Künstliches Leben Biologen erschaffen erstmals Chromosom im Labor

Premiere im Labor: Erstmals haben Forscher ein Chromosom eines Lebewesens mit Zellkern nachgebaut. Zukünftig wollen sie ganze Pflanzen- oder Tiergenome im Labor erschaffen. Ihrem Ziel kommen sie immer näher.

DPA/ Science/ Lucy Reading Ikkand

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Bier, backen oder gar nichts - das sind die Dinge, die wohl die meisten Menschen mit Hefe verbinden. Forscher haben ganz andere Assoziationen: Im Labor haben sie erstmals ein funktionsfähiges Chromosom von einem Eukaryonten hergestellt - einem Lebewesen mit Zellkern. Versuchsorganismus: Saccharomyces cerevisia, die Bäckerhefe.

Zunächst am Computer entwarf das internationale Forscherteam den Bauplan für das künstliche Chromosom und schleuste es anschließend in lebende Zellen ein. Chromosomen enthalten Gene, auf denen Informationen für die Funktion von Zellen gespeichert sind. Zusammengesetzt sind die DNA-Stränge der Chromosomen aus Basenpaaren.

Das Genom der Bäckerhefe, das insgesamt aus 16 Chromosomen besteht, ist seit 1996 entschlüsselt. Das jetzt nachgebaute Chromosom III gilt als das drittkleinste der Hefe. Dennoch brauchten die Wissenschaftler um Jef Boeke vom New York University Langone Medical Center sieben Jahre, um die 273.871 Basenpaare zusammenzubasteln. Das künstliche Chromosom, das den Namen synIII trägt, ist etwas kleiner als sein natürliches Vorbild, das aus 316.667 Basenpaaren besteht. Zum Vergleich: Ein menschliches Chromosom enthält durchschnittlich 140 Millionen Basenpaare.

Glücksspiel im Labor

Im ersten Schritt entfernten die Forscher am Computer sich wiederholende Informationen aus der Basenpaar-Abfolge der Hefe, berichten sie im Fachmagazin "Science". Für das Wachstum und die Fortpflanzung der Zellen sind die Informationen überflüssig. Ebenfalls ignoriert wurde Junk-DNA, also Basenpaarfolgen, die keine Informationen zur Proteinherstellung tragen. Gleichzeitig fügten Boeke und Kollegen der DNA Bausteine hinzu, um einzelne Abschnitte als künstlich oder natürlich zu markieren oder sie später zu löschen oder zu verschieben.

"Ein Genom zu verändern, ist immer auch ein Glücksspiel", so Boeke. Eine falsche Veränderung könne die Zelle töten. "Wir haben den DNA-Code des Chromosoms über 50.000-mal verändert und die Hefe lebt immer noch."

60 Studenten hatten dem Computer-Chromosom im Labor Leben eingehaucht. Die Nachwuchsforscher fügten kurze DNA-Schnipsel zu immer längeren Strängen zusammen und schleusten sie in Hefezellen ein. Anschließend testeten sie, wie gut die Hefe mit dem künstlichen Chromosom leben konnte.

Unter 19 verschiedenen Bedingungen - unterschiedlichen Temperaturen oder in Säure - prüften sie, wie schnell sich die Hefe vermehrte. Außerdem beobachteten sie in 30 Hefekolonien, inwiefern sich durch Zellteilung Mutationen in die DNA einschlichen. Nach 125 Teilungen ging es der Hefe immer noch gut. Dass Informationen bei der Zellteilung verloren gingen, sei normal, so Boeke. In synIII sei der Anteil nur minimal höher gewesen als in natürlichen Zellen.

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Maßgeschneidertes Leben: Bakterium erschaffen
Genreihenfolge würfeln

Das Chromosom herzustellen, war den Forschern jedoch nicht genug. Sie veränderten zusätzlich die Erbinformation, um Einfluss auf die Funktion der Organismen zu nehmen. Das Prinzip könne man sich mit einem Kartenspiel vorstellen, erklärt Boeke. Jedes Gen sei eine Karte. "Wir können alle möglichen Gruppen von Karten zusammenpacken, die Reihenfolge vermischen und Hunderte verschiedene Decks zusammenstellen. Dann können wir so lange mischen, bis wir ein Deck finden, mit dem die Hefe unter festgelegten Bedingungen am besten überleben kann - etwa unter höheren Alkoholkonzentrationen."

