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19. Februar 2013, 12:35 Uhr

Lombard-Effekt

Fledermäuse navigieren auch bei Lärm zuverlässig

Geräusche hindern Fledermäuse nicht am sicheren Fliegen. Forscher haben nun das Geheimnis der Navigation ergründet: Die Tiere ändern immer wieder auf raffinierte Weise die ausgestoßenen Ultraschalltöne, um auch bei Lärm Hindernisse präzise orten zu können.

Fledermäuse passen die Ultraschalllaute, mit denen sie sich beim Fliegen orientieren, blitzschnell den Geräuschen in ihrer Umgebung an. Wenn etwa Regentropfen auf dem Boden aufprallen, ändern die Tiere sofort den Frequenzbereich ihrer Laute, so dass sie das Echo wieder optimal aus dem Lärm heraushören können.

Das Team um den Tübinger Neurobiologen Steffen Hage berichtet nun im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", dass Fledermäuse die Lautstärke und die Tonhöhe ihrer Laute unabhängig voneinander verändern. Bislang sei man davon ausgegangen, dass beides parallel abläuft. Der Prozess ist also komplexer als bislang angenommen.

Zwar sei es bislang nur um Grundlagenforschung gegangen. Hage ist aber optimistisch, dass die Ergebnisse eines Tages auch für die Medizin wichtig werden könnten. "Sprachstörungen etwa bei Parkinson oder beim Stottern sind nichts anderes als Probleme in diesem audio-vokalen Mechanismus. Deshalb ist es wichtig, diese Mechanismen gut zu verstehen", sagte er.

Bei Vögeln und Säugetieren bekannt

Der sogenannte Lombard-Effekt ist von Vögeln, Säugetieren und auch bei Menschen bekannt. Um sich in einer lauten Umgebung zu verständigen, reden Menschen automatisch lauter und ihre Stimme wird höher. Durch die höhere Stimmlage wird man vom Gesprächspartner trotz der Nebengeräusche besser wahrgenommen. "Diesen Effekt macht man sich zum Beispiel bei Hörtests für Kleinkinder zunutze", sagte Hage. Wenn ihre Stimme in einer lauteren Umgebung höher werde, sei das Gehör in Ordnung. Doch wie genau der Effekt ausgelöst wird, ist noch nicht geklärt.

Hage und sein Team von der Universität Tübingen haben deshalb drei Große Hufeisennasen unterschiedlichen Geräuschen ausgesetzt und erfassten, wie sich die Laute der Tiere daraufhin veränderten. "Die Fledermaus ist hierfür als Modelltier besonders geeignet, da ihr Hörbereich einen großen Frequenzbereich umfasst", sagte der Wissenschaftler.

Insgesamt untersuchten die Forscher 83.000 Ultraschalllaute. Dabei habe sich gezeigt, dass die Tiere so schnell auf veränderte Umgebungsgeräusche reagieren, dass diese Reaktion unmöglich bewusst gesteuert sein könne. Außerdem veränderten die Fledermäuse die Lautstärke und die Höhe der Töne unabhängig voneinander. Offensichtlich gebe es eine direkte Verbindung zwischen den neuronalen Systemen, die für das Hören und für die Erzeugung von Stimmen zuständig sind.

wbr/dpa

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