Leuchtende Bälle Kometentrümmer sollen Kugelblitz ausgelöst haben

Grüne Feuerbälle erhellten Australiens Nachthimmel - manche spekulierten schon über Außerirdische. Jetzt hat ein Forscher eine andere Aufsehen erregende Theorie: Bruchstücke eines Kometen sollen das Himmelsspektakel ausgelöst und womöglich einen Kugelblitz einen Berg hinabgeschickt haben.

Grünes Leuchten über Brisbane: Kometentrümmer ließen Sauerstoffatome leuchten
Queensland University of Technology

Grünes Leuchten über Brisbane: Kometentrümmer ließen Sauerstoffatome leuchten


Es war ein Abend, den viele Bewohner des australischen Bundesstaats Queensland im Gedächtnis behalten sollten. Am 16. Mai 2006 erleuchteten drei grüne Feuerbälle den Himmel über der Stadt Brisbane. Einer rollte nach Augenzeugenberichten sogar einen Berghang der Great Dividing Range hinab.

Lokale Fernsehsender und Zeitungen berichteten über das merkwürdige Phänomen. Auch Zeugen wurden ausgiebig befragt. Doch mehr als vier Jahre lang war nicht klar, was die beeindruckende Lichtshow verursacht hatte. Mancher Beobachter flüchtete sich gar in Vermutungen über außerirdische Besucher. Nun legt Stephen Hughes von der Queensland University of Technology in Brisbane einen rationaleren Erklärungsansatz vor.

Ein zerbröselnder Meteor sei für das Himmelsspektakel verantwortlich gewesen, schreibt Hughes im britischen Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society A". Und damit nicht genug: Der Flugkörper soll außerdem einen Kugelblitz ausgelöst haben.

Augenzeugen haben beschrieben, die Leuchterscheinungen seien heller als der Mond und weniger hell als die Sonne gewesen. Hughes glaubt nun, dass es sich um Bruchstücke des Kometen 73P/Schwassmann-Wachmann 3 gehandelt haben könnte. Die schnellen Flugobjekte haben demnach in der Erdatmosphäre Schockwellen ausgelöst und auf diese Weise Sauerstoff ionisiert - das grüne Leuchten ist von den Polarlichtern bekannt.

Ein Indiz: Der Pilot einer Linienmaschine auf dem Weg nach Neuseeland hatte an dem betreffenden Tag berichtet, er habe einem Meteor beim Eintreten in die Erdatmosphäre zusehen können. Dabei sei er auseinandergebrochen und habe sich in Richtung Australien bewegt.

Rollender Kugelblitz am Berghang

Bei der rollenden Kugel am Berghang - nach Augenzeugenberichten rund 30 Zentimeter groß - kann es sich nach Ansicht des Forschers unmöglich um ein Trümmerstück des Meteoriten gehandelt haben. Erstens seien runde Fundobjekte dieser Größe bisher auf der Erde nicht bekannt. Zweitens habe sich die Kugel nach Aussagen der Beobachter sehr langsam talwärts bewegt. Das wäre bei einem Trümmerteil eines Meteoriten aber nicht zu erwarten. Und drittens gebe es keine Hinweise auf einen Einschlag wie einen Krater oder Verbrennungen am Boden.

Hughes glaubt, dass es sich in diesem Fall um einen Kugelblitz gehandelt haben könnte, ausgelöst durch eines der Trümmerstücke. Es habe den elektrischen Widerstand zwischen der Erdoberfläche und der Ionosphäre stark verringert - und so zeitweise den Fluss elektrischer Ladung ermöglicht. Diese hätte dann den Kugelblitz entstehen lassen können.

Auch der sogenannte Pasamonte Fireball, der 1933 im US-Bundesstaat New Mexico beobachtet wurde, habe möglicherweise einen ähnlichen Ursprung, sagt Hughes. Generell könnten Phänomene dieser Art auch für vermeintliche Ufo-Sichtungen an anderen Stellen der Welt verantwortlich sein.

In seiner Arbeit schlägt der Forscher mehrere Mechanismen vor, die für die Stabilität des Leitungspfades durch die Erdatmosphäre verantwortlich sein könnten - legt sich aber auf keine Variante endgültig fest. Hughes verweist zugleich auf Experimente am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und der Humboldt-Universität Berlin. Die Forscher hatten mit Hilfe von Hochspannungsentladungen grün leuchtende Plasmawolken über einer Wasseroberfläche erzeugt. Vielleicht seien diese 10 bis 20 Zentimeter messenden Bälle mit dem in Australien beobachteten vergleichbar, spekuliert Hughes.

chs



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