Antarktis Rieseneisberg driftet in wärmere Gewässer

Vor mehr als einem Jahr war der 175 Kilometer lange Koloss vollständig vom Schelfeis abgebrochen - doch erst jetzt entfernt sich der Eisberg von der Antarktis, wie eine Animation aus Satellitenbildern zeigt.

Eisgigant A69 am 3. September 2018
Adrian Luckman / Swansea University

Eisgigant A69 am 3. September 2018


"Es geht langsam los", sagte Thomas Rackow, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Über ein Jahr nach seinem Abbruch vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis setze sich Eisberg A68 gemächlich in Bewegung.

Auf Satellitenbildern sei zu sehen, dass sich der Gigant aus der Lücke im Schelfeis, die er durch seinen Abbruch hinterlassen hatte, endgültig herausgedreht habe. Nur die nördliche Spitze scheine noch aufzuliegen. "Es sollte nicht mehr lange dauern, bis er durch die Ozeanströmungen beschleunigt wird", sagte Rackow. "Dann ist er nicht mehr zu stoppen."

Die folgende Animation zeigt das langsame Ablösen

Adrian Luckman/Swansea University

Ein starker Föhnwind, der Anfang September aus dem Schelfeis nach Osten wehte, habe den Eisberg endgültig in Bewegung gesetzt, schreibt Adrian Luckman, Glaziologe an der Swansea University in Wales, auf seiner Webseite. Auf seinem Weg in Richtung wärmere Gewässer werde der Koloss immer kleiner werden. "Vor allem an der Unterseite wird er stark schmelzen", sagte Rackow. Durch Seegang werde er auseinanderbrechen. Zurzeit stecke der Eisberg noch im Meereis fest, das dämpfe die Wellen.

Der Tafeleisberg, dem Wissenschaftler die Bezeichnung A68 gegeben haben, hatte sich zwischen dem 10. und 12. Juli 2017 gelöst. Es ist einer der größten Eisberge, die Forscher in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet haben. Anfangs war er 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit.

Fotostrecke

13  Bilder
Eisberg A68: Träger Riese

In den ersten Monaten nach dem Abbruch hatte sich der Koloss kaum von der Stelle gerührt. "Er ist noch nicht weit gekommen, weil er über das letzte Jahr hinweg vom Meereis und der Strömung immer wieder an die Schelfeiskante gedrückt wurde", sagte Daniela Jansen, Glaziologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. An der Nordseite war er offenbar auf eine Untiefe gelaufen, wo zuvor schon mehrere kleine Eisberge gestrandet waren.

Forscher fürchten, dass durch Abbrüche wie von A68 langfristig das gesamte Larsen-C-Schelfeis zerfallen könnte. Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind.

In den vergangenen 20 Jahren sind sieben Schelfeise an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen - darunter Larsen A und Larsen B. In der Folge fließen die Eisströme der Gletscher ungebremst ins Wasser, was letztlich zur Erhöhung des Meeresspiegels beiträgt.

hda/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.