Luftmessung: Forscher bereiten Flug in die Aschewolke vor

Die Vulkanaschewolke aus Island hat den europäischen Flugverkehr zum Erliegen gebracht - doch das Flugverbot basiert bisher weitgehend auf Computerberechnungen. Am Montag wollen Forscher erstmals in die Wolke fliegen und Messwerte sammeln.

AP/ DLR

Oberpfaffenhofen - Deutsche Atmosphärenforscher wollen am Montag in die Aschewolke fliegen und erstmals verlässliche Daten für das seit Freitag verhängte Flugverbot sammeln. "Wir bereiten solch einen Messflug bis in zehn Kilometer Höhe vor", bestätigte ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntag in Oberpfaffenhofen. In das Atmosphärenforschungsflugzeug "Falcon 20" werden laut DLR-Sprecher Andreas Schütz derzeit spezielle Messinstrumente eingebaut, um die Konzentration der Vulkanaschepartikel in der Luft zu messen. Zunächst müsse aber das Luftfahrtbundesamt eine Genehmigung für den Flug erteilen.

Das Forschungsflugzeug fliegt höher als die meisten Verkehrsflugzeuge und wird von erfahrenen Testpiloten gesteuert, die laut Schütz auch mit Extremsituationen umgehen können. Die in der Wolke gesammelten Daten würden so schnell wie möglich ausgewertet und dem Deutschen Wetterdienst und der Flugsicherung für eine Beurteilung des Flugverbots übermittelt.

Der meteorolgische Dienst Schwedens teilte unterdessen mit, dass die derzeit vom Vulkan Eyjafjallajökull ausgestoßene Asche nicht mehr die gleiche Höhe erreiche wie vor einigen Tagen. "Die Wolke ist sehr niedrig", sagte der Geologe Hjorleifur Sveinbjornsson. "Sie ist kaum höher als zwei Kilometer." In der vergangenen Woche war die Asche zum Teil mehr als elf Kilometer hoch gestiegen und wurde damit zur Gefahr für den Flugverkehr.

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Stillstand im Flugverkehr: Leerer Himmel über Europa
Die Schließung des gesamten Luftraums über Nordwesteuropa bis zunächst Montagabend 20 Uhr (MESZ) beruht allerdings bislang vor allem auf Messungen vom Boden und Computerberechnungen. Messergebnisse von Flugzeugen, die in die Wolke hineingeflogen wären, liegen bisher nicht vor.

In Deutschland sei nicht mal ein Wetterballon zur Messung des Vulkanstaubs in der Luft, kritisierte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. "Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Volcanic Ash Advisory Centre in London", sagte Hunold der "Bild am Sonntag".

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) widersprach: Messungen mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißenberg bei München hätten Vulkanasche in den Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern belegt. "Die Wolke ist da", sagte ein Meteorologe in Offenbach. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte nach eigenen Angaben bereits am Samstag mit einer Lasermessung die Wolke nachgewiesen. Die Teilchen aus der Vulkanasche können nach Expertenmeinung die Triebwerke und Sensoren von Flugzeugen beschädigen und Piloten die Sicht nehmen.

Scharfe Kritik von Fluglinien

Mehrere Fluglinien kritisieren das Flugverbot. Lufthansa-Sprecher Klaus Walther verwies auf zehn Maschinen, die mit einer Sondergenehmigung nach Frankfurt geflogen wurden. An den Maschinen sei nicht "der kleinste Kratzer" gefunden worden.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber wies die Sorge um die Sicherheit der Passagiere gar als unbegründet zurück. Viele Fluggesellschaften hätten nun Testflüge absolviert, sagte Mayrhuber am Sonntagabend im ZDF. "Wir sprechen von Aschewolken - in den letzten drei Tagen konnte man von Flensburg bis Berchtesgaden keine einzige Wolke sehen", sagte er. "Niemand wird durch eine Vulkanwolke fliegen, aber das, was wir in den letzten drei Tagen gesehen haben, war alles andere als ein Gefährdungspotential."

Eine Maschine der British Airways hat am Sonntagabend einen fast dreistündigen Testflug ohne Probleme absolviert. Die Boeing 747, die von London-Heathrow gestartet war, landete um 20.41 Uhr Ortszeit (21.41 Uhr MESZ) auf dem Flughafen von Cardiff in Wales. "Die Bedingungen waren perfekt, und es gab keine Schwierigkeiten", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft laut einer Meldung der britischen Nachrichtenagentur PA. Der Jumbojet mit BA-Chef Willie Walsh an Bord sei etwa eine Stunde lang auf einer Höhe von mehr als 12.000 Metern geflogen. Eine eingehende Untersuchung soll nun Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen der Vulkanaschewolke bringen.

150 Millionen Euro kostet nach Angaben des Flugverbandes IATA jeder Tag mit weitreichenden Luftraumsperrungen die Branche. Ein Experte sagte am Wochenende allerdings das baldige Abflauen des Vulkanausbruchs voraus. Die Eruptionen sind nach Ansicht von Geoforschern so explosiv, weil Magma in Kontakt mit Wasser komme. Dies führt zu sogenannten Wasserexplosionen. Mittlerweile sei aber etwa ein Drittel des Eises über dem Vulkan verdampft, sagte Bernd Zimanowski, Vulkanologe an der Universität Würzburg, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. In "ein paar Tagen", wenn das meiste Eis über dem Berg verschwunden sei, dürfte dem Vulkan der Treibstoff ausgehen, meint der Island-Kenner. Der Ausbruch werde dann wahrscheinlich deutlich an Explosivität verlieren.

mbe/dpa/AFP

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