Nächtliche Leuchtwolken: Raketen zaubern Silberschleier an den Himmel

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Geheimnisvolle Himmelschleier: Leuchtende Nachtwolken über Deutschland im Sommer 2013 Fotos
Tom McEwan

Hochsaison für leuchtende Nachtwolken: Nach Sonnenuntergang glimmt derzeit oft der Himmel über Nordeuropa. Warum erscheinen seit einigen Jahren so viele der geheimnisvollen Silberschleier? Wissenschaftler vermuten: Der Grund sind Raketen.

Hamburg - Himmelsgucker in Deutschland erleben aufregende Sommernächte. An vielen Abenden seit Mitte Juni glitzerte nach Sonnenuntergang das Firmament. Leuchtende Nachtwolken erscheinen an der Grenze zum Weltall. Silber-bläulich glimmen die feinen Schleier aus winzigen Eispartikeln in der Dämmerung, vor allem in Norddeutschland kann man sie bewundern.

Eigentlich hatten Fachleute erwartet, dass weniger leuchtende Nachtwolken zu sehen sein würden, denn es galt die Regel: Steigert die Sonne ihre Aktivität, verschwinden leuchtende Nachtwolken. Die stärkere Strahlung erhitzt die Atmosphäre, so dass sich die Eisschleier auflösen. Die Sonnenaktivität ist nahe am Maximum. Warum also gibt es dennoch so viele der Silberschleier?

Forscher liefern eine erstaunliche Erklärung: Raumfähren und Raketen lassen die Wolken sprießen, berichten sie im Fachblatt "Geophysical Research Letters" ("GRL"). Die Zunahme des Weltraumverkehrs in den vergangenen Jahren habe die Zahl leuchtender Nachtwolken künstlich erhöht. Raumfahrzeuge stoßen durch ihre Triebwerke Wasser aus, das in der Höhe zu Eis gefriert – es dient als Saatgut für die Leuchtwolken.

Im Süden zu warm, im Norden zu hell

Die Nachtwolken schweben 85 Kilometer über der Erde an der Grenze zum Weltall. Von dort oben reflektieren ihre Eispartikel das Licht der untergegangenen Sonne, so dass sie wie von selbst zu leuchten scheinen. Erst wenn die Sonne mehr als 16 Grad unter den Horizont getaucht ist, also etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, erlischt ihr Glimmen.

Die schönen Überflieger sind allerdings meist nur in hiesigen Breiten zu beobachten, von der Ostsee bis nach Österreich. Sie erscheinen paradoxerweise nur im Sommer, etwa zwischen Mitte Mai und Mitte August. In niedrigeren Breiten hingegen ist es selbst in der Mesosphäre für Eiswolken zu warm. Und nördlich des 65. Breitengrades gibt es die Eisschleier zwar, aber man sieht sie nicht, weil der Himmel dort im Sommer nicht dunkel wird.

Das Höhenklima ist eigentlich ungünstig für die Wolken: Die Eisschleier bilden sich, obwohl es 85 Kilometer über der Erde zigmillionen Mal trockener ist als in der Sahara. Dass in der extremen Dürre dennoch frostiger Nebel entsteht, liegt an der extremen Kälte von rund minus 140 Grad Celsius: Wie an einer kalten Fensterscheibe genügt in 80 Kilometer Höhe ein Hauch, um Nebel zu erzeugen.

Feuchter Hauch

Für den feuchten Hauch sorgen wohl riesige Luftwogen, sogenannte Schwerewellen der Atmosphäre: Die Anziehungskraft der Erde verstärkt Turbulenzen und versetzt die Luft in Schwingung. Diese Wellen steigen gelegentlich bis in 90 Kilometer Höhe. Im Sommer kühlt sich die Mesosphäre bis auf minus 150 Grad ab, weil Luftmassen im Zuge der globalen Zirkulation aufsteigen und sich dabei ausdehnen.

Woher das Wasser kommt, ist allerdings immer noch einigermaßen rätselhaft. Nun scheint eine wichtige Quelle gefunden: der Weltraumverkehr. Seit 2011 wurden deutlich mehr Reisen ins All unternommen; vor allem mit russischen "Sojus"-Kapseln und den europäischen Raketen "Ariane" und "Vega". Auch 2013 sind wieder mehr Missionen geplant als im vergangenen Jahrzehnt üblich waren; 34 Raketen sind bereits jetzt erfolgreich abgehoben.

