Kosmische Eruption Sonnensturm flaut ohne größere Störungen ab

Stromausfälle, Probleme im Flugverkehr, gestörte Satellitennavigation: Der mächtigste Sonnensturm seit Jahren traf am Donnerstag auf die Erde und sollte vor allem auf der Nordhalbkugel zu massiven Störungen führen. Doch die blieben aus - vorerst. 

NASA/ SDO/ AIA

Hamburg - Die Warnungen der Weltraum-Experten waren offenbar unbegründet: Der Sonnensturm, der am Donnerstag auf die Erde traf, verlief deutlich harmloser als vorhergesagt. Der Sturm hatte der US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA) zufolge keine nennenswerten Auswirkungen auf Stromnetze und Kommunikationssysteme. Jedoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich das magnetische Feld des Sturmes bis zum Freitagvormittag doch noch verstärkt - solange hält das Ereignis nach den Vorhersagen der Behörde an.

NOAA-Experte Joseph Kunches musste nun einräumen, dass die Behörde mit den Warnungen vermutlich danebengelegen habe. Allerdings sei es "fast unmöglich", genaue Aussagen über das Magnetfeld innerhalb der von der Sonne ausgestoßenen Teilchenwolke zu machen, sagte er. Am Ende erreichte der Sonnensturm nur die niedrigste Stufe der Messskala. Wegen der anhaltenden Sonnenaktivität könnten sich die Auswirkungen der Sonnenwinde in den kommenden 24 Stunden allerdings verstärken. Störungen von Satelliten und Funkverkehr auf der Erde seien weiter möglich.

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Starker Sonnensturm: Satelliten im Dauerbeschuss
Die geladenen Teilchen verursachten zudem bereits Probleme im Orbit. "Wir haben ein paar Satelliten, die ihre wissenschaftlichen Experimente nicht nutzen können", sagt Paolo Ferri von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) SPIEGEL ONLINE. Betroffen seien unter anderem die Weltraumobservatorien "Intergral" und "XMM-Newton". Bei der "Cluster"-Satellitenkonstellation, die das Erdmagnetfeld erforscht, habe es zumindest zeitweise Elektronikprobleme gegeben. Zumindest diese habe man aber mittlerweile wieder im Griff.

Auch die Raumsonde "Venus Express" habe durch den Sonnensturm mit Problemen zu kämpfen, beklagt Ferri: "Seit gestern morgen sind wir blind." Der Partikelsturm sei an der Venus noch stärker gewesen als an der Erde. Deswegen seien die Sternensensoren der Sonde geblendet. Sie konnten zwischenzeitlich nicht zur Lageregelung genutzt werden.

Die Sonne bewegt sich derzeit in ihrem elfjährigen Zyklus auf den Höhepunkt ihrer Aktivität zu. Nach Angaben der Nasa wird er für 2013 erwartet. Experten befürchten, dass es dann verstärkt zu Störungen im Alltag kommen könne, da mittlerweile Satelliten und Navigationssysteme viel stärker verwendet werden als früher. Grundsätzlich wird die Erde aber durch ihr starkes Magnetfeld vor den Auswirkungen geschützt.

Schon in vergangenen Jahrhunderten haben Sonneneruptionen und die folgenden magnetischen Stürme das Leben auf der Erde beeinflusst. Die erste größere Sonneneruption wurde 1859 vom britischen Forscher Richard Carrington entdeckt. Die Nasa berichtete von Störungen des Telefonnetzes in Bundesstaat Illinois durch einen Sonnensturm 1972 und von Stromausfällen in der kanadischen Provinz Québec 1989.

vks/AFP/dpa



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