Konferenz in Südafrika Klimagipfel droht am Geld zu scheitern

Endet die Weltklimakonferenz in Durban mit einer Enttäuschung? Eine Neuauflage des Kyoto-Protokolls rückt in weite Ferne. Nicht einmal das Minimalziel, der Hilfsfonds für Entwicklungsländer, scheint erreichbar. Die Finanzierung der Klimakasse entzweit die Delegierten.

Aus Durban berichtet

Proteste in Durban: Vier Szenarien zum möglichen Ausgang der Konferenz
DPA

Proteste in Durban: Vier Szenarien zum möglichen Ausgang der Konferenz


Schlaf wird in Durban langsam zur Mangelware. In der Nacht zum Mittwoch haben die Delegierten durchverhandelt, das Resultat: eine 138 Seiten starke Vorlage mit vier Szenarien zum Ausgang der Konferenz. Nummer eins verspricht ein Abkommen mit klaren Klimaschutzzielen, das schon 2012 oder spätestens 2015 in Kraft treten würde. Das aber gilt als praktisch ausgeschlossen. Ebenso wie Szenario Nummer vier, das aus genau zwei Worten besteht: "No decision" - "keine Entscheidung."

Die beiden Szenarien dazwischen gelten als wahrscheinlichster Ausgang der Konferenz in Südafrika. Sie sehen vor, den bisherigen Klimaschutzprozess unter dem Dach der Uno fortzusetzen, was unter anderem das Ziel beinhalten würde, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen und so die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. In einem Szenario soll das durch ein rechtsverbindliches internationales Abkommen gelingen, im zweiten durch eine "Reihe von Entscheidungen".

Für die am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten wäre das eine bittere Enttäuschung: Die endlosen, bisher oft ergebnislosen Debatten würden weitergehen wie bisher. Denn die beiden Szenarien enthalten keinerlei Zeitplan. Auch das Erreichen des offiziell enthaltenen Zwei-Grad-Ziel gilt als unrealistisch, da es bisher keine Etappenvorgaben, sondern nur ein Fernziel für die Senkung der Treibhausgas-Emissionen gibt.

Die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls, das Industrieländer bisher zur Senkung ihres Treibhausgas-Ausstoßes verpflichtet und dessen erste Phase 2012 ausläuft, wäre damit passé. Aus diesem Grund könnte jetzt auch der Hilfsfonds für arme Länder platzen - und mit ihm die gesamte Konferenz in Durban.

Die Industrieländer haben sich vor zwei Jahren verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, um den Entwicklungsländern bei der Senkung ihres Treibhausgas-Ausstoßes und der Bekämpfung der Klimawandelfolgen zu helfen. Ein großer Teil der Gelder soll durch den sogenannten Grünen Klimafonds (GCF) fließen.

Doch woher das Geld kommen soll, ist vollkommen unklar. Als realistischstes Szenario galt bisher, den Topf vor allem mit Geldern aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten und aus anderen Klimaschutz-Maßnahmen wie etwa Abgaben auf die Emissionen des Flug- und Schiffsverkehrs zu füllen.

CO2-Zertifikate auf Talfahrt

Die Preise für Verschmutzungszertifikate haben in den vergangenen Wochen allerdings eine atemberaubende Talfahrt vollführt. Beobachter argwöhnen, dass dahinter auch Spekulationen auf ein Scheitern der Konferenz in Durban stehen. Eine Verschärfung der Klimaschutzziele würde den Preis der Verschmutzungsrechte vermutlich wieder in die Höhe treiben - doch dafür wäre eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls unabdingbar, wie Karsten Sach, Leiter der deutschen Delegation in Durban, betont.

Der gleichen Ansicht ist Reimund Schwarze vom Climate Service Center in Hamburg, das im Auftrag der Bundesregierung die Klimapolitik analysiert: "Die Finanzierung des Grünen Klimafonds hängt dramatisch vom Kyoto-Protokoll ab." Eine noch nicht veröffentlichte Studie der Europa-Universität in Frankfurt an der Oder mache das auf erschreckende Weise deutlich. Laut der Untersuchung, die auf Zahlen der Vereinten Nationen basiert, könnten bei einem niedrigen CO2-Preis lediglich zehn Milliarden Dollar pro Jahr von den reichen an die armen Länder fließen - ein Zehntel der Soll-Summe. Im Grünen Klimafonds könnte noch weniger landen, da nicht alle Hilfsmittel über ihn laufen sollen.