Der Weltraumverkehr sei in genau jenem Maße gewachsen, in dem leuchtende Nachtwolken zugenommen hätten, berichten Geoforscher um David Siskind vom Naval Research Laboratory in Washington, USA, in "GRL". Die Abschätzung der ausgestoßenen Wassermenge der Weltraumflieger passe gut zur abnormen Häufigkeit der Nachtwolken.

Spannung vor dem nächsten Start ins All

Mit dem "Sofie"-Sensor an Bord des Satelliten "AIM" haben die Forscher die Entwicklung der Eisschleier exakt verfolgen können. "Sofie" misst Intensität und Spektrum des Sonnenlichts, woraus der Eisgehalt und die Zusammensetzung von Wolken abgeleitet werden kann.

Die Daten zeigen, dass offenbar die Tageszeit eines Raketenstarts darüber entscheidet, auf welcher Seite der Erde die himmlischen Silberschleier entstehen: Hebe eine Rakete morgens oder mittags ab, treibe ihre Abgasfahne nach Norden, berichten die Fachleute. Sonst aber drifte sie nach Süden – und lasse über der Südhalbkugel Eiswolken sprießen.

Der nächste Start ins All ist für den 19. Juli angesetzt. Von Cape Canaveral im US-Staat Florida soll am frühen Morgen eine "Atlas"-Rakete abheben. Leuchtende Nachtwolken könnten bei klarem Himmel folglich auch dann wieder über Nordeuropa zu sehen sein.

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insgesamt 84 Beiträge
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1. optional
jot-we 12.07.2013
...ähhh ... Raumfähren? Stammt der Artikel aus dem letzten Jahrhundert?
2. Na klar
Heinzi Schmolke 12.07.2013
Zitat von justliveRaumfähren ! Ja klar unterhalb der Atmosphäre und auch noch Rasterartig .. sind die Raumfähren hin und her geflogen oder was? Definitiv Chemtrails! Achja wer wieder Verschwörungstheorie ruft : Diese haben ja die Eigenschaft immer sich als Warheit zu entpuppen.
Wie hab ich das vermisst. Ich dachte die Nummer wäre duch. Nagut, es gibt ja auch noch Leute, die Topfsets auf Werbefarten kaufen. Bin mal gespannt. Mal schauen, ob ich noch bissel Popcorn finde hier irgendwo.
3. Raketen?
qwertz_unlimited 12.07.2013
Ich frag zur Sicherheit nochmal. RAKETEN? Noch jemand gesunden Menschenverstand hier oder bin ich der einzige der gerade denkt: WTF?! Ich will jetzt mal nicht mit irgendwelchen wilden Verschwörungstheorien anfangen. Aber das ist schon sehr eigenartig. Zuerst werden 2009 neue Wolkenarten entdeckt, die bis dato noch niemals so gesehen wurden, sich aber nun häufen. https://de.wikipedia.org/wiki/Asperatus Und es tauchen immer mehr Himmelserscheinungen auf, die man sich nicht wirklich erklären kann, wieso? Ok, dann gibt's diese wilden Chemtrail-Geschichten, auf die geh ich jetzt aber gar nicht ein, weil ich gerne bei Fakten bleiben möchte und selber an nichts glaube, was nicht bewiesen werden kann. Mir ist aufgefallen, dass es immer häufiger Tage gibt, wo es schwierig ist, in den Himmel zu schauen (nein, nicht in die Sonne) - In den Himmel. Die Augen brennen und obwohl es scheinbar bewölkt ist, kann man nicht hochsehen ohne die Augen zuzukneifen. Wie ist eure Meinung dazu?
4. Kommentare
qwertz_unlimited 12.07.2013
Warum werden bei diesem Artikel die Kommentare unter selbigen ausgeblendet? Hat das einen tieferen Sinn?
5.
freekmason 12.07.2013
Zitat von sysopTom McEwanHochsaison für Leuchtende Nachtwolken: Nach Sonnenuntergang glimmt derzeit der Himmel über Nordeuropa. Warum erscheinen gerade so viele der geheimnisvollen Silberschleier? Wissenschaftler vermuten: Der Grund sind Raketen. Leuchtende Nachtwolken: Raumfähren Ursache für NLC - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/leuchtende-nachtwolken-raumfaehren-ursache-fuer-nlc-a-909248.html)
das müssen die brainwash-chemtrails sein, die bewirken, dass immer noch 40% die regierung wählen würden, gegen ihre interessen, prinzipien und wider besseres wissen.
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