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Labradorstrom: Gefürchtete Atlantikströmung schwächelt

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Nebel, Eisberge, Kälte: Der Labradorstrom im Nordatlantik vor der Ostküste Kanadas ist bei Seeleuten gefürchtet. Ein Ingenieur wollte ihn gar umleiten. Doch nun hat sich die eisige Strömung auch so abgeschwächt - das hat Folgen.

Labradorstrom vor Kanadas Ostküste: Kaltes Wasser nach Süden Zur Großansicht
NASA

Labradorstrom vor Kanadas Ostküste: Kaltes Wasser nach Süden

Seefahrer fürchten den Labradorstrom, der vor Kanadas Ostküste kaltes Wasser aus der Arktis Richtung Süden schwemmt. Meist wabert dichter Nebel über der eisigen Strömung; auch Eisberge gefährden Schiffe. Vor Neufundland fällt der Labradorstrom dem Golfstrom in die Seite, der warmes Wasser aus den Tropen nach Norden bringt. Im Golfstrom zerbröseln die Eisberge; ihre Überreste sind leicht zu übersehen - wie etwa die Besatzung der "Titanic" erfahren musste.

Das kalte Wasser des Labradorstroms raubt dem Golfstrom einen Großteil seiner Wärme. Auch in Europa ist es deshalb kühler. Der Ingenieur Carroll Livingston Riker schlug deshalb 1913 dem damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson vor, den Labradorstrom zu blockieren. Nach seinem Plan sollte die Strömung an einem künstlichen Hindernis auf dem Meeresgrund Sand ablagern. Der Damm würde allmählich bis an die Meeresoberfläche wachsen - und den Labradorstrom umlenken, kalkulierte Riker.

Doch nun hat sich die kalte Strömung auch ohne das Gigantenbauwerk abgeschwächt.

Größte Schwäche seit mindestens 1800 Jahren

Seit den siebziger Jahren habe der Labradorstrom deutlich an Einfluss verloren, berichten Forscher um Moritz Lehmann von der Universität Basel und Carsten Schubert von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserforschung (Eawag) in der Schweiz im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Die Forscher haben Tiefseekorallen vor Neuschottland untersucht, im Grenzgebiet zum Golfstrom. Die Korallen wachsen seit Jahrhunderten, sie bauen Nährstoffe aus dem Wasser in ihre Zellen ein. Wie Bäume bilden Korallen jedes Jahr einen Wachstumsring.

Die Zusammensetzung der Ringe aus den letzten 40 Jahren unterscheide sich deutlich von den 1800 Jahren zuvor, berichten die Wissenschaftler. Seit den siebziger Jahren hätten die Korallen deutlich mehr Stickstoff-14 im Vergleich zu Stickstoff-15 eingebaut. Die zwei Varianten von Stickstoff dienen quasi als Fingerabdruck für Meeresströmungen: Sie unterscheiden sich je nach Umwelt und Lebewesen - Faktoren, die sich in Meeresströmungen kaum ändern.

Fingerabdruck in Korallen

Der Labradorstrom transportiert viel Stickstoff-15 im Vergleich zu Stickstoff-14. Das Wasser vor Neuschottland aber hat der Studie zufolge seit 40 Jahren den "Fingerabdruck" der kalten Strömung verloren. Nie zuvor in den vergangenen 1800 Jahren hätte der Labradorstrom so wenig Einfluss gehabt, resümieren die Forscher.

Als Ursache für die Veränderung tippen die Wissenschaftler auf den Klimawandel. Das zeitliche Zusammentreffen mit der Erwärmung der letzten Jahrzehnte lasse diesen Schluss zu, meinen sie. Die Kenntnisse über Meeresströmungen jedoch sind noch sehr lückenhaft, wie Wallace Broecker von der Columbia University in den USA - ein Pionier der Ozeanforschung - in einem neuen Buch darlegt.

