Lachgas: Klimagefahr aus dem hohen Norden

Nicht nur Kohlendioxid und Methan, auch Lachgas zählt zu den Treibhausgasen, die für den weltweiten Klimawandel verantwortlich sind. In der subarktischen Tundra haben Forscher nun neue, bislang unbekannte Quellen des Stoffs ausgemacht.

Viele werden dieses Gas kennen: Distickstoffoxid, besser bekannt als Lachgas, kommt in der Medizin als Narkosemittel zum Einsatz, wenn auch immer seltener. Es entsteht auch in bestimmten Kraftwerkstypen und bei der Abgasbehandlung in Autokatalysatoren. Der Stoff gilt als drittwichtigstes Treibhausgas - und wird für etwa sechs Prozent des menschgemachten Treibhauseffekts verantwortlich gemacht. Auf ein Molekül bezogen ist seine Klimawirkung in einem 100-Jahres-Zeitraum etwa 300 mal so stark wie die von Kohlendioxid und immerhin noch 12 mal stärker als die von Methan.

Finnische Forscher warnen nun davor, dass das Gas den Klimawandel stärker als bisher gedacht befeuern könnte - weil es in großen Mengen aus subarktischen Böden entweicht, die bisher nicht als Lachgasquelle bekannt waren. Bis dato wurde das Gas über landwirtschaftlich genutzten Flächen, wo es durch die Zersetzung von Dünger entstehen kann, und in tropischen Regionen nachgewiesen. Pertti Martikainen von der University of Kuopio in Finnland berichtet nun aber zusammen mit Kollegen im Fachmagazin "Nature Geoscience" von Untersuchungen in subarktischen Torfmooren.

Im Bereich des sogenannten diskontinuierlichen Permafrosts hätten sich pro Vegetationsperiode Lachgasemissionen von 0,9 bis 1,4 Gramm pro Quadratmeter nachweisen lassen, schreiben sie. Das sind Werte, die mit deutlich weiter südlich gelegenen Landstrichen nicht nur vergleichbar sind, sondern diese zum Teil weit überschreiten. In Gebieten mit diskontinuierlichem Permafrost ist der Boden nicht überall dauerhaft gefroren.

Rund 70 Kilometer südwestlich der russischen Stadt Workuta maßen die Forscher auf insgesamt zehn verschiedenen Oberflächen. Kreisrunde und pflanzenlose Torfbereiche erwiesen sich dabei als regelrechte Lachgas-Schleudern. Nach Hochrechnungen der Forscher könnten jedes Jahr 0,1 Megatonnen Lachgas allein aus der Arktis in unsere Atmosphäre gelangen.

chs

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Dem Lachgas auf der Spur: Treibhausgas aus der Tundra