Helfen könnten dann nur öffentliche Mittel: "Die Industriestaaten müssten sich beispielsweise verpflichten, einen bestimmten Teil ihres Bruttoinlandsprodukts für den Hilfsfonds abzustellen", sagt Schwarze. Das aber sei unwahrscheinlich: Bis auf ein paar nordeuropäische Länder habe es bisher kein Staat geschafft, den zugesagten Anteil seiner Wirtschaftsleistung für die Entwicklungshilfe dauerhaft zu leisten - Deutschland eingeschlossen. "Es ist nicht klar, warum sich das plötzlich ändern sollte", meint Schwarze. Angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gelte das erst recht.

Stefan Krug von der Umweltorganisation Greenpeace hegt kaum noch Hoffnung: "Der Grüne Klimafonds wird in Durban eine leere Hülle bleiben." Vorstellbar erscheine lediglich, dass die Industriestaaten bei der Konferenz eine kleine Anschubfinanzierung zusagen und bis 2020 ihre Beiträge erhöhen. Das aber sei derzeit "heiß umstritten", so Krug. Die USA etwa, kritisierte die Organisation Oxfam am Mittwoch, blockierten derzeit gezielt die Verhandlungen über die Finanzquellen des Grünen Klimafonds.

Röttgen will Klimafonds nach Deutschland holen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen versucht derweil, mit gutem Beispiel voranzugehen. "Ich kündige hiermit an, dass Deutschland den Grünen Klimafonds beherbergen möchte", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch vor dem Plenum in Durban. Zugleich kündigte er an, dass Deutschland 40 Millionen Euro für erste Maßnahmen in Entwicklungsländern bereitstellen werde. Eine Sprecherin des Umweltministeriums erklärte, das Konto des Fonds solle in Deutschland angesiedelt werden - "darum bewerben wir uns". Dazu müsse ein Verwaltungsapparat eingerichtet werden, dessen Umfang noch offen sei.

Gastgeberland Südafrika hat den Grünen Klimafonds mittlerweile in den Fokus der Verhandlungen in Durban gestellt. Den Fonds arbeitsfähig zu machen, gilt als absolutes Minimalziel, um wenigstens einen Erfolg bei der Konferenz vorweisen zu können.

Doch der ist keinesfalls sicher. Sollte tatsächlich weit weniger Geld als die vereinbarten 100 Milliarden Dollar pro Jahr fließen, "wären manche Entwicklungsländer sehr, sehr unglücklich", sagte Samantha Smith, Chefin der globalen Klima- und Energieinitiative der Umweltstiftung WWF. Manche der vom Klimawandel unmittelbar bedrohten Staaten, so die Befürchtung von mehreren Beobachtern, würden den Gipfel lieber komplett scheitern lassen, als das Ende des Kyoto-Protokolls und obendrein einen Mini-Hilfsfonds zu akzeptieren.

