Luftverkehr Erstmals Klimagefahr durch Eiswolken berechnet

Flugzeuge schaden dem Klima gleich mehrfach - neben dem CO2-Ausstoß auch durch Schleierwolken, die sich entlang von Kondensstreifen bilden. Deutsche Forscher haben erstmals ermittelt, wie stark diese die Erderwärmung fördern.

DPA

Wenn es um den Klimaschutz geht, hat der rapide wachsende Luftverkehr - zu recht - ein ziemlich mieses Image: Immer mehr Flugzeuge blasen große Mengen Kohlendioxid in hohe Atmosphärenschichten, wo sie besonders stark wirken. Dazu kommen Kondensstreifen, die das Sonnenlicht reflektieren. Und wohl noch wichtiger: Wasserdampf und Ruß in den Abgasen der Jets sorgen für die Bildung von Wolken.

Die sogenannten Kondensstreifen-Zirren bilden aus feinen Eiskristallen und reflektieren Wärmestrahlung zurück zur Erde. Forscher sprechen auch von contrail-induced cloudiness, kurz CIC. Präzise ließ sich die Klimawirkung dieser Wolken - sie existieren nach dem Durchflug eines Flugzeugs für bis zu 17 Stunden - bisher nicht erfassen. Deutsche Forscher haben nun aber eine Methode entwickelt, um das Problem erstmals zu quantifizieren. Laut der Untersuchung, die in "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde, hat die von den Kondensstreifen verursachte Bewölkung tatsächlich eine beeindruckende Klimawirkung.

Die entstehenden Schleierwolken tragen demnach innerhalb eines Jahres stärker zur Erderwärmung bei als das gesamte von den Jets ausgestoßene Kohlendioxid. Ulrike Burkhardt und Bernd Kärcher vom Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen haben ein Computermodell entwickelt, das die Wolken erstmals berücksichtigt: "Wir können nicht nur deren Klimawirkung, sondern auch die Reaktion der natürlichen Wolken auf diese neue Wolkenklasse erstmals bestimmen", sagt Burkhardt.

Ausstoß von Rußpartikeln ließe sich verringern

Die Forscher bewerten den Beitrag des Luftverkehrs zur Klimaerwärmung anhand des sogenannten Strahlungsantriebs. Dieser Begriff wurde vom Weltklimarat IPCC verwendet, um Störungen im Klimasystem zu messen. Die Kondensstreifen-Zirren verursachen nach Angaben der Forscher insgesamt einen Strahlungsantrieb von 31 Milliwatt pro Quadratmeter. Dieser Wert übertrifft damit knapp die Klimastörung des von Flugzeugtriebwerken ausgestoßenen Kohlendioxids.

Noch dramatischer würde der Unterschied ausfallen, wenn die Kondensstreifen-Zirren neben der Reflexion der Strahlung nicht noch einen weiteren Effekt hätten: Sie entziehen der Atmosphäre Feuchtigkeit - so dass die natürliche Bewölkung zurückgeht. Dadurch wird geht der Strahlungsantrieb der künstlichen Wolken zu etwa 20 Prozent kompensiert.

Wie dramatisch anders der Himmel ohne die Kondensstreifen aussieht, war im vergangenen April eindrücklich zu sehen. Weil der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island Asche in die Atmosphäre spuckte, mussten tausende Flugzeuge am Boden bleiben. Gerade an Kreuzungspunkten von Luftverkehrsrouten war das Ergebnis frappierend: endlich blauer Himmel.

Die schnell wachsende Luftfahrtbranche wird sich in den kommenden Jahren Gedanken darüber machen müssen, wie sie ihren Einfluss auf die Erderwärmung begrenzen kann. Ein erster Schritt ist dabei die Einbeziehung des Sektors in den europäischen Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten ab dem kommenden Jahr. Zwar werden viele der nötigen Zertifikate zunächst verschenkt, doch die Airlines werden auch hinzukaufen müssen.

Was die Kondensstreifen-Zirren angeht, können Hersteller durchaus daran arbeiten, den Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf zu verringern. Außerdem könnten Flugzeugrouten - wo das möglich ist - gezielt durch Gegenden mit geringer Luftfeuchtigkeit geleitet werden. Denn in trockener Luft bilden sich die Wolken nicht so stark.

Trotzdem warnen die Forscher, dass die Maßnahmen zur Senkung der CIC womöglich zu Verschlechterungen bei anderen Emissionswerten des Flugverkehrs führen könnten - zum Beispiel wenn gezielt Umwege geflogen werden.

chs



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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
ruplanb 30.03.2011
1.
Zitat von sysopFlugzeuge schaden dem Klima gleich mehrfach - neben dem CO2-Ausstoß auch durch Schleierwolken, die sich entlang von Kondensstreifen bilden. Deutsche Forscher haben erstmals ermittelt, wie stark diese die Erderwärmung fördern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,754112,00.html
ich bin fassungslos, für welchen Schwachsinn Forschungsgelder verschwendet werden.
Jacky Thrilla, 30.03.2011
2.
Kann mir jemand erklären, wie man bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen (Kerosin) verhindern will, dass Wasser und CO2 ausgestoßen wird? Grüße JT (Mal gespannt, wer mir antwortet...)
Rushki 30.03.2011
3. Aha
Ja und das war jetzt wohl eine Studie vom deutschem Zentrum Schifffahrt oder wie? Ich erinnere nur daran http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,745729,00.html
Berd 30.03.2011
4. Im Westen nichts Neues!
Zitat von sysopFlugzeuge schaden dem Klima gleich mehrfach - neben dem CO2-Ausstoß auch durch Schleierwolken, die sich entlang von Kondensstreifen bilden. Deutsche Forscher haben erstmals ermittelt, wie stark diese die Erderwärmung fördern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,754112,00.html
Langsam spricht sich scheinbar herum, daß CO2 nicht so ein "Klimagift" ist, wie uns das gebetsmühlenartig seit Jahren eingeredet wird. Mal abgesehen davon, daß ohne CO2 kein Leben auf dieser Welt möglich wäre, haben neue Studien unter anderem von Lindzen und Chou und auch von der Uni Hamburg ganz klar der anthropogenen Klimaerwärmung aufgrund von CO2 den Todesstoß versetzt. Aber was solls, dann sind es halt jetzt die von Flugzeugen ausgestoßenen Schleierwolken, die uns zum Klima-Armageddon führen. Wichtig nur wieder: Der Mensch ist Schuld. Vielleicht sollten sich die Alarmisten mal analysieren lassen. Bei diesem ausgeprägten Schuldkomplex hilft nur Psychoanalyse. Wahlweise kann man natürlich auch ein Klimazertifikat kaufen, ganz wie die Ablaßzettel des Mittelalters. Da hat sich nichts geändert. Gruß berd
skell100 30.03.2011
5. Mal was ganz Neues
"...und reflektieren Sonnenlicht zurück zur Erde" Habe noch gar nicht gewusst, dass von der Erde Sonnenlicht ausgeht.
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