Liebesrufe im Meer Zwergwale flirten im Star-Wars-Sound

Ein amerikanischer Meeresforscher hat Töne von Zwergwalen aufgefangen, die verblüffend dem Kampflärm aus der Star-Wars-Saga ähneln. Vermutlich handelt es sich bei dem fremdartigen Lärm um Liebesrufe der Tiere.


Zwergwal: Mischung aus Getrommel und Laserpistole
DPA

Zwergwal: Mischung aus Getrommel und Laserpistole

Die Töne, die der Ozeanologe Jason Gedamke mit seinen Mikrofonen im azurblauen Wasser am Great Barrier Reef aufnahm, waren äußerst fremdartig. Die seltsam technisch klingenden Aufzeichnungen erinnerten ihn sofort an Kampflärm aus Science-Fiction-Filmen.

Als eine Mischung aus Getrommel auf einem Fass und dem Abfeuern einer Laserpistole beschrieb Gedamke das Gehörte. Hatte er bei seinen Untersuchungen vor der australischen Küste gerade die Soundvorlage für den Filmepos "Krieg der Sterne" entdeckt? Das mysteriöse ba-ba-boinnng klang tatsächlich so, als würden sich unter Wasser Raumschiffe beschießen.

Die wirkliche Quelle des Sounds war jedoch schnell identifiziert: Es handelte sich um Zwergwale. "Als ich die Töne zum ersten Mal hörte, konnte ich nicht glauben, dass sie von Walen stammen", sagte der Forscher gegenüber "National Geographic News". "Ich dachte erst, es muss von einem Schiff kommen."

Weitere Zwergwaltöne:
Aufnahme 1: Wie ein Motor (Mp3)
Aufnahme 2: Wintergesang vor Martinique (Mp3)

Der Gedanke, dass diese Geräusche nicht natürlicher Art sein könnten, ist nicht neu. In den fünfziger Jahren hatten Zwergwale schon beinahe für diplomatische Verwicklungen gesorgt. Zum Höhepunkt des kalten Krieges belauerten sich sowjetische und amerikanische U-Boote in den Ozeanen. Ein Boot der US-Marine schnappte ein merkwürdiges Klick mit einem darauf folgenden Schnarren auf. Die Suche nach der Quelle des vermeintlichen Motorengeräuschs blieb ohne Erfolg. Erst fünf Jahrzehnte später war das Rätsel gelöst: Die Töne stammten mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Zwergwal.

Balzschreie der Säuger

Star Wars: Soundquellen aus dem Ozean?
AP

Star Wars: Soundquellen aus dem Ozean?

Der Ozeanologe Gedamke glaubt, dass die Wale mit Hilfe der Geräusche Abstand zueinander wahren. Schon länger wird vermutet, dass sich die Star-Wars-Macher beim Mischen der Filmtöne im Repertoire der männlichen Zwergwale bedienten, die mit ihren Liebesrufen Weibchen anlocken und Männchen auf Distanz halten.

Zwergwale sind für ihre Neugier bekannt. Bei den Tonaufnahmen, die teilweise von einem Tauch- und Schnorchelboot aus entstanden, waren die Taucher oft von einem Schwarm der Meeressäuger umgeben. Gedamke sagte, er habe sich wie in einem überdimensionalen Aquarium gefühlt.

Um die Quelle des Klangs zu identifizieren, arbeitete der Forscher mit mehreren Unterwassermikrofonen. Aus den Unterschieden der Laufzeiten des Schalls konnte er die Quelle lokalisieren. Der Forscher behielt die um das Boot kreisenden Wale dabei immer genau im Auge. "Oft stimmten der berechnete und der beobachtete Ort überein", sagte er. Nach einiger Zeit konnte er die Tiere sogar an ihrem speziellen Klang erkennen.

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