Kopenhagen-Pleite Merkel setzt auf die Klimawende 2010

Die Hoffnungen auf ein Signal aus Kopenhagen wurden enttäuscht, das Ergebnis des Gipfels ist ein Desaster, die Opposition lästert über die einstige "Klima-Queen". Doch Angela Merkel bemüht sich um Zweckoptimismus - und weckt Erwartungen an die Gipfel in Bonn und Mexiko im kommenden Jahr.

Bundeskanzlerin Merkel: "Besteht der feste Wille, das Abkommen Ende 2010 zu fixieren"
dpa

Bundeskanzlerin Merkel: "Besteht der feste Wille, das Abkommen Ende 2010 zu fixieren"


Berlin/Washington - Monatelang haben die Vereinten Nationen Erwartungen geschürt, Kopenhagen könne der Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel sein. Doch dann schafften es die Staats- und Regierungschefs bei dem Mammut-Gipfel gerade einmal, sich auf einen Minimalkompromiss zu einigen.

Die 193 Teilnehmerstaaten nahmen lediglich zur Kenntnis, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Auf verbindliche Maßnahmen, um dies zu erreichen, verständigten sie sich nicht. Selbst Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Konferenz habe die Hoffnungen nicht erfüllen können.

Nun setzen Spitzenpolitiker und Experten auf das nächste Klimatreffen - in Mexiko im November 2010. Kanzlerin Angela Merkel warnte in der "Bild am Sonntag" vor überzogener Kritik: "Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger." Das Ergebnis sei ein Anfang, um bis zur Klimakonferenz in Bonn offene Fragen zu klären. Vom 31. Mai bis zum 11. Juni findet in Bonn ein Vorbereitungstreffen für Mexiko statt.

Merkel setzt darauf, dass das dieses Mal gescheiterte verbindliche Klimaschutzziel im kommenden Jahr verabschiedet wird: "Es besteht der feste Wille aller, die hier beteiligt sind, dann dieses Abkommen Ende des Jahres 2010 zu fixieren."

Reaktionen auf den Kopenhagen-Gipfel

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Auch der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, rechnet bei den Konferenzen in Bonn und Mexiko-Stadt mit bindenden Klimavereinbarungen, die am 1. Januar 2013 in Kraft treten sollen. Klimaschützer richten ihre Hoffnung unter anderem darauf, dass die USA bis zum Gipfel in Mexiko-Stadt im November ein Gesetz zur Treibhausgasreduktion verabschiedet haben könnten. Mexiko könne zudem die sehr schwierige Aufgabe des Brückenbauens viel besser erfüllen als Dänemark, sagte Kim Carstensen, Chef der Klima-Kampagne der Umweltschutzorganisation WWF.

"Es läuft auf drei bis vier Grad hinaus"

Der Klimaberater von Merkel, Hans Joachim Schellnhuber, sagte, noch sei nichts verloren. "Mit den derzeitigen Zusagen, sind wir aber sehr weit vom Zwei-Grad-Ziel entfernt. Es läuft auf etwa drei bis vier Grad hinaus", sagte der Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. "Die Vereinbarung hilft wenig, den Temperaturanstieg zu bremsen, es ist bei weitem noch nicht genug. Aber das Spiel ist noch nicht abgepfiffen". In Bonn und Mexiko gehe es weiter.

Um die ärmsten Länder vor den Klimafolgen zu schützen, sollen nun zumindest ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar aufgebracht werden. Doch die geplanten Soforthilfen für die nächsten drei Jahre wurden von den USA nach Angaben Merkels gestutzt. Die EU will weiter knapp 2,4 Milliarden Euro bereitstellen. Sie bleibe auch bei ihrem Angebot, bei einem Abkommen den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren. Bis dahin sei es das EU-Ziel, die bereits festgelegten 20 Prozent zu erzielen.

Umweltminister Norbert Röttgen kündigte an, Deutschland werde beim Klimaschutz weiterhin eine führende Rolle spielen. Er sagte der "Bild"-Zeitung, Deutschland stehe zu seinen Klimaschutzzielen und werde sich auf der nächsten Ministerkonferenz im Juni in Bonn "aktiv dafür einsetzen", dass der Prozess weiter vorangetrieben werde. Trotz der Enttäuschungen von Kopenhagen dürfe das Ziel eines umfassenden, weltweiten Klimaschutzabkommens nicht aufgegeben werden.