Über die Methode seien Forscher in der Lage, im Labor in kurzer Zeit Genvarianten herzustellen, über die Hefe beispielsweise seltene Medikamente erzeugen könne. Etwa Artemisinin, eine Substanz, die natürlich von einer Pflanze - dem Einjährigen Beifuß - hergestellt wird und die gegen multiresistente Stämme eines Malariaerregers eingesetzt wird. Auch der Impfstoff gegen Hepatitis B wird mit Hilfe von Hefe produziert.

Bereits im vergangenen Jahrzehnt haben Forscher Chromosomen von Bakterien oder Erbgut von Viren im Labor erzeugt. Pionier auf dem Gebiet ist Craig Venter, der als erster das menschliche Erbgut entschlüsselte, 2008 die erste vollständige künstliche DNA herstellte und 2010 mit dem ersten künstlich erschaffenen Lebewesen - einem Bakterium - in die Schlagzeilen kam. Derzeit erforscht er die Alterungsprozesse in menschlichen Zellen.

Auch das künstliche Hefe-Chromosom ist der Anfang von einer viel größeren Idee: Langfristig soll das ganze Genom der Bäckerhefe nachgebaut werden. Schließlich werde es möglich sein, auch das Erbgut anderer Eukaryonten im Labor herzustellen - etwa von Pflanzen oder Tieren, schreiben die Forscher. Sie haben noch viel vor.

