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Kritik an Politikern Forscher beklagen wissensfreien Wahlkampf

Albert Einstein: Wissenschaftsheld und einflussreicher PolitikberaterZur Großansicht
AFP

Albert Einstein: Wissenschaftsheld und einflussreicher Politikberater

2. Teil: "Wisschenschafts-Analphabetismus" und "Ordinarien-Arroganz": Warum Forscher und Volk einander nicht verstehen

Danach aber ging der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik zurück - bis hin zu dem Tiefpunkt während der Amtszeit von George W. Bush, was unter anderem dazu führte, dass die USA im Kampf gegen den Klimawandel um Jahre zurückfielen.

In den Vereinigten Staaten wird, wie auch in Deutschland nach dem Pisa-Schock, gern der "wissenschaftliche Analphabetismus" für die Sprachlosigkeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft verantwortlich gemacht. Das aber dürfte der falsche Ansatz sein, argumentieren die US-Journalisten Chris Mooney und Sheril Kirshenbaum in ihrem jüngsten Buch "Unscientific America": Zum einen sei es illusorisch, zu glauben, man könne einen bedeutenden Teil der Bevölkerung per Schulunterricht in die Lage versetzen, wissenschaftlichen Debatten im Detail zu folgen. Selbst Fachleute müssten gehöriges Wissen ins Feld führen, um etwa die Argumente von Klimawandel-Skeptikern zu entkräften.

Nicht jeder kann Klimaforscher sein

Zum anderen sei solches Detailwissen in der breiten Bevölkerung auch gar nicht notwendig. Wichtig sei vielmehr, dass die Gesellschaft versteht, wie wichtig Forschung ist. Die Wissenschaft müsse "einen viel höheren Stellenwert in Politik und Medien besitzen, eine wesentlich größere Relevanz im täglichen Leben einnehmen" und "die Agenda für die Zukunft bestimmen, so weit wir sie absehen können", schreiben Mooney und Kirshenbaum.

Klimaforscher Schellnhuber sieht durchaus "die Chance einer Renaissance der Forschung in der öffentlichen Kultur Deutschlands". "Das Interesse an Wissenschaft ist in der Öffentlichkeit prinzipiell vorhanden", sagte Schellnhuber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das müssen wir nutzen." Die Aufgeschlossenheit gegenüber der Wissenschaft sei derzeit größer als in den vergangenen 20 Jahren. "Als Physiker und Mathematiker wurde ich früher fast schon als Zombie angesehen", so Schellnhuber. "Das hat sich glücklicherweise geändert." Auch bei Politikern bestehe generell die Bereitschaft, Ratschlägen aus der Wissenschaft zu folgen - "aber nur, wenn die Öffentlichkeit das fordert".

"Ordinarien-Arroganz noch nicht überwunden"

Die aber werde zu wenig über wissenschaftliche Zusammenhänge informiert. Die Verantwortung dafür sieht Schellnhuber sowohl bei Nachrichtenmedien, die wissenschaftliche Themen in ihrer täglichen Berichterstattung weitgehend ausblenden, als auch bei der Forschergemeinde. "Manche Wissenschaftler bedenken nicht, dass sie mit öffentlichen Geldern finanziert werden und der Öffentlichkeit Informationen über ihre Arbeit schuldig sind", sagt Schellnhuber. "Die Ordinarien-Arroganz der Nachkriegszeit ist in Deutschland leider immer noch nicht ganz überwunden."

Fraunhofer-Präsident Bullinger pflichtet bei: Der Dialog mit der Öffentlichkeit sei eine Aufgabe für "das breite Feld" der Wissenschaftler, nicht nur für die Top-Funktionäre. "Und dieser Diskurs kann nicht entlang unserer Wissenschaftssystematiken stattfinden." Im Zweifel müssten Forscher den Mut finden, mit ihren Erkenntnissen auch dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sie noch nicht den allerletzten Zweifel ausgeräumt hätten.

Zwar sei die Entwicklung der Forschungsfinanzierung in Deutschland derzeit durchaus positiv, doch Gefahr drohe durch die Wirtschaftskrise. "Es scheint derzeit noch offen, ob die Überschuldung der Haushalte dazu führen wird, dass Wissenschaft wieder als Luxus angesehen wird", sagt Schellnhuber. Ähnlich äußerte sich Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Die Politik sei zur Ausgabe von Milliardenbeträgen bereit gewesen, weil gefährdete Banken als "systemrelevant" erkannt worden seien. "Was aber kann in einem rohstoffarmen und hoch entwickelten Staat wir Deutschland systemrelevanter sein als eine solide Basis für Forschung und Bildung?"

