Kyoto-Protokoll: Deutschland hat Klimaschutz-Ziel bereits erreicht

Vier Jahre vor dem Stichtag hat die Bundesrepublik die Kyoto-Vorgaben bereits erfüllt. 2007 sind die Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 um 22,4 Prozent gesunken, heißt es in einem Zeitungsbericht. Der Erfolg ist auch Ergebnis statistischer Effekte - Kraftwerke haben sogar mehr CO2 ausgestoßen.

Bis zum Jahr 2012 muss Deutschland seinen Treibhausgasausstoß um 21 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 verringern. So steht es im Kyoto-Protokoll, dem internationalen Abkommen zum weltweiten Klimaschutz. Offenbar hat die Bundesrepublik dieses Ziel aber bereits im vergangenen Jahr erreicht, denn 2007 lagen die Emissionen von Haushalten, Unternehmen und Verkehr bereits 22,4 Prozent unter dem Referenzwert von 1990. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Daten aus dem "nationalen Treibhausgasinventar".

Deutsches Kohlekraftwerk (in Jänschwalde bei Cottbus): Emissionen gestiegen
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Deutsches Kohlekraftwerk (in Jänschwalde bei Cottbus): Emissionen gestiegen

Laut dem zuletzt vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Nationalen Inventarberichtlag die Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes im Jahr 2005 bei 18,7 Prozent. Grund für den weiteren Rückgang im vergangenen Jahr war neben dem milden Winter 2006/07 auch der Ausbau erneuerbarer Energien, heißt es in dem 572-seitigen Regierungsbericht, der derzeit unter den Ressorts abgestimmt werde. Das Bundesumweltministerium will am heutigen Freitag die Öffentlichkeit informieren, teilte eine Sprecherin auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit.

Der Erfolg hängt auch mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer zusammen: Diese habe Ende 2006 viele Haushalte veranlasst, den Kauf von Heizöl vorzuziehen. Weil die Emissionen auf Grundlage der eingesetzten Brennstoffe ermittelt würden, hätten sich diese Käufe noch in der Bilanz des Jahres 2006 niedergeschlagen. Insofern beruht der Rückgang auch auf statistischen Effekten und spiegelt nicht die tatsächlichen Änderungen des Ausstoßes wider.

Wie es in dem Bericht weiter hieß, sehen die Experten auch einen Einfluss des privaten Verbrauchs: So seien die klimaschädlichen Emissionen der deutschen Haushalte seit Jahren rückläufig, was vor allem auf die Heizwärme zurückgehe. Auch im Straßenverkehr gingen die Emissionen seit 1999 zurück.

Kraftwerke stießen mehr Kohlendioxid aus

Mehr Kohlendioxid stießen demnach die deutschen Kraftwerke aus. Hohe Gaspreise hätten sie im vergangenen Jahr stärker auf Stein- und Braunkohle ausweichen lassen, die wesentlich mehr CO2 freisetzen als Erdgas. Auch standen im vergangenen Jahr fünf Atomkraftwerke zeitweise still, deren Energieerzeugung zum Teil Kohlekraftwerke übernahmen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wurde mit den Worten zitiert, die Zahlen belegten den Erfolg der deutschen Klimaschutzpolitik. Deutschland werde "eines der wenigen Länder sein, die ihr Kyoto-Ziel erreichen", sagte Gabriel. Zuletzt hatte das Uno-Klimasekretariat Zahlen vorgelegt, nach denen die Emissionen in den meisten Industriestaaten seit dem Jahr 2000 weiter ansteigen.

Nach Auffassung von Experten dürften die Emissionen in Deutschland im nächsten Jahr wieder leicht wachsen - voraussichtlich um ein Prozent. Hauptgrund seien die gesunkenen Preise für Heizöl. Allerdings dürfte sich der Rückgang der Emissionen bei 21 Prozent stabilisieren.

Beim EU-Gipfel im März 2007 hatten die Staats- und Regierungschefs beschlossen, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken - im Vergleich zum Ausstoß von 1990. Deutschland nahm sich daraufhin vor, sogar 40 Prozent bis 2020 schaffen zu wollen. Das besonders hohe Reduktionsziel hängt vor allem mit dem Zusammenbruch der Industrie im Osten Deutschlands nach 1990 zusammen. Wählt man als Referenzjahr 2005, dann soll die Bundesrepublik ihren Ausstoß laut EU-Vorgabe bis 2020 um 14 Prozent senken.

Von Montag an verhandeln die Staaten in Posen in Polen über weitere Schritte im internationalen Klimaschutz. Sie sollen 2009 in ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll münden. Mitte Dezember beraten die EU-Staats- und Regierungschefs über neue Klimaziele für die Union.

hda/AP/AFP/ddp

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