In Kopenhagen sei zwar nur wenig erreicht worden, aber die Alternative von wenig wäre nichts gewesen, sagte der Umweltminister. Immerhin hätten in dem Schlussdokument jetzt auch China und die USA "das Zwei-Grad-Ziel anerkannt, die Bereitschaft zur Überprüfbarkeit ihrer Maßnahmen erkennen lassen und sich zu finanziellen Anschubhilfen für Klimaschutz in Entwicklungsländern bekannt".

cte/Reuters/APD/dpa

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Seite 1
petsche 19.12.2009
1. Kopenhagen Fiasko
Wiso Fiasko ?? Die Machtkaempfe starten schon in der Familie . Einigen werden sich die Familienmitglieder nur dann wenn es etwas von anderen Familien zu holen gibt. Die Idee dass es bei Staaten anders sein sollte ist Bloedsinnig. Rausgeschmissenes Geld fur nutzloses politisches Geschwaetz. Die Schwesterwelle faselte von einer sich selbsttragenden Sicherheit. Ich schwafele mal von grosser Voelkerfreundschaft und "besonderer Freundschaft " zu einem der vielen Voelker.
Suppenkoch, 19.12.2009
2. Auf Thema antworten
Mal ganz ehrlich: gibt es überhaupt irgend jemanden, der einen anderen Ausgang dieses "Gipfels" erwartet hat? Alle sind so überrascht, dabei war es doch von Anfang an klar, dass die USA sich nicht einschränken werden und die Chinesen ebenfalls nicht. Damit haben wir die größten Verursacher und beide wollen sich nicht ändern. Also...
winterstein 19.12.2009
3.
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
ich würde sagen wir kümmern uns um andere sachen, wie z.b. die weiterhin anhaltende ausnutzung diverser entwicklungsländer durch die industriestaaten oder evt. sogar um den hunger in der welt. es ist schon toll, dass sich die westliche welt dermaßen im klimaschutz engagiert, wobei eben diese am wenigsten unter dem klimawandel leiden werden (ja, ich weiß über die zu erwartenden klima-flüchtlingsströme und die gigantischen versicherungszahlungen aufgrund verstärkter winterstürme bescheid)! ...und wir haben doch wirklich geld genug um die paar leute aus der norddeutschen tiefebene nach meck-pomm umzusiedeln. is vielleicht gar nicht verkehrt. nach wenig-wasser-benötigenden feldpflanzen wird auch schon efolgreich geforscht)! natürlich betreibe ich hier ganz gräßliche polemik... oder ist es vielleicht populismus? oder gar stammtischgeschwätz! wie auch immer! damit bin ich ich nicht alleine! wir werden alle veräppelt und von tatsächlichen problemen abgelenkt! grüße
Jamesteakirk 19.12.2009
4. Leugnung des Klimakollaps unter Strafe stellen, sonst gibt's Haue
Vielleicht sehen wir die Sache in wenigen Jahrzehnten ganz anders. Ich habe bis vor kurzem an die Erderwärmung geglaubt. Wenn ich jedoch sehe, wie totalitär die Klimahysteriker wie Al Gore und Konsorten vorgehen, wie seriöse Kritik diffamiert und diskreditiert wird, dann bekomme ich ernsthafte Zweifel an dem ganzen Brimborium. Ich halte es durchaus für möglich, daß wir die Sache in ein paar Jahren viel entspannter sehen. Aus tiefenpsychologischer Sicht ergibt sich schon allein aus der Hysterie, dem Gutmenschentum und ähnlichen Begleiterscheinungen zwingend, daß hier etwas nicht stimmt und manipuliert wird. Ich habe gerade heute gelesen, wie seriöse und differenzierte Kritiker wie Björn Lomborg angefeindet und verleumdet werden. Es gibt einen Klima-Business. Ähnlich auch anderen Businessen bei politisch-korrekt besetzten Themen. So darf man beispielsweise auf keinen Fall die "Natürlichkeit" der Homo- und Transsexualität infrage stellen, weil dies angeblich eine Diskriminierung darstellt. Hier werden zwei Fragen verknüpft, die nicht zusammengehören, um unangenehme Erklärungsmöglichkeiten zu beseitigen. Ebenso vergeht man sich an der Menschheit und ist ein Verbrecher, wenn man die Klimahysterie infrage stellt.
mot2 19.12.2009
5. Reality
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
Aufwachen, Augen reiben und nachdenken! zum Grusse
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