Steinlaus-Konkurrenz: Frankfurter Forscher benennt Spinne nach Loriot

Eine neu entdeckte Spinnenart trägt den Namen des deutschen Humoristen Vicco von Bülow. Die Spinne habe zwar keine Nudel im Gesicht, aber viel mit Loriots Humor gemein, begründete der Forscher seine Namenswahl. Loriots Familie ist begeistert.

Winzige asiatische Spinne Otacilia loriot: Nach dem Humoristen Vicco von Bülow benannt Zur Großansicht
Senckenberg

Winzige asiatische Spinne Otacilia loriot: Nach dem Humoristen Vicco von Bülow benannt

Frankfurt - Schön ist sie nicht, die winzige braune Spinne, und wahrscheinlich hätten die meisten Deutschen nie Notiz von ihr genommen - wäre da nicht der berühmte Namenspatron: Der Senckenberg-Spinnenforscher Peter Jäger hat eine in Laos entdeckte bisher unbekannte Spinne nach dem deutschen Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot benannt. Die nur zwei Millimeter große Spinne trägt künftig den Fachnamen Otacilia loriot.

"Sie ist so unauffällig wie das, was Loriot in seinen Sketchen beschrieben hat", sagte Jäger am Mittwoch in Frankfurt. Er sei ein großer Bewunderer von Loriot, der immer das Komische im normalen, alltäglichen Leben gesucht habe, wird Jäger in einer Mitteilung des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt zitiert. "Da fand ich es passend, eine Spinne nach ihm zu benennen, die auf den ersten Blick keine Besonderheiten zeigt."

Bei Expeditionen in China, Laos und Thailand hatten Jäger und seine Kollegen insgesamt sieben neue Spinnenarten entdeckt, die Ergebnisse sind im Fachblatt "Beiträge zur Araneologie" veröffentlicht. Die Loriot-Spinne gehört zur Familie der Ameisensack-Spinnen, sie ähnelt eher einer Ameise als einer Spinne - das wohl aufregendste Detailwissen über den Achtbeiner. Um ihr auf die Schliche zu kommen, hatten die Forscher Laubstreu, den Lebensraum der Tiere, durchsiebt.

In Anlehung an die Steinlaus

"Die Spinnen der Gattung Otacilia haben keine Nudeln im Gesicht, ähneln weder einem Mops noch einer Steinlaus und sind überhaupt eher unscheinbare Tiere", heißt es in der Senckenberg-Mitteilung. Loriot baute immer wieder Tiere in seine Sketche ein, so etwa auch die Steinlaus (Petrophaga lorioti). Sie ist ein von Loriot ersonnenes Tier, dem das medizinische Wörterbuch Pschyrembel einen Eintrag widmete und die mittlerweile sogar gegen Feinstaub helfen soll.

In seinen Sketchen behauptete Loriot etwa, dass die Steinlaus mit bloßem Auge nicht erkennbar sei, unter dem Mikroskop aber zu sehen sei, wie sie Steine und gelegentlich sogar Eisenträger verspeise. Der Appetit einer geschlechtsreifen Steinlaus sei erstaunlich, berichtete Loriot. Etwa 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteine benötige eine männliche Steinlaus am Tag, während der Schwangerschaft verzehrten die Weibchen sogar das Doppelte.

Die Familie Loriots habe seinen Plan, eine Spinne nach ihm zu benennen, erfreut aufgenommen: "Meinem Vater hätte diese Ehrung sicher gut gefallen", habe Susanne von Bülow gesagt.

irb/dpa

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