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insgesamt 89 Beiträge
Die_wahrheit_123 25.09.2009
Bis auf die bekloppten Plakate der Grünen mit zermatschten Früchten und so weisen Sprüchen wie geGEN. Oha...
Zitat von sysopKlimawandel, die atomare Bedrohung, Energiekrise, knappe Nahrungsmittel: Deutschland und die Welt steuern auf gewaltige Probleme zu. Doch im Wahlkampf ignorierten die Parteien die brisanten Themen, klagen Forscher. Wahlkampf ohne Wissenschaft?
Bis auf die bekloppten Plakate der Grünen mit zermatschten Früchten und so weisen Sprüchen wie geGEN. Oha...
Hermes75 25.09.2009
Im Bundeshaushalt 2009 sind von 290 Mrd.€ Ausgaben gerade einmal 10 Mrd. für Forschung und Bildung vorgesehen. Das zeigt doch schon sehr deutlich welche Bedeutung das Thema für die Bundespolitik hat. Wahrscheinlich denken [...]
Zitat von sysopKlimawandel, die atomare Bedrohung, Energiekrise, knappe Nahrungsmittel: Deutschland und die Welt steuern auf gewaltige Probleme zu. Doch im Wahlkampf ignorierten die Parteien die brisanten Themen, klagen Forscher. Wahlkampf ohne Wissenschaft?
Im Bundeshaushalt 2009 sind von 290 Mrd.€ Ausgaben gerade einmal 10 Mrd. für Forschung und Bildung vorgesehen. Das zeigt doch schon sehr deutlich welche Bedeutung das Thema für die Bundespolitik hat. Wahrscheinlich denken die Politiker, dass die meisten Bürger sich ohnehin nicht für wissenschaftliche Themen interessieren und wenn halt nur in Form von populistischen Parolen gegen "Gen-..." oder "Atom-...". Preisfrage: Wieviel Prozent der Bürger wissen, dass sie selbst aus Atomen und Genen bestehen? ;-) Solange es gesellschaftlich akzeptiert ist, dass Leute die Schulen verlassen ohne auch nur grundlegendes naturwissenschaftliches Wissen zu besitzen, so lange wird Wissenschaft nie ein Wahlkampfschlager in diesem Land werden.
reuanmuc 25.09.2009
Probleme hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das Leben an sich ist ein Problem. Es gibt viele gleichwertige Probleme, kaum ein herausragendes, existenziell bedrohendes. Die Wissenschaft muss zur Lösung der Probleme [...]
Zitat von sysopKlimawandel, die atomare Bedrohung, Energiekrise, knappe Nahrungsmittel: Deutschland und die Welt steuern auf gewaltige Probleme zu. Doch im Wahlkampf ignorierten die Parteien die brisanten Themen, klagen Forscher. Wahlkampf ohne Wissenschaft?
Probleme hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das Leben an sich ist ein Problem. Es gibt viele gleichwertige Probleme, kaum ein herausragendes, existenziell bedrohendes. Die Wissenschaft muss zur Lösung der Probleme beitragen, dabei spielt die Partei aber keine Rolle, sondern die parteilosen Gesetze der Natur oder der Ökonomie. Folglich kann die Wissenschaft im Wahlkampf keine parteipolitische Rolle spielen. Dem Wähler kann es weitgehend egal sein, auf welche Weise oder nach welchen wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten die Probleme gelöst werden. In den sozialen und politischen Belangen wiederum kann auch die Wissenschaft nicht zur Lösung beitragen, spielt also auch hier keine Rolle. Fazit: Wissenschaft hat im Wahlkampf nichts zu suchen, außer in der Wissenschaftspolitik selber.
physik 25.09.2009
Ein paar Tage vor der Wahl wurde doch noch ein wissenschaftliches Thema angeschnitten - genauer gesagt ein mathematisches: Überhangmandate. Die mathematische Problemstellung dahinter ist eigentlich ausgesprochen interessant - [...]
Zitat von sysopKlimawandel, die atomare Bedrohung, Energiekrise, knappe Nahrungsmittel: Deutschland und die Welt steuern auf gewaltige Probleme zu. Doch im Wahlkampf ignorierten die Parteien die brisanten Themen, klagen Forscher. Wahlkampf ohne Wissenschaft?
Ein paar Tage vor der Wahl wurde doch noch ein wissenschaftliches Thema angeschnitten - genauer gesagt ein mathematisches: Überhangmandate. Die mathematische Problemstellung dahinter ist eigentlich ausgesprochen interessant - die Schmutzkampagne mit der Überhangmandaten ihr Mandat nicht vergönnt wird, ekelt mich aber an. Das Wahlsystem ist und war vorher bekannt. Jeder mündige Wähler kann sein Verhalten danach richten. Dass aber Mandate abhängig vom Ausgang der Wahl in Frage gestellt werden, kannte ich bisher nur von einigen äußerst wackeligen "Demokratien". Dass sich auch noch die SPD daran beteiligt - obwohl sie gerade bei den letzten drei Bundestagswahlen am stärksten von diesen Mandaten profitiert hat - wirkt auf mich äußerst befremdend: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberhangmandat#Auswirkungen_der_.C3.9Cberhangmandate_bei_den_bisherigen_Bundestagswahlen
Internetnutzer 25.09.2009
Seit wann schafft Wahlkampf Wissen? Ich dachte es wäre zur Verwirrung der Wähler gemacht. Und wer kämpft denn mit wem, die Politik gegen den Bürger? Nur einfache Geister wollen wirklich so ein Kasperletheater erleben.
Seit wann schafft Wahlkampf Wissen? Ich dachte es wäre zur Verwirrung der Wähler gemacht. Und wer kämpft denn mit wem, die Politik gegen den Bürger? Nur einfache Geister wollen wirklich so ein Kasperletheater erleben.
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