Low-Budget-Forschung: Stratosphären-Video für weniger als 400 Euro

Schnäppchenreise bis in 37 Kilometer Höhe: Mit einem heliumgefüllten Ballon haben zwei britische Studenten eine Kamera in die Stratosphäre geschickt. Das Billig-Equipment überstand selbst frostigste Temperaturen - und lieferte Material für einen spektakulären Film.

Alex Baker / Chris Rose

Los ging's an einem frostigen Morgen bei Sonnenaufgang. Zum Start in der britischen Grafschaft Derbyshire füllten Alex Baker und Chris Rose Helium in ihre Konstruktion. Langsam begann sich die Gummihülle zu füllen. Dann schwebte der Ballon der beiden nach oben davon. In einer Styroporbox ließen die beiden Doktoranden der University of Sheffield eine Kamera in den Himmel steigen. Nun haben sie den spektakulären Film veröffentlicht.

Er beweist noch einmal eindrücklich, dass Filmaufnahmen aus der Stratosphäre mittlerweile für einen Spottpreis zu haben sind. Noch nicht einmal 400 Euro haben Baker und Ross nach eigenem Bekunden aufgewendet. Insgesamt war ihr Ballon zwei Stunden und 50 Minuten lang unterwegs. Auf seiner Reise erreichte er eine Höhe von 37 Kilometern.

Der Film der Studenten zeigt dabei, wie der Himmel immer dunkler wird und wie unsere Erde von oben aussieht. Spektakuläre Wolkenformationen sind zu sehen. Nicht ohne weiteres erkennbar sind freilich die widrigen Bedingungen, mit denen die Technik auf der Reise durch die Atmosphäre klarkommen musste. Bis auf minus 50 Grad sank die Temperatur in zehn Kilometern Höhe. Auf dem Gipfel des Aufstiegs herrschten zwischen 30 und 40 Grad unter Null.

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Amateur-Flugobjekte in der Stratosphäre für Schlagzeilen sorgen. Kürzlich hatte ein britisches Team einen Ballon genutzt, um Papierflugzeuge dorthin zu transportieren. Die beiden Doktoranden aus Sheffield haben ähnliche Technik benutzt. Doch sie legten besonders großen Wert darauf, dass die von ihnen in den Himmel geschickte Technik die Reise gut übersteht. Deswegen ließen sie den Fall der Apparatur auch durch einen Fallschirm abbremsen.

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Stratosphärenflug: Mit Helium hoch hinaus
Probleme gab es allerdings mit der Ortung der Fracht. Denn ein GPS-Tracker an Bord meldete sich weder während des Aufstiegs noch während des Absinkens des Ballons. Erst als die gesamte Ladung wieder am Boden war, ließ sich das Ortungsgerät zu einer Positionsangabe hinreißen. Baker und Rose fanden ihre Styroporkiste auf einem Feld der Grafschaft Cambridgeshire, rund 160 Kilometer vom Startplatz entfernt.

"Es war ein absoluter Low-Budget-Ansatz, um zu sehen, was möglich ist", sagte Alex Baker SPIEGEL ONLINE. Vor möglichen weiteren Flügen wollten die beiden Studenten nun aber erst einmal zusätzliches Geld einsammeln - "um zu sehen, was so alles machbar ist".

Zwei Teams deutscher Studenten ließen vor wenigen Tagen übrigens ebenfalls Wetterballons mit Kameras in den Himmel steigen. Im Auftrag eines Fernsehsenders traten beide Gruppen in einem Wettbewerb gegeneinander an. Nahe Amberg starten beide Mannschaften ihre Konstruktionen. Die Lehramtsstudenten Friedrich Meingast, Benedikt Billich und Florian Bier von der Universität Erlangen konnten den Wettstreit für sich entscheiden. Ihr Ballon schoss Bilder aus der Stratosphäre und landete anschließend im tschechischen Ort Krásná Hora nad Vltavou. Die Konkurrenz von der TU München konnte ihren Ballon dagegen nicht wiederfinden.

Hobby-Forscher, die in Deutschland Ähnliches planen, sollten übrigens eines beachten: Wetterballons darf niemand einfach so steigen lassen. "Man muss sich online bei uns anmelden", sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Zwei Wochen Vorlaufzeit seien für einen Antrag nötig. Bei Bedarf gebe die Flugsicherung dann ein sogenanntes Notam ("Notice to Airmen") heraus. Damit sind dann Piloten gewarnt - und der Ballon kann aufsteigen. Zumindest, wenn er nicht in der Nähe größerer Flughäfen in die Luft gehen soll. Und auch die jeweiligen Ordnungsämter dürften sich für einen Ballonstart interessieren.

Wer die Tücken der Technik überwunden hat, hat also immer noch die Tücken der Verwaltung vor sich.

chs

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Papierflugzeuge: Segelnd durch die Stratosphäre

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