Kunststoffe im Meer Schwimmender Plastikmüll sinkt in die Tiefsee

Wohin verschwindet der Plastikmüll, der in immer größeren Mengen in die Meere gelangt? Eine Studie liefert jetzt Hinweise, dass der weitaus größte Teil in der Tiefsee landet. Bei ihren Berechnungen kommen die Forscher auf unvorstellbare Mengen.

Plastikmüll im Roten Meer: Tausende Tonnen Kunststoff schwimmen in Ozeanen
DPA

Plastikmüll im Roten Meer: Tausende Tonnen Kunststoff schwimmen in Ozeanen


London - Ein Großteil des Plastikmülls in den Meeren verschwindet offenbar in der Tiefsee. In Sedimenten auf dem Grund verschiedener Meere fanden Wissenschaftler bei Stichproben große Mengen winziger Mikroplastik-Teile. Die Zahl der meist faserförmigen Partikel lag um das Zehntausendfache über der jener Teile, die in stark verschmutzten Wasserwirbeln treibe, berichten die Forscher im Fachblatt "Open Science" der britischen Royal Society. Auf einen Quadratkilometer Meeresboden könnten demnach Billiarden von Plastikfasern kommen.

Die Studie könnte die Frage beantworten, wo der Kunststoff bleibt, der in zunehmender Menge in die Meere gelangt. Plastik ist extrem beständig und kann über Jahrzehnte, teils über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben. Von Nord- bis zum Südpol finden sich Rückstände in mittlerweile allen Meeren und an vielen Küsten und Stränden, schreiben die Wissenschaftler um Lucy Woodall vom Natural History Museum in London.

Rätselhaft war bisher allerdings, warum trotz steigender Produktionsmengen nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die Menge an Plastikmüll in den Meeren in ähnlicher Weise steigt. In einigen Studien fanden Forscher gar erheblich weniger Rückstände als angenommen. So kam erst kürzlich eine Untersuchung zu dem Resultat, dass in den Meeren fast 269.000 Tonnen Plastikmüll schwimmen - obwohl laut einem Bericht des Uno-Umweltprogramms Unep jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen solcher Abfälle in die Ozeane gelangen.

Die Diskrepanz könnte unter anderem daran liegen, dass nur ein Teil des Plastiks in Form sichtbarer Teilchen an der Wasseroberfläche schwimmt. Größere Teile werden mit der Zeit im Wasser zerkleinert - unter anderem durch UV-Licht. Diese Mikropartikel sind schwerer aufzuspüren. Lagern sich Algen oder andere Mikroorganismen an ihnen an, sinken sie zudem abwärts und können sich am Meeresboden ablagern.

10.000-mal mehr Plastik als in Meereswirbeln

Woodall und ihre Mitarbeiter analysierten zwölf Sedimentproben, die während mehrerer Forschungsfahrten im Mittelmeer, im südwestlichen Indischen Ozean und im Nordostatlantik zwischen 2001 und 2012 genommen worden waren. Zudem untersuchten sie vier Korallenproben. Nach der Aufarbeitung analysierten die Wissenschaftler die Proben unter dem Mikroskop und im Infrarot-Spektrometer.

In allen Sedimentproben wiesen sie Mikroplastik-Partikel nach. Sie waren meist faserförmig und hatten gewöhnlich eine Länge von zwei bis drei Millimetern, bei einer Breite von unter einem Zehntelmillimeter. Die Proben enthielten im Schnitt 13,4 Teilchen pro 50 Milliliter Flüssigkeit.

Mehr als die Hälfte der Partikel waren aus Viskose. Dies ist kein Plastik, sondern eine Kunstfaser auf Zellulosebasis, die zum Beispiel in Zigarettenfiltern und Kleidung verwendet wird. Da das Material in großen Mengen in die Meere gelange und sich in Fischen und Eiskernen nachweisen lassen, schlossen die Forscher diese Partikel in ihre Auswertung mit ein. Das zweithäufigste Material war Polyester.

Aufgrund der relativ geringen Probenzahl sei ein Vergleich von Häufigkeit und Zusammensetzung in den einzelnen Sedimenten nicht möglich. Faserförmige Mikropartikel seien aber anscheinend flächendeckend in der Tiefsee verbreitet, schreiben die Wissenschaftler.

Sie vermuten, dass die Häufigkeit in den Sedimenten um vier Größenordnungen - also um den Faktor 10.000 - über der in kontaminierten Meereswirbeln liege. Konservativen Hochrechnungen zufolge enthält ein Quadratkilometer Sediment der Tiefseeberge im Indischen Ozean etwa vier Billiarden Plastikfasern, berichten die Wissenschaftler weiter. Ihre Untersuchung lege nahe, dass die Tiefsee als Senke für den Plastikmüll fungiere.

hda/dpa

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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
wiebitte 17.12.2014
1. mir ist schlecht
was soll man dazu noch sagen ...
markusma 17.12.2014
2. Beim Einkauf
... strikt auf Plastiktüten verzichten! Tüten sollten mindestens 50 Cent kosten. Mich ärgert es immer, wenn die Leute ihren 150 Euro Einkauf im Supermarkt in 5 große Tüten verpacken, als ob dieser Einkauf "spontan "wäre ... 50 Cent für die Tüten, da lachen die drüber, aber ihre Kinder und Enkel mit sicherheit nicht !
Chaosfee 17.12.2014
3. Ein findiger Mensch . . .
. . . hat bereits Ideen, um den Plastikmüll aus den Meeren zu fischen. Zwar (noch?) nicht die Mikropartikel, aber all den größeren Müll. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Der-junge-Mann-und-das-Meer-19-Jaehriger-will-Ozeane-von-Plastik-saeubern-2237235.html Ich wünsche mir von Herzen, dass es noch mehr Menschen wie ihn gibt, um diesen Planeten wieder lebenswert zu machen. Es ist wirklich eine Schande, was der Mensch durch Geldgier und Gedankenlosigkeit seiner eigenen Umwelt antut. Mögen jene Herrschaften eines Tages ihren eigenen Dreck zu fressen bekommen!
maranata 17.12.2014
4. Apokalypse irgendwann in ferner Zukunft?
Dieser Bericht sollte uns sehr nachdenklich machen. Dann sollten wir das, was in der Apokalypse geschrieben steht, uns noch mal vergegenwärtigen.
gehtsnochbesser? 17.12.2014
5. Na super.
Also Polyester und Viskose. Kommt das nicht sehr oft in der Kleidung von Leuten vor die sich keine Klamotten aus Rohseide leisten können? Einfach verbieten sollte man so etwas.
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