Junge Erde Das Leben begann bereits vor 4,1 Milliarden Jahren

Die Erde war nicht einmal 500 Millionen Jahre alt, als sie von den ersten Lebewesen besiedelt wurde. Das schließen Forscher aus der Analyse uralter Minerale aus Westaustralien. Das Bild der jungen Erde müsse überdacht werden, fordern sie.

Der blaue Planet: Bereits vor 4,1 Milliarden Jahren könnte es Leben auf der Erde gegeben haben
DPA

Der blaue Planet: Bereits vor 4,1 Milliarden Jahren könnte es Leben auf der Erde gegeben haben


Bereits vor 4,1 Milliarden Jahren könnten Lebewesen die Erde besiedelt haben, berichten Forscher um Elizabeth Bell von der University of California nach der Analyse alter Gesteine. Demnach ist unser Heimatplanet etwa 300 Millionen Jahre länger von Lebewesen bewohnt als bislang gedacht.

"Vor 20 Jahren hätte eine solche Aussage als ketzerisch gegolten", sagt Mitautor Mark Harrison, ebenfalls von der University of California. "Damals waren schon Hinweise schockierend, dass es vor 3,8 Milliarden Jahren Leben auf der Erde gegeben haben könnte." Doch nun zeigt sich: Möglicherweise ging nach der Entstehung des Planeten vor 4,54 Milliarden Jahren alles noch viel schneller.

Die Wissenschaftler um Bell und Harrison haben mehr als 10.000 sogenannte Zirkone aus Westaustralien untersucht. Dabei handelt es sich um sehr haltbare Minerale, die einst aus geschmolzenem Gestein oder Magma entstanden sind. In ihnen findet man bis heute Spuren der Umwelt aus früheren Zeiten.

"Mit den richtigen Zutaten, scheint Leben rasch zu entstehen"

Bell und Kollegen entdeckten mehr als 650 Zirkone, die möglicherweise Hinweise auf das erste Leben auf der Erde enthalten. 79 von ihnen untersuchten sie im Spektrometer auf ihren Kohlenstoffgehalt und fanden in einem an zwei Stellen ein besonderes Verhältnis des Kohlenstoff-12-Isotops zu Kohlenstoff-13, das auf Lebewesen hinweist, die ihre Energie aus Photosynthese gewinnen.

Aus dem Verhältnis von Blei und Uran im Gestein errechneten die Forscher dann das Alter des Zirkons: 4,1 Milliarden Jahre. Wobei der eingeschlossene Kohlenstoff älter sei als der Zirkon, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Wie viel älter, können sie nicht sagen.

Da das untersuchte Gestein bis zu den aktuellen Untersuchungen nie aufgebrochen wurde, sind sich die Forscher mit ihrer Analyse sehr sicher. "Es ist kein besserer Fall von einem solchen Mineralieneinschluss dokumentiert", so Harrison. Und bislang habe niemand eine plausible alternative Erklärung für diese Form von Ablagerungen gefunden.

"Mit den richtigen Zutaten, scheint Leben rasch zu entstehen", so Harrison. Bell ergänzt: "Wir müssen das Bild, das wir von der frühen Erde haben, überdenken."

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Fassung dieses Textes stand, der Zirkon sei älter als das darin eingeschlossene Material. Es ist natürlich genau umgekehrt: Der Kohlenstoff ist älter als der Zirkon. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, diesen zu entschuldigen.

jme

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
noalk 20.10.2015
1. Entstehung von 12C
12C entsteht nicht in Pflanzen, schon gar nicht durch Photosynthese, sondern entweder durch Kernfusionsprozesse in Sternen oder in Supernovae. Es ist ein stabiles Isotop, zerfällt also auch nicht spontan, genauso wie das 13C-Isotop. Der Artikel ist also, was den Einbau von 12C in die Zirkone betrifft, nicht korrekt. Die Autoren der Studie fanden in einem mehr als 4,1 Mrd-Jahre alten, rißfreien Zirkon Kohlenstoff mit einem 13C/12C-Verhältnis, das auf biogenen Ursprung schließen lässt.
Paul Hoffmann 20.10.2015
2. Vlt andersrum?!
Vlt steh ich nur auf dem Schlauch, aber: im Artikel steht, der Zirkon wäre älter als das darin eingeschlossene Material? Reingebeamt?
partey 20.10.2015
3. hmmm
Hat der erste Poster recht? Ich steh auf solche Wissenschaftsnews und erzähl die auch gern weiter, was natürlich peinlich wird, wenn das Humbug ist. Wie in Beitrag Nummer 2 schon angesprochen. Wie kann der Einschluß jünger sein, als das einschließende Material?
_thilo_ 20.10.2015
4. ad: Vlt andersrum?!
Wohl ein Übersetzungsfehler... Der evtl. "biogene" Kohlenstoff mit dem speziellen 13C/12C Verhältnis findet sich in 4,1 Ma alten Zirkonkörnchen. Diese wiederum wurden in etwas jüngerem Gestein eingebettet aufgefunden.
_thilo_ 20.10.2015
5. Wird immer enger ..
Der Zeitraum zwischen einer noch glühenden Urerde und den ersetn Spuren von Leben scheint immer enger zu werden. Da kommt wieder der Mars ins Spiel: Der war vielleicht schon eine Weile lebensfreundlich bevor die Erde soweit war. Dann könnten die ersten "Keime" tatsächlich mit Marsmeteoriten angereist sein. Somit wären wir alle gleichermaßen die Nachfahren interplanetarer Flüchtlinge !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.