Kreidezeit-Katastrophe Urvögel starben mit den Dinosauriern

Zum Ende der Kreidezeit ereignete sich eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Erdgeschichte, unzählige Arten starben aus. Ob es damals auch die Urvögel erwischte oder ob sie bereits vorher verschwunden waren, haben Forscher jetzt anhand neuer Fossilfunde geklärt.

Fuß- und Schulterknochen: Fossilien deuten auf plötzliches Ende der Urvögel
Nicholas Longrich

Fuß- und Schulterknochen: Fossilien deuten auf plötzliches Ende der Urvögel


Zu den Opfern des großen Massenaussterbens am Ende der Kreidezeit gehörten neben den Dinosauriern offenbar auch zahlreiche urzeitliche Vogelarten. Das haben Forscher bei der Auswertung von rund 65 Millionen Jahre alten Vogelfossilien festgestellt. Bisher sei unklar gewesen, ob diese Urvögel schon vorher allmählich verschwanden oder ob sie erst beim Massenaussterben ausgerottet wurden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Jetzt wisse man, dass Exemplare aus vier verschiedenen Stammeslinien der Vögel noch bis mindestens 300.000 Jahre vor dem Ende der Kreidezeit lebten. Ihre Präsenz in dieser Zeit liefere starke Belege dafür, dass der Einschlag des Chicxulub-Asteroiden auch ein Massenaussterben auch unter den frühen Vögeln auslöste, schreiben Nicholas Longrich von der Yale University in New Haven und seine Kollegen.

Für ihre Studie hatten die Forscher Vogelknochen aus drei Fossillagerstätten im Westen Nordamerikas untersucht. Die Zuordnung dieser Fossilien sei bisher unklar gewesen, viele seien aufgrund oberflächlicher Ähnlichkeiten zunächst modernen Vogelgruppen zugeteilt worden. Jetzt habe sich gezeigt, dass alle 17 identifizierten Arten zu urzeitlichen Formen gehörten, die das Ende der Kreidezeit nicht überlebten.

Offenbar habe erst das Fehlen der einst zahlreichen primitiven Vogelgruppen nach der Katastrophe die Ausbreitung und Entwicklung moderner Vögel ermöglicht. "Dies unterstreicht das Ausmaß, in dem das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit die Vielfalt der modernen Vögel geprägt hat", sagen die Forscher.

Durch Schulterknochen identifiziert

Die fossilen Vogelknochen stammen aus Gesteinsformationen der späten Kreidezeit in Montana, North Dakota und South Dakota, aus Wyoming und aus dem kanadischen Saskatchewan. Dort waren meist keine vollständigen Vogelskelette erhalten, sondern nur einzelne Knochen. Die Forscher nutzten den am häufigsten konservierten Schulterknochen, das sogenannte Coracoid, um die Arten zu identifizieren.

Insgesamt konnten die Forscher 17 Urvogelarten nachweisen. Damit handele es sich um das bisher umfangreichste Artenspektrum spätkreidezeitlicher Vögel. Die Bandbreite habe dabei von dem knapp fünf Kilogramm schweren Avisaurus bis zu nur 200 Gramm wiegenden Arten gereicht. Moderne Vogelgruppen seien in diesen Formationen dagegen auffallend abwesend, konstatieren die Forscher. Aufgrund der Datierung liege es nahe, dass die archaischen Vogelarten erst durch das Massenaussterben nach dem Meteoriteneinschlag endgültig verschwanden. Aus wenigen überlebenden Vogelgruppen sei dann die Vielfalt der modernen Vögel entstanden.

Vor 65 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit, starben nicht nur die Dinosaurier aus. Auch fast alle anderen Organismengruppen, darunter andere Reptilien, Säugetiere, Insekten und Pflanzen, erlitten starke Verluste. "Es wäre daher bemerkenswert, wenn die Vögel das Ereignis unbeschadet überstanden haben sollten", schreiben die Forscher. Allerdings sei die Existenz eines Massenaussterbens unter den frühen Vögeln bisher umstritten gewesen.

wbr/dapd

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