Pummelige Hunde Warum Labradore wie besessen fressen

Für Futter sind die meisten Labradore in jeder Situation zu begeistern. Offenbar können die Hunde nicht anders: Ihre Verfressenheit liegt oft in den Genen.

Volle Aufmerksamkeit: Labrador Retriever sind besonders verfressen
Jane Goodall

Volle Aufmerksamkeit: Labrador Retriever sind besonders verfressen


Für die Besitzer ist der Heißhunger vieler Labradore ein Segen. Mit Futter lassen sich die besonders bei Familien beliebten Hunde meist leicht erpressen und so zu netten Kunststückchen animieren. Doch die Besessenheit der Retriever hat auch eine Schattenseite: Von allen Hunderassen werden Labradore mit am häufigsten übergewichtig.

"Immer, wenn etwas bei einer Rasse häufiger vorkommt als bei einer anderen, liegt die Vermutung nahe, dass die Gene eine entscheidende Rolle spielen", sagt Eleanor Raffan von der University of Cambridge. Gemeinsam mit Kollegen hat sie in 15 übergewichtigen und 18 schlanken Labradoren nach Besonderheiten im Erbgut gesucht, die beim Menschen die Veranlagung für Übergewicht steuern.

Ein Gen, sie zu mästen

Schuld an den Fressflashs der Hunde sind demnach Veränderungen eines Gens namens POMC. Bei den übergewichtigen Tieren war es überdurchschnittlich häufig verkürzt. Das führe dazu, dass bestimmte Botenstoffe nicht mehr hergestellt würden, die normalerweise daran beteiligt sind, das Hungergefühl nach dem Essen abzustellen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Cell Metabolism" .

Bettelblick: Wer kann da widerstehen?
Jane Goodall

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Bei einer zweiten Auswertung unter 400 Labradoren fanden die Forscher das Fressgen in etwa 23 Prozent der Tiere. Im Schnitt sei es für zwei Kilo mehr Körpergewicht verantwortlich, berichten die Forscher.

Eine Umfrage unter gut 300 Labradorbesitzern zeigt, warum: Demnach sind die Hunde mit Pummelgen viel nahrungsfixierter als andere, betteln öfter nach Futter, sind zur Fressenszeit besonders aufgeregt und suchen häufiger im Müll nach Nahrung.

Widerstand gegen den Hundeblick

Besonders häufig fanden die Forscher das Fressgen in den 81 Arbeitshunden aus ihrer Studie, etwa in Blindenhunden oder Assistenzhunden für behinderte Menschen. Gut drei Viertel dieser besonders ausgebildeten Labradore trugen das veränderte Gen in sich. Es sei denkbar, dass die Tiere vor allem deshalb zu Arbeitshunden ausgebildet werden konnten, weil sie sich leichter mit Futter motivieren ließen, so Raffan.

Die Forscherin warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: "Bei ungefähr einem Viertel der Hunde konnten wir einen klaren biologischen Grund für das von den Herrchen beschriebene Fressverhalten finden", sagt Raffan. Es gebe aber auch eine Reihe von futterversessenen Labradoren, die das Gen nicht tragen. Gleichzeitig seien nicht alle Labradore mit Pummelgen tatsächlich zu dick.

Ob ein Hund wirklich besonderen Heißhunger auf Leckerlis entwickelt und schließlich übergewichtig wird, hängt demnach auch maßgeblich davon ab, wie leicht sich Herrchen mit einem gekonnten Bettelblick zur Futterherausgabe bewegen lässt.

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jme



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