Larsen-C-Schelfeis Der weiße Riese schrumpft

Ein riesiger Eisberg, doppelt so groß wie das Saarland, hat sich vom Larsen-C-Schelfeis am Südpol gelöst. Doch Aufnahmen der Nasa zeigen: Der Koloss schrumpft, mehrere Teile sind bereits abgebrochen.

AFP/ British Antarctic Survey

Es ist einer der größten Eisberge, der je dokumentiert wurde. Mitte Juli ist vom Larsen-C-Schelfeis ein riesiger Brocken abgebrochen - doppelt so groß wie das Saarland. Schöne Aufnahmen von dem Koloss gibt es bislang allerdings nicht. Es ist Winter am Südpol, der Himmel häufig bedeckt, und es ist die meiste Zeit dunkel.

Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat nun trotzdem Bilder veröffentlicht. Am 14. und 21. Juli flog der Erdbeobachtungssatellit "Landsat 8" mit einem Infrarotsensor (Thermal Infrared Sensor, TIRS) über den 5800 Quadratkilometer großen Eisberg. Die Bilder zeigen, dass der Koloss beginnt zu zerbrechen.

Einige kleinere Teile hat er bereits verloren. Im Nordosten löst sich zudem ein größeres Stück ab. Auf einem der aktuellen Bilder werden die großen Eisbergteile bereits als A-68A und A-68B bezeichnet. Am rechten Bildrand sind dünnere Eisplatten zu sehen, die auf dem Meer schwimmen.

Falschfarbenaufnahme vom 21. Juli 2017
ASA Goddard/ UMBC JCET Chri/ REX/ Shutterstock

Falschfarbenaufnahme vom 21. Juli 2017

Die Aufnahmen zeigen wärmere und kältere Bereiche der Region. Weiß zu sehen sind Orte, an denen das Wasser oder die Eisoberfläche verhältnismäßig warm sind. Wärme bedeutet in der Antarktis allerdings immer noch deutliche Minusgrade. Im Winter liegt die Temperatur bei unter minus 60 Grad.

Forscher gehen davon aus, dass der Eisberg weiter entlang der Ostküste der Antarktis nach Norden schwimmen wird, Richtung atlantischem Ozean. Ihnen liefern die Bewegungen der Eismassen auch Hinweise auf den Verlauf der Strömungen im Meer.

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Nasa-Bilder: Bruch im Eisberg

Was passiert mit dem Schelfeis?

Größere Sorgen als um den Eisberg machen sich Experten allerdings um das verbliebene Larsen-C-Schelfeis. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind laut Forschern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) bereits sieben Schelfeise von insgesamt zwölf an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen, darunter Larsen A (1995) und sieben Jahre später Larsen B.

Das Larsen-C-Schelfeis ist durch das abgebrochene Eis etwa zehn Prozent geschrumpft. Risse, die bereits vorher im Schelfeis zu sehen waren, könnten zu einem weiteren Eisverlust führen, warnen Wissenschaftler vom "Project Midas", die die Region beobachten. Im Norden des Bereichs, an dem zuvor der komplette Eisberg A-68 hing, sind bereits drei weitere kleine Eisberge zu sehen, die aber noch am Schelfeis hängen.

"Im Moment sehe ich keine Anzeichen, dass der Verlust des Eises in naher Zukunft zu einem Kollaps des Larsen-C-Schelfeises führen wird", sagt Chris Shuman, Glaziologe an der University of Maryland. "Wir werden die Region aber auch in Zukunft genau im Auge behalten."

Bereits den Riss, der schließlich zu dem Rieseneisberg führte, haben die Forscher über Jahre beobachtet. Es passiert immer wieder, dass Eis vom Schelfeis abbricht. Experten nennen das Kalben. Probleme mit dem Meeresspiegel entstehen dadurch nicht, weil Schelfeis bereits auf dem Wasser schwimmt. Es ist im Gegensatz zu einem Eisberg aber noch mit dem Land verbunden und wird von Gletschern gespeist.

Geburt des Rieseneisbergs im Zeitraffer

NASA/USGS Landsat

jme



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tailspin 28.07.2017
1. Gin tonic on the rocks (wenn er kommt)
Wenn ich jetzt Titanic heissen wuerde, muesste ich mich fuerchten. Eisabbruch zum 105-ten Geburtstag des Disasters. Von langer Hand vorbereitet, der Bruch startete 2006 oder frueher. Irgendwie hinterfotzig.
gandhiforever 28.07.2017
2. Die Dummen
Die Dummen fuerchten sich nicht, sie verweisen darauf, dass es schon immer Wechsel im Klima gegeben hat. Ueber die Ursachen machen sie sich keine Gedanken, da waeren sie ueberfordert. Stattdessen reissen sie Witze, denn den Ernst der Lage koennen und wollen sie nicht erkennen.
GeckoSamui 29.07.2017
3. Meeresspiegel- Meeresströmungen
Was ist mit den Meeresströmungen? Wenn der Eisberg sich ablöst wird er wahrscheinlich auch wandern... was ist dann, wenn er weiter schmilzt (was er wird) und durch die Abkühlung des Wassers um ihn herum kälter wird? Wird das nicht automatisch die Meeresströmungen beeinflussen?
dagarma 29.07.2017
4. @gadhivorever
Ich frage mich WER der Dumme ist. Es sollte für dich ebenso unbestreitbar sein, dass es früher Eiszeiten und Palmen am Nordpol gegeben hat. Klimaveränderungen großen Ausmaßes gab es schon immer. Warum willst du dir die Jacke anziehen dass der Mensch den Klimawandel den er mitverursacht hat aufhalten könnte? Darüber Nachdenken hilft nichts. Radfahren und Mülltrennung- Vermeidung ebenso nicht. Anpassen oder untergehen. Was schert das Universum die Menschheit? Du hast nur Angst um dein Leben und das deiner Kinder! Wie egoistisch.
olfnairolf 29.07.2017
5. Was wäre wenn..
...ich frage mich ja immer was wohl wäre wenn die Erde 1,5 Grad kälter wäre als jetz. Müssten wir dann alle CO2 in die Luft pusten wie bekloppt damit wir auf die einzig richtige Temperatur der Erde kämen? Gäbe es dann Bilder von frierenden Löwen im Schnee? Würden wir dann Kleinwagenfahrer und Elektroautofahrer verdammen weil sie keine SUVs fahren wollen und unser Klima zerstören? Hätten wir dann Artikel darüber dass einfach keine großen Schelfeisflächen mehr abbrechen? Hätten wir Angst dass Bergdörfer vom Eis der Gletscher bedroht wären?
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