Globale Landwirtschaft: Grundwasserspiegel sinken rapide

Die Weltbevölkerung wächst - und damit auch der Bedarf an Nahrung. Doch die intensive Bewässerung von Agrarflächen lässt laut einer Studie den Grundwasserspiegel in vielen Regionen bedrohlich sinken.

Dürre in Indien (Mai 2009); Forscher warnen vor Ausbeutung der Grundwasservorkommen Zur Großansicht
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Dürre in Indien (Mai 2009); Forscher warnen vor Ausbeutung der Grundwasservorkommen

Die intensive Landwirtschaft lässt Experten zufolge die Grundwasserspiegel in vielen Regionen sinken - mit bedrohlichen Folgen für die ganze Welt. Das Schwinden des größten Süßwasserreservoirs der Erde gefährde die künftige Produktion von Lebensmitteln und lasse den Meeresspiegel steigen, mahnen zwei Forscher . Der Klimawandel könne diese Probleme noch verschärfen.

Der Heidelberger Umweltphysiker Werner Aeschbach-Hertig und der Hydrogeologe Tom Gleeson von der kanadischen McGill University in Montreal stützen sich auf Grundwassermessungen und Satellitendaten. Besonders ernst sei die Lage in trockenen Gegenden mit intensiver Landwirtschaft, etwa in Teilen von Indien, China oder den USA. In diesen Regionen müssten die Grundwasservorräte durch regional angepasste Verfahren dringend stabilisiert werden.

Technische Lösungen für eine sinnvollere Wassernutzung, etwa die Zuleitung aus feuchteren Regionen, konnten den Experten zufolge den Grundwasserschwund bislang nicht stoppen. "Ein großes Problem ist beispielsweise in Indien, dass es Millionen Nutzer gibt, die mit ihren Brunnen die Grundwasserreserven anzapfen", sagt Aeschbach-Hertig. "Da ist ein zentrales Management per Gesetz einfach nicht möglich."

Erfolgreicher sei dort die Rationierung von Strom gewesen, der für die Wasserpumpen benötigt werde. In Regionen mit besserer Infrastruktur wie etwa Texas habe es sich dagegen bewährt, gemeinsam mit Landwirten Nutzungsregelungen auszuarbeiten, statt ihnen staatliche Vorgaben aufzuzwingen. "Ohne diese Strategien, die soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Bedingungen der Region berücksichtigen, wird der Grundwasserspiegel in den betroffenen Regionen konstant weiter absinken", warnen die Wissenschaftler.

Hinzu kommen weitere Probleme, wie etwa im Nahen Osten, wo aus Wassermangel ebenfalls massiv nicht regenerative Grundwasserspeicher angezapft werden. Diese fossilen Reservoire könnten nicht nur relativ schnell erschöpft sein, sondern sind auch teils stark mit natürlicher Radioaktivität belastet. Ein Rückgang des Wasserbedarfs ist gleichwohl weder im Nahen Osten noch anderswo abzusehen. Denn insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern wächst nicht nur die Bevölkerung rapide, auch der Lebensstandard nähert sich zunehmend dem Westen an. Damit dürfte auch der Pro-Kopf-Wasserverbrauch weiter steigen.

mbe/dpa

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1. An der
n+1 19.11.2012
Zitat von sysopAFPDie Weltbevölkerung wächst - und damit auch der Hunger nach Nahrung. Doch die intensive Bewässerung von Agrarflächen lässt laut einer Studie den Grundwasserspiegel in vielen Regionen bedrohlich sinken. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/landwirtschaft-grundwasserspiegel-sinken-rapide-a-868064.html
Meerwasserentsalzung geht langfristig kein Weg vorbei.
2.
boeseHelene 19.11.2012
Zitat von sysopAFPDie Weltbevölkerung wächst - und damit auch der Hunger nach Nahrung. Doch die intensive Bewässerung von Agrarflächen lässt laut einer Studie den Grundwasserspiegel in vielen Regionen bedrohlich sinken. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/landwirtschaft-grundwasserspiegel-sinken-rapide-a-868064.html
warum hat niemand den Mut das wahre Problem anzusprechen? Wir sind einfach zu viele Menschen, anstatt das Problem anzugehen nämlich Geburtenkontrolle doktert man lieber etwas herum. Weniger Menschen hätten genug zu essen, Wasser wäre für alle da und man müsste nicht ständig Natur roden für Baugebiete.
3.
frost_flower 19.11.2012
Zitat von boeseHelenewarum hat niemand den Mut das wahre Problem anzusprechen? Wir sind einfach zu viele Menschen, anstatt das Problem anzugehen nämlich Geburtenkontrolle doktert man lieber etwas herum. Weniger Menschen hätten genug zu essen, Wasser wäre für alle da und man müsste nicht ständig Natur roden für Baugebiete.
Fragt sich nur, wer von uns über sieben Milliarden denn zuviel ist. Eine typische afrikanische Großfamilie mit, sagen wir 10 Kindern, verbraucht während ihres gesammten Lebens immer noch deutlich weniger Resourcen als Sie oder ich in 10 Jahren...
4. Mal andersrum betrachtet
Leser161 19.11.2012
Zitat von frost_flowerFragt sich nur, wer von uns über sieben Milliarden denn zuviel ist. Eine typische afrikanische Großfamilie mit, sagen wir 10 Kindern, verbraucht während ihres gesammten Lebens immer noch deutlich weniger Resourcen als Sie oder ich in 10 Jahren...
Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die in Afrika über ihre Verhältnisse leben? Afrika scheint von seiner gesamten Grundsituation (Ressourcen, Klima, Infrarstruktur, Bildung etc.) her weniger Menschen vertragen zu können als andere Kontinente. Da muss man halt langfristig (Geburtenkontrolle) ein wenig reduzieren, oder weiter Hunger leiden, deren Entscheidung....
5. Nicht so einfach
b.nitsche 19.11.2012
Zitat von frost_flowerFragt sich nur, wer von uns über sieben Milliarden denn zuviel ist. Eine typische afrikanische Großfamilie mit, sagen wir 10 Kindern, verbraucht während ihres gesammten Lebens immer noch deutlich weniger Resourcen als Sie oder ich in 10 Jahren...
Diese Zahlen sind zu alt und es stimmt so einfach nicht: Der Energieverbrauch steigt in den Entwicklungsländern exponentiell an! Während wir unseren sehr leicht verringern konnten. Wenn man aber den Output dagegen rechnet, wie z.B. Produkte die in D hergestellt wurde, dann sieht es besten für uns aus. Kleines Beispiel: Spanien hatte den größten CO2 Zuwachs in den letzten 8 Jahren in Europa bei leider nur kleinem wirtschaftlichen Wachstum! Eigentlich müsste auf jedem Dach in ES eine Solaranlage stehen, aber das ist vielen zu kompliziert oder zu teuer. Und hier ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Jetzt haben die Leute in ES kein Geld mehr und klagen wie sie Ihre Kinder ernähren sollen! Das sollte man vorher prüfen. Gut in Afrika ist der Energie-Footprint noch sehr klein, das Problem ist aber die Einstellung zur Energie, die Zukunftsplanung und jedes Kind verbraucht dort immer mehr, als die Eltern je verbraucht hatten. In China war es genau so und heute verbrauchen die Chinesen die meiste Gesamt-Energie (was pro Kopf immer noch weniger ist als in D). Die Einstellung wird schlussendlich ausschlaggebend sein und da sehe ich für Afrika keine gute Zeit kommen.
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