Kreidezeit Säbelzahneichhörnchen streiften durch Patagonien

Ein ungewöhnlicher Fund erweitert das Wissen über die frühen Säugetiere Südamerikas: Forscher haben Schädel eines kleinen Hörnchens entdeckt, das erstaunlich große Eckzähne besaß - und sehr an eine beliebte Kinofigur erinnert.

Cronopio dentiacutus (Illustration): Frühe Säugetiere mit spitzen Zähnen
DPA/ Jorge Gonzales/ Guillermo Rougier

Cronopio dentiacutus (Illustration): Frühe Säugetiere mit spitzen Zähnen


Hamburg - Plüschiger Schwanz, riesengroße Augen, lange, spitze Eckzähne und eine übertriebene Vorliebe für Eicheln: Im Animationsfilm "Ice Age" wuselte das Tierchen Scrat - eindeutig ein Fantasiegeschöpf - ständig seinem Lieblingssnack hinterher. Doch Forscher haben nun Überreste eines realen Säbelzahneichhörnchens entdeckt. Das Tier lebte allerdings nicht wie der Kinoheld Scrat gleichzeitig mit Mammuts und Faultieren, sondern streunte bereits vor rund hundert Millionen Jahren durch das heutige Argentinien.

Über das Cronopio dentiacutus getaufte Kreidezeit-Tier berichten Forscher um Guillermo Rougier von der University of Louisville (US-Bundesstaat Kentucky) jetzt im Wissenschaftsmagazin "Nature". Wie der "Ice Age"-Star Scrat hatte der kleine Säuger eine sehr lange Schnauze und bedrohlich lange Eckzähne - nur wirkt es deutlich weniger possierlich. Im Gegensatz zu Scrat jagten die Kreidezeit-Hörnchen wohl auch keinen Eicheln hinterher, sondern fingen Insekten und eventuell auch kleinere Tiere.

Phantasiegeschöpf mit langen Zähnen

Die Forscher hatten am Flussbett La Buitrera in der Provinz Río Negro am nördlichen Rand von Patagonien gut erhaltene Schädel und Kiefer gefunden. Mit Cronopio dentiacutus werde eine 60 Millionen Jahre große Forschungslücke in der Entwicklungsgeschichte der Säugetiere in Südamerika geschlossen, so die Wissenschaftler. Der Begriff "Cronopio" stammt aus Geschichten des argentinischen Schriftstellers Julio Cortázar, wo sie bizarre Phantasiegeschöpfe bezeichnen. "Dentiacutus" beschreibt die langen Zähne des primitiven Säugetiers.

Das Tier gehört zu den sogenannten Dryolestoiden, einer bereits ausgestorbenen Tiergruppe, von der die heutigen Beutelsäuger und die Höheren Säugetiere abstammen.

In einem Kommentar in "Nature" beschreibt Christian de Muizon vom französischen Muséum National d'Histoire Naturelle in Paris, wie wichtig der Fund der Schädel ist. Fossilien von Säugetieren, die zur Zeit der Dinosaurier lebten, seien ausgesprochen selten - und gerade komplette Schädel ließen zahlreiche Rückschlüsse über die Entwicklung der frühen Säuger zu.

wbr/dpa



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