Symbiose Korallen locken Fische zum Putzen

Wuchernde Algen schaden Tieren - doch Korallen wissen, sich zu wehren: Sie rufen Fische zur Hilfe, die fressen die Gewächse weg. Für ihre Unterstützung werden die Helfer eindrucksvoll belohnt.

Danielle Dixson

Hamburg - Korallen sind zwar Tiere, aber keine sonderlich kommunikativen. Die Riffbewohner machen dennoch sehr wohl auf ihre Bedürfnisse aufmerksam. Sie fordern Fische auf, Algen zu entfernen, berichten Danielle Dixson und Mark Hay vom Georgia Institute of Technology im Wissenschaftsjournal "Science".

Die Biologen haben Korallenriffe um den südpazifischen Inselstaat Fidschi untersucht, um das Zusammenspiel von Korallen, Fischen und Algen zu klären. Dabei konnten sie nachweisen, dass Steinkorallen der Art Acropora nasuta einen Duftstoff aussenden, sobald ihnen Haaralgen zu nahe kommen.

Die Substanz habe einen erstaunlichen Effekt: Sie bringe Korallengrundeln dazu, das für die Korallen giftige Seegras zu fressen, bevor es zu stark wuchert. Nach den Alarmsignalen fraßen die Fische demnach innerhalb von drei Tagen fast ein Drittel des Algenbestands am Riff auf. Dadurch reduzierten sich die Schäden an den Korallen um 70 bis 80 Prozent, schreiben die Forscher.

Die Putzarbeit hat auch für die Grundeln zwei Vorteile: Zum einen bieten die Korallen den nur etwa 3,5 Zentimeter großen Fischen einen relativ sicheren Unterschlupf. Zudem reichern die Grundeln dank der Algen Stoffe an, die sie für Raubfische weniger schmackhaft machen.

Fragile Symbiose

An Blaupunkt-Korallengrundeln, die einen giftigen Schleim zur Verteidigung gegen Fressfeinde produzieren, konnten die Forscher diesen Effekt nachweisen. Räuber, die mit dem Schleim der Algenfresser in Kontakt kamen, verloren mehr als doppelt so schnell ihr Gleichgewicht wie bei Grundeln, die algenfreie Korallen bewohnten.

Um sicherzugehen, dass die Grundeln tatsächlich auf die von den Korallen ausgestoßenen Duftstoffe und nicht einfach auf den Algengeruch reagierten, entnahmen Dixson und Hay Wasserproben aus der Umgebung der Algen, der Korallen und aus deren Kontaktbereich. Sie analysierten zudem Proben, nachdem die Algen entfernt worden waren, die Korallen den Lockstoff aber weiterhin produzierten. Nur mit dieser Wasserprobe ließen sich die Fische schließlich zum Säubern locken.

In dieser Symbiose kommt den Grundeln die wichtige Rolle zu, die Korallen gegen Algenbefall zu verteidigen, folgern die Forscher. Die Beziehung demonstriere, wie eng verknüpft Organismen im Meer leben. Solche Symbiosen könnten die Wirkung von Umweltschäden wie Überfischung, Erwärmung oder Versauerung der Ozeane verstärken, mahnen die Experten.

twn



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