Landwirtschaft Prinz Charles wettert über Genfood

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat in ungewöhnlich scharfer Form vor gentechnisch veränderter Nahrung gewarnt. Die Existenz von Bauern sei gefährdet, die Sicherheit der Lebensmittelversorgung in Gefahr.


London - Für den Prinzen von Wales ist Gentechnik nichts anderes als Teufelszeug. Multinationale Konzerne, die derartige Agrarprodukte entwickelten, betrieben "ein gigantisches Experiment mit der Natur und der ganzen Menschheit, das völlig schiefgegangen ist", sagte der 59-Jährige in einem Interview mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph".

Prinz Charles: "Das wäre die totale Zerstörung von allem"
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Prinz Charles: "Das wäre die totale Zerstörung von allem"

Die Abhängigkeit von solchen "gigantischen Gesellschaften" werde in einem "absoluten Desaster" enden, warnte Prinz Charles. "Das wäre die totale Zerstörung von allem." Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln in der Zukunft sei nicht mehr sichergestellt. "Wir sollten über Lebensmittelsicherheit sprechen und nicht über die Lebensmittelproduktion", sagte er in dem Zeitungsinterview.

Kommentatoren britischer Medien äußerten Verwunderung über die Schärfe der Äußerungen. "Selbst für einen Prinzen, der sich seit langem für die ökologische Landwirtschaft engagiert und die Gentechnik kritisiert, sind dies fast zu extreme Äußerungen", kommentierte der Sender BBC. Charles lege sich dadurch mit der Regierung an, die bereits im Jahr 2000 grünes Licht für die Gentechnikforschung gegeben habe.

Das Landwirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. "Wir haben stets gesagt, dass die Debatte über die künftige Rolle gentechnisch modifizierter Pflanzen wichtig ist, und wir begrüßen alle Meinungsäußerungen in dieser Debatte", sagte eine Sprecherin. "Die Sicherheit wird bei diesem Thema stets die höchste Priorität haben."

Seit dem Jahr 2004 müssen solche gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU gekennzeichnet werden. Die Akzeptanz für derartige Produkte ist allerdings gering, weshalb sogenanntes Genfood in Westeuropa auch kaum verkauft wird - ganz im Unterschied zu den USA. Weit häufiger werden genetisch veränderte Pflanzen aus Tierfutter genutzt - auch in Europa.

Manche Wissenschaftler halten die Gentechnik für den einzigen Weg, um die wachsende Menschheit auch in Zukunft satt zu bekommen. Kritiker werfen Agrarkonzernen jedoch vor, mit bestimmten Pflanzenarten vor allem den Absatz eigener Pflanzenschutzmittel steigern zu wollen. Das Genom von Nutzpflanzen kann nämlich so verändert werden, dass die Pflanzen gegen bestimmte Insektizide resistent sind. Entsprechend höher könne das Pflanzenschutzmittel dosiert werden und entsprechend höher seien die Erträge, erklären die Saatguthersteller, die in der Regel zugleich die Insektizide produzieren.

Nicht zum ersten Mal hat sich der Prinz von Wales in eine wissenschaftlich-politische Debatte eingemischt. Vor zwei Jahren schwärmte er vor der Weltgesundheitsorganisation WHO von den "heilenden Kräften" der ganzheitlichen Medizin - zum Ärger britischer Top-Ärzte.

hda/dpa



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