Lemuren: Heißer Finger hilft bei Futtersuche
Ein Körperteil, viele Funktionen: Mit ihrem langen Mittelfinger angeln Lemuren nach Insekten, Tastsensoren helfen bei der Käferjagd. Auf Infrarotaufnahmen entdeckten Biologen nun, dass der nachtaktive Allesfresser seinen Finger gezielt aufheizen kann.
Hamburg - Besser geht es nicht: Mit seinem besonders langen Mittelfinger geht das Aye-Aye auf Futtersuche, angelt Insekten aus Löchern in Baumstämmen. Die Vibrationssensoren am Langfinger zeigen dem auf Madagaskar lebenden Tier, wenn ein Bockkäfer, die bevorzugte Beute, auf einer Baumrinde entlangläuft. Doch der Finger des Aye-Aye kann noch mehr: Wissenschaftler um Gillian Moritz von der Dartmouth University in New Hampshire (USA) haben nun herausgefunden, dass die Lemuren ihren Finger während der Futtersuche zusätzlich um bis zu sechs Grad Celsius aufheizen - damit der Finger des Aye-Aye flexibel genug ist, um während der Futtersuche seine Beute auch zu spüren.
Wie das Team um Moritz im Fachmagazin International Journal of Primatology (online) berichtet, sei der Finger im Normalzustand sehr kalt, könne aber innerhalb kürzester Zeit erwärmt werden, das konnte mit neue Aufnahmen mit Wärmebildkameras gezeigt werden. Nutzt der Lemur seine Hand nicht, sind alle Gliedmaßen schwarz, während der Jagd auf Käfer und andere Krabbeltiere leuchten er im schönsten Rosa.
Die Biologen vermuten, dass der Finger aufgrund seiner vielen Nervenendungen viel Energie verbrauche. Um diese zu sparen, schalte der Primat zwischendurch mittels der niedrigen Temperatur auf Sparprogramm. Es sei eben ein sehr spezialisiertes Werkzeug. Neben der Beutesuche nutzt das Aye-Aye seinen Finger, um Früchte zu knacken, während des Trinkens von Nektar oder Wasser schiebt der Finger die Flüssigkeit schnell in den Mund des Tiers.
"Wir denken, dass die niedrige Temperatur auch durch die besonders dünne Form des Fingers entsteht", sagt Moritz. "Es ist unglaublich zu sehen, wie schnell das Tier seinen Finger wieder aufwärmen kann." Wie genau die Tiere dies aber tun, wissen die Wissenschaftler noch nicht. Der Primat ist das einzige bekannte Lebewesen mit dieser speziellen Funktion.
nik
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