Eine Vorhersage über die Entwicklung des Labradorstroms können die Forscher folglich nicht machen. Bis auf weiteres müssen Seefahrer vor Neufundland also weiterhin mit Nebel und Eisbergen rechnen. Immerhin hat sich in den letzten Jahren mit der kalten Strömung auch der Nebel nach Norden verlagert. Für Seefahrer eine angenehme Folge der Strömungsänderung.

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1. Tautologie
anin, 06.01.2011
Zitat von sysopNebel, Eisberge, Kälte: Der Labradorstrom im Nordatlantik vor der Ostküste Kanadas ist bei Seeleuten gefürchtet. Ein Ingenieur wollte*ihn*gar umleiten. Doch nun hat sich die eisige Strömung auch so abgeschwächt - das hat Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,737979,00.html
Dieser Artikel gipfelt wieder einmal mit der Weisheit: "Als Ursache für die Veränderung tippen die Wissenschaftler auf den Klimawandel. " Äußerungen dieser Art sind nicht wissenschaftlich, sie sind höchstens tautologisch. Kaum ein seriöser Wissenschaftler wird solch ein komplexes Verhalten, dass sich auf Veränderungen von Meeresströmungen bezieht, in einen einfachen Ursache-Wirkung Zusammenhang stellen! Manchmal hat man den Eindruck, dass Mächte am Werk sind, den Ruf seriöser Wissenschaft restlos zu ruinieren!
2. Kalt ist das neue Warm
Olaf aus der Hauptstadt 06.01.2011
Irgendwann findet sich bestimmt noch so ein Sintflutprediger, der uns erklärt, dass es an den dioxinbelasteten Eiern liegt. Was war eigentlich vor 1800 Jahren die Ursache? Die Sonne steuert unser Klima, seit Milliarden Jahren. Sie verhält sich aktuell eigenartig. Deshalb gibt es ein paar Dinge, die anders laufen. Die "Klimafolgenforscher" können die Folgen früheren Klimawandels im Umfeld Berlins studieren: sogenannte Endmoränen.
3. unsere bösen Vorfahren!
hanneshajo 06.01.2011
Also, ich habe jetzt in den letzten Jahren gelernt, dass die Erwärmung nur und ausschliesslich durch unsere Auto Fahrerei und die Industrialisierung zustande kommt. Insofern finde ich es eine Frechheit, dass unsere Vorfahren, kurz nach Christi Geburt so viel Auto gefahren sind, dass der Labradorstrom anfängt zu schwächeln... Grossartig wie sehr die Menschheit kirre gemacht wird, obwohl derzeit kein Wissenschaftler wirklich alle Zusammenhänge in Sachen Klima versteht. Und alle machen mit und verdienen sich eine goldene Nase.
4. Sie tippen doch nur...
verleitnix 06.01.2011
Zitat von aninDieser Artikel gipfelt wieder einmal mit der Weisheit: "Als Ursache für die Veränderung tippen die Wissenschaftler auf den Klimawandel. " Äußerungen dieser Art sind nicht wissenschaftlich, sie sind höchstens tautologisch. Kaum ein seriöser Wissenschaftler wird solch ein komplexes Verhalten, dass sich auf Veränderungen von Meeresströmungen bezieht, in einen einfachen Ursache-Wirkung Zusammenhang stellen! Manchmal hat man den Eindruck, dass Mächte am Werk sind, den Ruf seriöser Wissenschaft restlos zu ruinieren!
Also ist die Ursache Klimawandel auch nicht ganz auszuschließen. Sie schreiben ja selbst: ...Wissenschaftler tippen... Auch Wissenschaftler dürfen vermuten - nicht immer wissen!
5. und wieder einmal
smerfs 06.01.2011
ist der unumstössliche beweis erbracht: das von menschen eingebrachte co2 leitet meeresströme um! wow- wie lange wollen uns diese schwafler noch erzählen, der mensch könne das klima durch ein wenig autofahren oder 100watt glühbirnen beeinflussen. damit es wieder etwas wärmer wird werde ich heute mal eben 500km autofahren. ich vermute mal das es schon am wochenende dadurch deutlich wärmer wird.
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