Vogelstudie Forscher lösen Rätsel um Kuckuckssterben

In Großbritannien wird der Kuckuck immer seltener. Warum die Bestände schwinden, wussten Forscher lange nicht. Nun glauben Ornithologen, den Grund entdeckt zu haben.

Kuckuck auf Holzpfahl
Edmund Fellowes/ BTO/ Nature/ DPA

Kuckuck auf Holzpfahl


Es ist ein merkwürdiger Vorgang, den Forscher in Großbritannien seit einigen Jahren beobachten: Die Population des Kuckucks geht zurück. Warum immer weniger der Vögel mit dem charakteristischen Ruf auftauchen, stellte Ornithologen bislang vor ein Rätsel. Aber nun glauben britische Biologen, eine Antwort gefunden zu haben.

Der in Großbritannien festgestellte Populationsrückgang beim Kuckuck stehe direkt mit der Wahl der Migrationsroute in Verbindung, schreiben britische Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Ausgerechnet die Tiere, die kürzere Wanderrouten ins Überwinterungsgebiet südlich der Sahara nehmen, laufen Gefahr, eher zu sterben.

Chris Hewson von der britischen Stiftung für Ornithologie und sein Team hatten 42 männliche Kuckucke aus neun auf der britischen Insel verteilten Populationen mit einem Sender versehen und zwischen 2011 und 2014 deren Wanderungen ins afrikanische Winterquartier verfolgt. Ein Teil der Vögel wählt eine Westroute über Spanien, ein Teil fliegt östlich über Italien beziehungsweise das Balkangebiet gen Afrika. Nach der Überquerung der Sahara befinden sich Angehörige beider Gruppen im selben Überwinterungsgebiet. Die meisten Brutpopulationen in Großbritannien bestehen aus Mitgliedern beider Wanderrouten.

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Die Auswertung zeigte, dass die Sterblichkeit bis zur Überquerung der Sahara - die für beide Gruppen die größte ökologische Hürde auf der Strecke darstellt - in der Westgruppe höher war als in der Ostgruppe. Und das, obwohl dies die kürzere der beiden Flugrouten ist.

Die Forscher vermuten, dass möglicherweise in den vergangenen Jahren aufgetretene Dürren und damit in Verbindung stehende Flächenbrände in Spanien den Tieren das Leben schwer machten. Viele der Tiere aus Großbritannien wählten die verhängnisvolle Westroute, zeigte die Studie.

Ob die Kuckucksbestände in Großbritannien auch zurückgehen, weil die Vögel zu spät zur Eiablage eintreffen, ist bisher nicht klar. Für Deutschland hatte der Naturschutzbund (Nabu) im Frühjahr berichtet, dass die Vögel wegen des Klimawandels zunehmend Probleme mit der Eiablage haben. Während andere Zugvögel früher als sonst einträfen und entsprechend früh mit der Brut begännen, habe der Kuckuck seinen Zeitplan nicht verändert. Wenn er aus dem südlichen Afrika ankomme - meist Mitte April -, sei die Brut der meisten heimischen Arten schon im Gang, sagte Berthold Langenhorst, Sprecher des hessischen Nabu-Landesverbandes, damals.

joe/dpa



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