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Libanons Ölpest: Deutsche Helfer warten auf ihren Einsatz

Der von israelischen Bombardements verursachte Ölteppich breitet sich weiter ungestört vor der Küste Libanons und Syriens aus. Wissenschaftler und Umweltschützer aus der EU haben ihren Einsatz schon vorbereitet - und müssen weiter warten.

Für den Libanon ist es das größte ökologische Desaster seiner Geschichte, die Umweltorganisation WWF sprach von einer der schwersten Ölkatastrophen im Mittelmeer: Die Lache aus Zehntausenden Tonnen Öl, die aus einem libanesischen Kraftwerk nach Bombardements der israelischen Luftwaffe ausgelaufen ist, breitet sich weiter aus. Neue Satellitenbilder zeigen: Der Ölteppich ist mittlerweile über 130 Kilometer lang und stellenweise etwa 40 Kilometer breit.

Gelb statt schwarz: Das Bild zeigt die Ausbreitung des Ölteppichs zwischen dem 21. Juli und dem 10. August. Je dunkler die Farben, desto dichter die Öllache
DLR

Gelb statt schwarz: Das Bild zeigt die Ausbreitung des Ölteppichs zwischen dem 21. Juli und dem 10. August. Je dunkler die Farben, desto dichter die Öllache

Vor einem Monat, am 13. und 15. Juli, bombardierte die israelische Luftwaffe das Kraftwerk in Dschija südlich von Beirut. Da die Anlage direkt an der libanesischen Küste steht, flossen nach offiziellen Angaben zwischen 15.000 und 35.000 Tonnen Schweröl ins östliche Mittelmeer. Der libanesische Umweltberater Wael Hmaidan hatte zunächst befürchtet, "dass sich die Verschmutzung auch auf die Küsten der Türkei oder Zyperns ausbreiten".

Allerdings scheint sich der Ölteppich wegen der Wasserströmungen fast ausschließlich auf die Küsten Libanons und Syriens zu konzentrieren, belegen aktuelle Satellitenbilder des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Sondersitzung der EU-Umweltminister gefordert

"Die zyprischen Küsten hat die Ölpest nicht erreicht", sagte Giorgos Georgiou, Direktor des zyprischen Umweltministeriums. "Das Mittelmeer ist aber ein geschlossenes Meer, und wir dürfen das Problem nicht aus den Augen verlieren." Angesichts der Lage verlange die Regierung Zyperns seit Tagen die Einberufung einer Sondersitzung der EU-Umweltminister.

Helfer aus verschiedenen EU-Staaten könnten aber erst dann eingesetzt werden, wenn sich zeige, dass die Waffenruhe wirklich halte, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag in Brüssel. Wann dies entschieden werden könne, sei im Moment noch unklar.

Eine Koordinierungsstelle der EU bereite derzeit den Einsatz von Reinigungsgeräten vor, das von Norwegen über Syrien nach Beirut geschickt wurde und dort ausgepackt werde. Weiteres Material sei jedoch erforderlich, um in größerem Stil gegen den Ölteppich vorgehen zu können. Zunächst müsse man abwarten, bis die Seeblockade vor der Küste Libanons aufgehoben werde, hieß es am Montag in Beirut.

Deutsches Havariekommando bereitet Einsatz vor

"Wir haben der EU unsere Hilfe angeboten, aber bis jetzt hat niemand darauf reagiert", sagte Ulrike Windhövel vom Havariekommando in Cuxhaven zu SPIEGEL ONLINE. Die Einrichtung des Bundes und der Küstenländer koordiniert bei Ölkatastrophen vor Deutschlands Küsten das Vorgehen, ist aber auch bei Ölunglücken in anderen Teilen der Welt zur Stelle. Auch wenn von der EU noch kein Auftrag gekommen sei, bereite man sich bereits auf einen Einsatz an der libanesischen und syrischen Küste vor, so Windhövel.

Satellitenbild: Ausbreitung des Ölteppichs am 21. Juli und am 3. August
DLR

Satellitenbild: Ausbreitung des Ölteppichs am 21. Juli und am 3. August

So habe das Havariekommando bei den Küstenländern angefragt, welche Geräte man von ihnen ausleihen könne. Benötigt werden unter anderem Ölsperren, Dickstoffpumpen und sogenannte Skimmer zum Abschöpfen von Öl. Auch müssten noch Gummistiefel und Handschuhe organisiert werden. Experten müssten den Menschen vor Ort zeigen, wie die Geräte zu bedienen sind.

Die Mitarbeiter des Havariekommandos würden aber nur in den Nahen Osten reisen, wenn deren Sicherheit garantiert sei. Außerdem würde laut Windhövel zunächst ein drei- oder vierköpfiges Vorausteam in die Krisenregion reisen, um vor Ort zu klären, welche Geräte wirklich benötigt werden und woher die Energie kommen wird, die für den Betrieb der Pumpen nötig ist.

Unterdessen haben laut Greenpeace freiwillige Helfer begonnen, die Strände aufzuräumen. Wegen der Kampfhandlungen wurde bisher nichts gegen den Ölteppich unternommen. "So konnte sich das Öl ruhig ausbreiten und seine Giftstoffe in die Umwelt eindringen, darunter auch das krebserregende Benzol", sagte Jörg Feddern von Greenpeace. Auch habe das Schweröl Laichgebiete des Blauflossentunfischs verseucht. Meeresschildkröten, die am Sandstrand aus vergrabenen Eiern schlüpfen, verendeten auf dem ölverschmutzten Weg ins Wasser.

Feddern berichtet, dass seine Kollegen im Libanon gerade an der ölverschmutzten Küste gewesen seien, um sich ein Bild von der Lage verschaffen und nun dazu aufriefen, die Säuberungsaktionen an den Stränden zu unterstützen.

Es wird also noch eine Weile dauern, bis der Ölteppich beseitigt und die Strände wieder sauber sind. Das kann laut Windhövel sogar von Vorteil sein, auch wenn es zynisch klingt: Von den Stränden lasse sich das Öl umso besser entfernen, weil der schwarze Dreck in einzelnen Klumpen auf dem Sand liege.

Allerdings: Je länger das Öl die Felsküsten und Sandstrände verschmutzt und das Mittelmeer verseucht ist, desto gravierender sind die Folgen für die Umwelt und die Menschen. Greenpeace-Mitarbeiter Feddern warnt: "Die Giftstoffe reichern sich in der Nahrungskette an - und landen so womöglich bald auf unseren Speisetellern."

fba/dpa

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