Kreide-Tertiär-Grenze Forscher enträtseln prähistorisches Bienensterben

Zeitgleich mit Dinosauriern und vielen Pflanzen starben vor 65 Millionen Jahren auch Holzbienen fast vollständig aus. Erstmals gelang Biologen dieser Beweis. Mit ihren neuen Erkenntnissen wollen sie den Schutz der heute lebenden Insekten verbessern.

Die Holzbiene: Wissenschaftler wollen aus frühem Massensterben Schutzmaßnahmen für heutige Insekten ableiten
Sandra Rehan/ UC of New Hampshire

Die Holzbiene: Wissenschaftler wollen aus frühem Massensterben Schutzmaßnahmen für heutige Insekten ableiten


Manche Arten der Holzbiene sehen gar nicht aus, wie eine Biene. Eher wie eine schwarze Hummel. Am liebsten bauen sie ihre Nester an Holzbalken oder in mürbes Holz, daher ihr Name. Schon zu Zeiten der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren flogen sie durch das heutige Amerika und Europa. Als die Dinosaurier jedoch ausstarben, ereignete sich unter den Holzbienen ein Massensterben.

In der Übergangsphase von der Kreidezeit zum Paläogen, der sogenannten KT-Grenze, starben nicht nur die Dinosaurier, sondern auch viele Blütepflanzen aus. Forscher folgerten daraus, dass ein Großteil der Bienenarten, die sich von diesen Pflanzen ernähren, ebenfalls ihr Ende fanden. Bislang konnten Forscher in ihren Studien diese Überlegung nur annehmen, nicht aber beweisen.

Einen Beleg zu finden war schwierig, denn im Gegensatz zu den Dinosauriern gibt es nur wenige Fossilien aus dieser Zeit. Amerikanische Biologen haben nun eine Lösung gefunden, ihre Arbeit haben die Forscher um Biologin Sandra Rehan von der amerikanischen University of New Hampshireist im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht.

Etwas Einschneidendes war geschehen

Rehan und Kollegen aus Australien wendeten die Technik der molekularen Phylogenie an, einer speziellen Methode der Stammbaumrekonstruktion. Sie untersuchten die DNA von vier verschiedenen Stämmen der insgesamt 230 existierenden Arten der Holzbienen, eine von jedem Kontinent, ausgenommen Antarktis. So konnten sie Verwandschaftsbeziehungen und Muster feststellen, die mit dem Massensterben in Verbindung stehen.

Als sie die DNA-Analysen dann mit den Fossilien verglichen und den Faktor Zeit mit in die Gleichung einbrachten, lernten sie nicht nur etwas über die Beziehungen der Bienen zueinander, sondern auch über ihr Alter: "Die Daten haben gezeigt, dass in allen vier Gruppen zur selben Zeit etwas Einschneidendes passiert ist", sagte Rehan. Und außerdem sei es genau zu der Zeit passiert, als die Dinosaurier ausstarben.

Die Biologin Rehan hat sich stets auch mit der Verhaltensbeobachtung der Bienen beschäftigt. Mit Methoden der Bioinformatik vervollständigte sie nun die Forschung darüber, Daten über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Arten festzustellen. Das zeichne ein umfassenderes Bild vom Verhalten der Bienen, so Rehan.

Rehan hofft, dass ihr Wissen über die Bienen für den Erhalt der heutigen Arten von Nutzen sein und ein Massensterben verhindern kann. "Wenn wir wissen, wie sich die Tiere in der Vergangenheit verändert haben, sind wir auch für den heutigen Bienenschutz besser ausgestattet."

kbl

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