdemm sieht, wieviel Wald- und Buschland ständig auch 'natürlich' abbrennt (Spanien, Portugal, Californien, Australien usw.) ist eine Aufforstung nur in wenigen Regionen wirklich sinnvoll. Und wenn Förster erzählen, nur jeder zehnte in China offiziell gepflanzte Baum überlebe die erste Trockenzeit, dann ist beim Geld ausgeben mehr Vorsicht angebracht, als unseren Politikern zuzutrauen ist!
Wenn die Regierung damit glaubhaft werden will, muss sie die Gründe für die Abholzung des Regenwaldes, u.a. E10, bzw. schon E5-Verkauf komplett unterbindnen. Sie muss den Verkauf von seltenen Hölzern, die durch die Abholzung ausgebeutet und von extravaganten Bonzen gekauft werden unterbinden. Es gibt noch mehr was man tun müsste. Allerdings ist unsere Regierung, bzw. sind alle unsere momentanen Bundestagspolitiker nicht entscheidungsfähig, weil inkompetent.
5. Jedenfalls sinnvoller als eine bemannte Marsmission
Christian Krippenstapel 02.09.2011
Zitat von cyberjones12So wird mit dem Geld was gutes gemacht. Nicht die Euros in die bankrottstaaten und bankrottstrukturen hineinschütten. Da kommt nichts raus als Ärger, Frust und eine Fehllenkung von Aktivitäten. Vielleicht sollten wir ganz Griechenland bepflanzen?
Griechenland war, wie der gesamte Mittelmerraum, einst dicht bewaldet. Homer z.B. besang die "Zedern aus dem Libanon", die gerne zum Schiffbau verwendet wurden. Aber hier lief es nicht anders als dort: Entwaldung, Raubbaum und Überweidung führten zur Regression der Böden und schließlich zur Verkarstung, die eine Wiederaufforstung heute praktisch unmöglich macht. Trotzdem keine schlechte Idee, dies in anderen Regionen zu versuchen, wo das (noch) geht. Also nur zu! Vielleicht könnte man das Angenehme gleich mit dem Nützlichen verbinden und nachhaltige Nutzungskonzepte entwickeln, etwa zur extensiven Biomasseproduktion für die Zeit nach dem Öl. Hallo, SPON: Gibt es da vielleicht einen Link zu einer Anlaufstelle, wo man darüber mehr erfahren oder sich nützlich machen kann?
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