Sie könnten so womöglich am effektivsten auf ihre Belange aufmerksam machen - und wären dann nicht die einzigen Verlierer von Durban.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
einbelgier 07.12.2011
1.
Zitat von sysopEndet die Weltklimakonferenz in Durban mit einer Enttäuschung? Eine Neuauflage des Kyoto-Protokolls rückt in weite Ferne. Nicht einmal das Minimalziel, der Hilfsfonds für Entwicklungsländer, scheint erreichbar. Die Finanzierung der Klimakasse entzweit die Delegierten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802314,00.html
Es geht sich also nur darum irgend welche Öko-Fonds" zu füllen - am besten in Deutschland! Ablasshandel der neuen Kirche der weltweiten Erwärmung was da abläuft. Aber so langsam wird der Schwindel ruchbar, und die Kasse klingelt nicht mehr so satt. Al Gore & Co haben aber inzwischen die Schäfchen auf dem Trockenen, und die Deutschen Ökos werden wohl noch lange Klimasteuer in D eintreiben können. Hier sind ja Ökoglaube und Klimaangst am ausgeprägtesten....
schlummi1 07.12.2011
2.
Zitat von einbelgierEs geht sich also nur darum irgend welche Öko-Fonds" zu füllen - am besten in Deutschland! Ablasshandel der neuen Kirche der weltweiten Erwärmung was da abläuft. Aber so langsam wird der Schwindel ruchbar, und die Kasse klingelt nicht mehr so satt. Al Gore & Co haben aber inzwischen die Schäfchen auf dem Trockenen, und die Deutschen Ökos werden wohl noch lange Klimasteuer in D eintreiben können. Hier sind ja Ökoglaube und Klimaangst am ausgeprägtesten....
Mir kommt es so vor als ob es immer kälter wird. Habe neulich irgendwo gelesen, das würde an der erderwärmung liegen das es kälter wird. Scheint ne ähnliche logik wie bei der eurorettung zu sein.
HeinerM 07.12.2011
3. Wunderbar!
Zitat von sysopEndet die Weltklimakonferenz in Durban mit einer Enttäuschung? Eine Neuauflage des Kyoto-Protokolls rückt in weite Ferne. Nicht einmal das Minimalziel, der Hilfsfonds für Entwicklungsländer, scheint erreichbar. Die Finanzierung der Klimakasse entzweit die Delegierten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802314,00.html
Wir haben wieder fast 20.000 'Wissenschaftler' und Sonstige, die in die alljährliche Sommerfrische jetten. Neben dem 'gefährlichen' Co2 (Es ist alles viel schlimmer als noch vor einem Jahr, gähn) produzieren die jede Menge heiße Luft. Wenn so wäre, wär es ja gut und immer einen Lacher wert. Leider kostet uns diese Luftnummer Milliarden und die gesamte Presse druckt treu und brav diesen Irrsinn. Leute, eine wenig Distanz und Skepsis wäre auch beim Spiegel und Konsorten angebracht!
Wigers7 07.12.2011
4. Integrität.
Zitat von sysopEndet die Weltklimakonferenz in Durban mit einer Enttäuschung? Eine Neuauflage des Kyoto-Protokolls rückt in weite Ferne. Nicht einmal das Minimalziel, der Hilfsfonds für Entwicklungsländer, scheint erreichbar. Die Finanzierung der Klimakasse entzweit die Delegierten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,802314,00.html
Ich kann die Bedenken der "Industrieländer" nachvollziehen, ein wirklich erfolgreicher Ansatz muss alle Länder ins Boot holen. Ich halte einen Klimafonds für sinnvoll, er sollte die Investitionen aber sämtlich persönlich freigeben und kontrollieren, eine einfache Milliardenüberweisung in die Empfängerländer würde nur in korrupte Kanäle, sinnfreie oder umweltschutzfremde Projekte fließen. Die Industrieländer tun insgesamt dennoch zuwenig, somit tragen "beide Seiten" eine Mitschuld. Eine völlig gescheiterte Konferenz (was ja im Rahmen des Möglichen ist), würde dennoch v.a. die ärmeren Länder treffen, da diese von Umweltkatastrophen, Überbevölkerung und Klimawandel viel mittelbarer betroffen sind, für uns hier in Deutschland wäre dies weniger dramatisch. Man muss sich damit abfinden, dass einige Länder eben nur auf Blockadehaltung stehen, diese sollten ausgeschlossen und ein sinnvoller Konsens mit den anderen gefunden werden. Auch wenn die USA und China nicht mitmachen und damit 50% der weltweiten CO²-Ausstöße nicht betroffen wären: Die Entwicklungsländer müssen selbst Verantwortung übernehmen, in Verbindung mit einem starken Fonds der nur effektive Projekte fördert wäre dies schonmal ein wichtiger Schritt. Nicht falsch verstehen, selbst als Optimist muss man davon ausgehen, dass kein Staat und kein Politiker das CO² Problem wirklich in den Griff kriegt. Der Fonds sollte daher auch stark in Forschung investieren, nur hier liegt die wirkliche Zukunft.
stanislaus2 08.12.2011
5. Klimakonferenz
noch so eine Wichtigtuerei, mit der das Klima durch die vielen tausenden Anreisenden schwer geschädigt wird. Und das im Zeitalter der Videokonferenzen und Internet-Informationsaustausch in realtime. Konferenzen dienen heute nicht mehr der Information und der Abstimmung, sondern sind gesellschaftliche Prestigeveranstaltungen, wo MAN sich trifft. Wir, die wichtigen Insider gegen den Rest der dummen Menschheit. Reine Zeitverschwendung. Die Topleute schenken sich diese Jahrmärkte der menschlichen Eitelkeit.
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