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
_luz_ 27.03.2014
1. Mooresches Gesetz
Hoffentlich, hoffentlich geht die Entwicklung der Rechenleistung noch schneller voran. Schon das Internet hat dafür gesorgt, dass man wesentlich effizienter und leistungsstärker arbeiten kann - auf natürlich undgedopte Weise. Das hat sich bis dato positiv in meinem Studium bemerkbar gemacht, da ich mich selbst als autodidakt sehe und sehr gut entscheiden kann, welche Information für mich von Nutzen ist und welche nicht. Im Zusammenhang mit dem Artikel empfehle ich mal den Film "Gattaca" zu schauen - hier geht es um eine (hoffentlich) nahe Zukunft, in der die Kinder der Menschen durch Genforschung absolut gesund sind. Kein Krebs, kein MS, keine Kleinwüchsigkeit usw. Ich sage nicht, dass Kleinwüchsigkeit schlecht ist. Mir ist auch bekannt, dass es Menschen gibt (DeVito?!) die die zum Anlass nahmen eine "Jetzt erst Recht" Einstellung zu entwicklen und dadurch erfolgreich werden. ABER: Wieviele Kleinwüchsige schaffen eine solche Einstellung? Wäre es nicht gut gewesen, schon vor Geburt solche (natürlich relativen) Makel zu beseitigen? Ich spreche hier nicht von Rassenlehre, Narzissmus oder Optimierungswahn - ich spreche einfach nur von einem lebenswerteren Leben. Einer Utopie, wenn man so will. In diesem Sinne hoffe ich also, dass durch noch bessere Rechentechnik und noch mehr Invest in dieser Branche noch schneller herausragende Ergebnisse erzielt werden könnne. Wer wirklich krank ist, weiß, wovon ich spreche.
augennichttrauer 27.03.2014
2. Na endlich!
Endlich geht es so richtig los mit der Manipulation von Lebewesen. Wie lange warten wir schon auf die Kuh mit 4 Eutern für mehr Milch. Ich halte diese Eingriffe in die Natur für gefährlich. Wenn wir erst wissen, wie genetisch selektiv wirkende Giftstoffe funktionieren können, bekommt Krieg eine ganz neue Dimension. Und bei Waffen gilt schon seit je her: Was geht, wird gemacht. Wie schon richtig gesagt: Die Wissenschaftler haben noch viel vor...
tomatosoup 27.03.2014
3. Menschen bauen gerne
Menschen sind schöpferisch. Menschen bauen gerne. Menschen sind viel neugieriger als Primaten - kein Kunststück bei dem unglaublich fähigen Gehirn. Deutschland sitzt vermutlich wie versteinert vor der Meldung, dass Menschen ein Chromosom nachbauen, sitzt da und hat German Angst vor den Besen des Zauberlehrlings. Wissenschaftliche Weltelite könnte Deutschland zwar immer noch sein, aber das wird nicht gewünscht. Zu gefährlich!
Olaf 27.03.2014
4.
Zitat von sysopDPA/ Science/ Lucy Reading IkkandPremiere im Labor: Erstmals haben Forscher ein Chromosom eines Lebewesens mit Zellkern nachgebaut. Zukünftig wollen sie ganze Pflanzen- oder Tiergenome im Labor erschaffen. Ihrem Ziel kommen sie immer näher. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kuenstliches-leben-chromosom-von-baeckerhefe-im-labor-erzeugt-a-961043.html
Warum auch nicht, die Natur hat auch keine anderen Stoffe zur Verfügung.
wurzelbär 27.03.2014
5. An # 1 _luz_ Ist man Optimist
Zitat von _luz_Hoffentlich, hoffentlich geht die Entwicklung der Rechenleistung noch schneller voran. Schon das Internet hat dafür gesorgt, dass man wesentlich effizienter und leistungsstärker arbeiten kann - auf natürlich undgedopte Weise. Das hat sich bis dato positiv in meinem Studium bemerkbar gemacht, da ich mich selbst als autodidakt sehe und sehr gut entscheiden kann, welche Information für mich von Nutzen ist und welche nicht. Im Zusammenhang mit dem Artikel empfehle ich mal den Film "Gattaca" zu schauen - hier geht es um eine (hoffentlich) nahe Zukunft, in der die Kinder der Menschen durch Genforschung absolut gesund sind. Kein Krebs, kein MS, keine Kleinwüchsigkeit usw. Ich sage nicht, dass Kleinwüchsigkeit schlecht ist. Mir ist auch bekannt, dass es Menschen gibt (DeVito?!) die die zum Anlass nahmen eine "Jetzt erst Recht" Einstellung zu entwicklen und dadurch erfolgreich werden. ABER: Wieviele Kleinwüchsige schaffen eine solche Einstellung? Wäre es nicht gut gewesen, schon vor Geburt solche (natürlich relativen) Makel zu beseitigen? Ich spreche hier nicht von Rassenlehre, Narzissmus oder Optimierungswahn - ich spreche einfach nur von einem lebenswerteren Leben. Einer Utopie, wenn man so will. In diesem Sinne hoffe ich also, dass durch noch bessere Rechentechnik und noch mehr Invest in dieser Branche noch schneller herausragende Ergebnisse erzielt werden könnne. Wer wirklich krank ist, weiß, wovon ich spreche.
Sie sprechen als Einzelner, über "Erstrebenswerte" die von den meisten Intelligenzbefreiten, sich hormongesteuert selbst produzieren Individuen, deren kostengünstige Erhaltung und Leistung nur zur Existenzerhaltung sehr weniger dienlich sind. Es liegt nicht im Sinne derjenigen, in Ihre, für Sie als "Arbeits-Leistung-Abgaben-Erbringer" zu investieren. (z.B. Rentenbetrug) Das was man als gesundheitlichen Vorteil ansieht, wird nur für sehr wenige, dem Volk und Staat sehr entfernte, zugänglich werden. Auch heute noch gibt es die "Götter" die dem Volk nicht erscheinen, aber es benützen. Man sollte auch die Zeit verstehen, in der man lebt. Was nützen die Errungenschaften, die von wenigen erdacht werden und nützlich sind, wenn sie 99Prozent der Menschen in ihrer Wirkung nicht verstehen. Siehe Internet !
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