Konferenz in Durban Klimagipfel geht in die Verlängerung

Die Delegierten der Klima-Konferenz in Durban kommen nur schleppend voran: Ein erstes Entwurfspapier der südafrikanischen Gipfel-Präsidentschaft wurde von zahlreichen Staaten heftig kritisiert. Jetzt muss eine neue Version her. Selbst ein Scheitern ist denkbar, über einen Plan B wird gemunkelt.

Aufgebrachter Demonstrant in Durban: Enttäuschung über Kompromiss
AFP

Aufgebrachter Demonstrant in Durban: Enttäuschung über Kompromiss

Aus Durban berichtet


Durban - Der Uno-Klimagipfel im südafrikanischen Durban musste erneut in die Verlängerung - es konnte zunächst keine Einigung über ein Abschlusspapier erzielt werden. Am Freitagmorgen hatte die südafrikanische Gipfel-Präsidentschaft einen Kompromiss-Entwurf vorgelegt, doch am Nachmittag hagelte es Kritik von mehreren Staaten. Den meisten ging der Entwurf nicht weit genug, einigen wenigen ging selbst dieses recht wenig ambitionierte Papier zu weit.

Schließlich stellte Gastgeber Südafrika laut Beteiligten einen neuen Entwurf vor, über den in der Nacht zu Samstag diskutiert worden sei. Er sei verbindlicher als sein Vorgänger und erhöhe den Druck auf Emittenten stärker. Die Gespräche aber scheinen festgefahren. Das eigentlich für Freitag geplante Abschlussplenum soll nun frühestens um 10 Uhr am Samstagmorgen (9 Uhr MEZ) beginnen.

Die Europäische Union setzt alles auf eine Karte und hat kaum verhüllt damit gedroht, den Gipfel notfalls scheitern zu lassen. Zuvor hatte sie sich mit der Gruppe der afrikanischen Länder, der Allianz kleiner Inselstaaten (Aosis) und der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) zusammengetan, um den Druck auf die Verweigerer zu erhöhen.

Die "Koalition der Willigen" forderte, dass sich Blockierer wie die USA, Indien und China etwa im Jahr 2015 zu klaren Klimaschutzzusagen bekennen müssten. Sollte keine weitere Bewegung möglich sein, "glaube ich nicht, dass es in Durban einen Deal geben wird", sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard am Freitag. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) stellte klar, "keine faulen Kompromisse" eingehen zu wollen. Aus Delegationskreisen hieß es, dass die EU einem Verschleppungsangebot nicht zustimmen werde, das rechtsverbindliche Zusagen zur Minderung von klimaschädlichem CO2 erst ab 2020 in Aussicht stellt.

Nicht ausgeschlossen war bis zuletzt auch ein Vertagen der 17. Weltklimakonferenz - als Plan B kursierte in Durban am Freitag die Idee einer Fortsetzung in Bonn im kommenden Jahr. Dies hat es schon einmal gegeben, als die 6. Klimakonferenz in Den Haag 2000 scheiterte und Mitte 2001 in Bonn fortgesetzt wurde. Dort gab es dann den Bonner Beschluss zur Ausgestaltung des Kyoto-Protokolls. Dieses bisher einzige bindende Klimaschutzabkommen läuft Ende kommenden Jahres aus. Aber zu ihm bekennen sich nur noch Staaten, die lediglich 15 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

Bis zum Schluss wurde in Durban auch über den milliardenschweren Grünen Klimafonds verhandelt, der armen Ländern Geld für die Anpassung an den Klimawandel bereitstellen soll. In Durban sollte die Struktur des Klimafonds ausgearbeitet werden, der helfen soll, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaprojekte in armen Ländern bereitzustellen. Röttgen hatte 40 Millionen Euro versprochen, um arme Staaten zu befähigen, Anträge für den Fonds zu stellen. Wie der Fonds gefüllt werden soll, ist aber noch völlig unklar - dies soll erst in den kommenden Jahren entschieden werden.

Mit Material von dpa, dapd, Reuters

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shokaku 09.12.2011
1. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von sysopDie Delegierten der Klima-Konferenz in Durban kommen nur schleppend voran: Ein Entwurfspapier der südafrikanischen Gipfel-Präsidentschaft wurde von zahlreichen Staaten heftig kritisiert. Jetzt muss eine neue Version her. Selbst ein Scheitern ist denkbar, über einen Plan B wird gemunkelt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802875,00.html
Einfach ein halbjähriges Internetmoratorium androhen. D.h. zur CO2-Einsparung kommt 6 Monate niemand ins Netz. Danach hat sich das Thema Klima erledigt. Nachhaltig.
alex300 10.12.2011
2. Warum schreibt SPON nicht, WAS in dem Entwurf steht?
Zitat von sysopDie Delegierten der Klima-Konferenz in Durban kommen nur schleppend voran: Ein Entwurfspapier der südafrikanischen Gipfel-Präsidentschaft wurde von zahlreichen Staaten heftig kritisiert. Jetzt muss eine neue Version her. Selbst ein Scheitern ist denkbar, über einen Plan B wird gemunkelt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802875,00.html
Es geht nicht minder als um eine "Weltregierung" mit allen Attributen, inklusive CO2-Steuer und CO2-Gericht. http://unfccc.int/resource/docs/2011/awglca14/eng/crp38.pdf * Human rights * werden zum "Klimaschutz" erklärt * Rights of mother earth * werden deklariert * An international climate court of justice * wird etabliert um die "Klimasünder" zu Rechenschaft zu ziehen * Die Kriege * dürfen ab jetzt nur "klimafreundlich" geführt werden. * Trade * CO2-Ablasshandel wird aufgezwungen. Weiter, der Westen muss sein CO2-Ausstoß * halbieren *. Das CO2-Niveau in der Luft muss auf 250 ppm fallen (wie das auch immer machbar wäre, und was wäre dann mit den Pflanzen?) Die globale Temperatur darf nicht nur nicht weiter steigen, SIE MUSS FALLEN, mindestens um 1 Grad. !. ...
tailspin 10.12.2011
3. Hat da noch jemand einen Sinn fuer Prioritaeten?
Zitat von sysopDie Delegierten der Klima-Konferenz in Durban kommen nur schleppend voran: Ein Entwurfspapier der südafrikanischen Gipfel-Präsidentschaft wurde von zahlreichen Staaten heftig kritisiert. Jetzt muss eine neue Version her. Selbst ein Scheitern ist denkbar, über einen Plan B wird gemunkelt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802875,00.html
Ich wuerde gerne wissen, wie mir dieser Zirkus helfen soll, meine Kinder studieren zu lassen, und die fast garantierte Altersarmut zu ueberleben, wenn jetzt die noch verfuegbaren finanziellen Ressourcen fuer heisse Luft ausgegeben werden.
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