Fotos von Lava-Explosionen am Strand: Mut und Glut

Das Zusammentreffen von Lava und Wasser gilt als vielleicht mächtigste Urgewalt der Erde. Zwei Fotografen haben sich auf Hawaii ohne Schutzkleidung ins Meer gewagt, um die Explosionen aus nächster Nähe festzuhalten.

Hamburg - Die beiden Fotografen kennen Hawaii, sie wohnen dort. Schon oft haben sie Lava die Hänge der Vulkane des Pazifik-Archipels herunterkriechen sehen. Nun aber haben sich Nick Selway und sein Kumpel, der sich CJ Kale nennt, ins Meer gewagt und dort ohne Schutzkleidung so nah an das Spektakel herangetraut, dass Wissenschaftler das Grauen kriegen dürften - aber zugleich fasziniert sein müssen.

An Land besteht wenig Gefahr: Auf Hawaii weisen Schilder mit der Aufschrift "Zum Ausbruch" zu den Lavaströmen. Im Wasser aber ist der etwa tausend Grad heiße Gesteinsbrei des Vulkans Kilauea unberechenbar. Dennoch richtete einer der beiden Fotografen, hüfthoch im Wasser stehend, seine Kamera nur wenige Meter entfernt auf die Stelle, wo die Lava zischend und dampfend ins Meer suppt.

Vermutlich glaubten die beiden, die Wege der vermeintlich trägen Masse zu kennen. Eigentlich aber haben sie schlicht Glück gehabt, keine gefährliche Überraschung erlebt zu haben.

Das Zusammentreffen von Lava und Wasser ist vielleicht die mächtigste Urgewalt der Erde, sie erzeugt sogenannte phreatomagmatische Explosionen: "Es gibt kaum Vulkaneruptionen, die nicht durch den Kontakt von Magma und Wasser beeinflusst werden", erklärt der Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke von der Universität Kiel. Mit einem Mal überträgt sich die Höllenhitze der Lava aufs Wasser, das dabei so schnell verdampft, dass es explodiert - eine Wolke aus Lavasplittern und Dampf schießt hoch.

Schwarze Strände

Unter der Erde kann der Kontakt von Magma und Wasser riesige Vulkanausbrüche auslösen. An der Küste von Hawaii zeigt sich die Urgewalt quasi in gezähmter Form, die Explosionen sind gleichwohl unberechenbar. Auch das Geschehen unter Wasser bleibt versteckt: Wie weit kriecht die heiße Masse am Grund, bevor sie zu sogenannter Kissenlava erstarrt? Wie stark erwärmt sich das Wasser?

Selway und Kale haben nicht wissen können, was passieren wird. Doch ihr Ehrgeiz war größer als die Angst: "Wir sind die ersten Künstler, die sich in die Brandung getraut haben, um zu bezeugen, wie die Lava auf die Brandung trifft", sagen die Abenteurer.

Ihre Fotos beeindrucken mit längerer Belichtung und knalligen Farben. Sie zeigen erstaunlich detailliert, wie die heiße Lava im Süden von Hawaiis Hauptinsel ihren letzten Weg geht: Die glühenden Zungen strömen dort etwa mit der Geschwindigkeit eines gemütlichen Radfahrers die Felsen hinab, bevor sie in dampfendem Inferno aufgehen.

Die Strände von Hawaii glitzern schwarz, ihr Sand besteht aus den Trümmern der Lava, die sich dort seit Jahrmillionen aus dem Bauch der Erde ergießt. Das Meer brandet auf die erkaltende Lava, lässt sie splittern. Die neuen Fotos bannen den ewigen Wettstreit der Urgewalten Feuer und Wasser. Und fast wirkt es, das Meer behielte die Oberhand - geradezu stoisch scheint es die dampfende vulkanische Masse zu schlucken.

boj

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