Kurioses Gewächs Pflanze frisst Würmer über unterirdische Blätter

Eine zarte Pflanze macht fette Beute: Brasilianische Biologen entdecken ein Gewächs, das Fadenwürmern Fallen stellt. Mit klebrigen Blättern angelt es die Tierchen - und verdaut sie.

Der Schein trügt: Die Philcoxia minensis fängt und frisst Würmer
DPA/ PNAS/ Rafael Oliveira

Der Schein trügt: Die Philcoxia minensis fängt und frisst Würmer


Hamburg - An der Oberfläche sieht diese Pflanze ganz harmlos aus: Ihre Stängel sind dünn, die Blätter zart, die Blüten leuchten in unschuldigem Violett. Doch Form und Aufbau der "Philcoxia minensis" brachten die Forscher um Rafael S. Oliveira von der Universität von Campinas im brasilianischen Bundesstaat São Paulo auf die Idee, dass die Pflanze karnivor ist. Ihr Verdacht bestätigte sich, wie sie jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Das Gewächs aus der Familie der Wegerich-Gewächse frisst tatsächlich Fleisch. Es nutzt offensichtlich unter der Erde wachsende, klebrige Blätter, um Würmer einzufangen.

Um herauszufinden, ob Philcoxia minensis Nährstoffe aus Beutetierchen aufnimmt, markierte das Team zunächst Fadenwürmer mit Stickstoff 15, einem Isotop des Gases, das häufig bei solchen Versuchen verwendet wird. Anschließend brachten sie die Würmer in das Erdreich nahe der Pflanze.

Tatsächlich enthielten neu gewachsene Blätter den Forschern zufolge später größere Mengen Stickstoff 15. Das zeige, dass die Pflanzen die Würmer verdaut hätten, erklärt Biologe Rafael S. Oliveira.

Philcoxia minensis zählt zu den Wegerich-Gewächsen. Die Pflanze wächst im schattigen weißen Sand. Das ist typisch für fleischfressende Pflanzen: Sie leben unter widrigen Bedingungen und nehmen Nährstoffe von toten Tieren über ihre Blattoberfläche auf.

nik/dpa

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