Koordination durch Signale Fledermäuse jagen in der Gruppe

Effiziente Jagd durch intensives Lauschen: Wenn Fledermäuse nachts zur Beutesuche aufbrechen, dann orientieren sie sich an den Rufen ihrer Artgenossen. Die verraten nämlich, wo reichlich Futter zu finden ist.


London - Bei der Futtersuche haben die Kleinen Hasenmäuler nur wenig Zeit. Denn die Fledermäuse, die in Mittel- und Südamerika leben, jagen ausschließlich in der ersten Stunde nach Sonnenuntergang. Effizienz ist also entscheidend, wenn in dieser kurzen Zeit genügend Beute gemacht werden soll. Zusätzlich erschwert wird die Sache noch dadurch, dass die Fledermäuse unter anderem hinter Insektenschwärmen her sind, die sich alles andere als leicht aufspüren lassen.

Die Schreie der Fledermäuse sind so laut wie ein Düsenflugzeug - nur liegen sie im Ultraschall-Frequenzbereich und sind damit für das menschliche Ohr unhörbar. Bei den Hasenmaulfledermäusen haben Forscher vor rund einem Jahr einen Schalldruckpegel von mehr als 140 Dezibel gemessen. Das bedeutet, dass die Fledermäuse ihre Beute förmlich anbrüllen.

Um zu den nötigen Jagderfolgen zu kommen, haben die Tiere eine gemeinsame Strategie entwickelt. Eine Wissenschaftlergruppe um Dina Dechmann von der Universität Konstanz berichtet in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B", dass jede einzelne Fledermaus bei der Nahrungssuche nicht nur auf das Echo des von ihr selbst ausgesandten Ultraschalls lauscht, sondern auch auf die Rufe von Artgenossen.

Diese, so haben die Forscher nämlich herausgefunden, verkünden lauthals, wenn sie erfolgreich waren. Die Wissenschaftler hatten das herausgefunden, als sie die Ultraschallrufe der Fledermäuse am Panamakanal aufgenommen hatten. Bei der Auswertung konnten sie zwei verschiedene Rufe voneinander unterscheiden: Auf die normalen Echolotrufe zur Beutesuche folgt ein spezielles Summen, wenn die Jäger erfolgreich Beute gemacht hatten.

Mit Schall zur Beute

Spielten die Wissenschaftler nun freilebenden Tieren Aufnahmen von diesen Summlauten vor, flogen die Fledermäuse zu den Lautsprechern. Die Forscher schließen daraus, dass die Tiere ihre Artgenossen mit dem Schall zur Beute locken.

Das Team von Dechmann bestimmte außerdem die Entfernungen der Fledermäuse zueinander. Die Tiere flogen etwa 94 Prozent der Zeit in Hörweite mindestens eines Familienmitgliedes.

Das Kleine Hasenmaul jagt Insekten, die nachts über der Wasseroberfläche fliegen und in Schwärmen ungleichmäßig über dem Gewässer verteilt sind. Die gemeinsame Beutesuche hilft den Fledermäusen dabei, effizienter zu jagen, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Das Teilen von Informationen über Nahrungsquellen gilt als wichtiger Faktor für die Entwicklung von sozialen Verbänden im Tierreich. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Nachtjäger nur selten gemeinsam jagen, weil sie sich keine visuellen Hinweise geben können.

chs/ddp



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