Luftverschmutzung China japst, Europa erholt sich

Einen Blick vom Satelliten aus hat ein internationales Team, darunter deutsche Forscher, auf die Erdatmosphäre geworfen. In China, so ein Ergebnis, wird die Luft immer dicker - in Europa und den USA dagegen geht die Luftverschmutzung zurück.


China: Schleier des Turbo-Wachstums
ESA

China: Schleier des Turbo-Wachstums

Es ist der bleiche Schleier des Turbo-Wachstums, den Wissenschaftler aus Deutschland, den USA und Frankreich ausgemacht haben. Um 50 Prozent haben sich die Mengen von Stickstoffdioxid über den industrialisierten Gegenden Chinas zwischen 1996 und 2002 erhöht. Mit Messinstrumenten an Bord des Satelliten Envisat beobachtete das Team, darunter Forscher von der Universität Bremen und dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, die Luft nicht nur über China, sondern weltweit.

Dabei gab es nicht nur schlechte Neuigkeiten, wie die Gruppe in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Nature" berichtet (Bd. 437, S. 129). Denn während die Luft über China dicker wird, war über Europa und Teilen der USA eine deutliche Verbesserung der Luftqualität zu beobachten.

Luftverschmutzung in China: 50 Prozent Zuwachs
Institut für Umweltphysik, Universität Bremen

Luftverschmutzung in China: 50 Prozent Zuwachs

Das rasante Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat zu einem Anstieg des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid geführt. Bisherige Abschätzungen für China hätten diese Zunahme stets zu niedrig angesetzt, schreiben die Forscher - erst die genaueren Satellitenmessungen machten das ganze Ausmaß des Debakels sichtbar.

Chinas Bevölkerung - rund 1,3 Milliarden Menschen oder 20 Prozent der Weltbevölkerung - hat sich in den vergangenen 100 Jahren mehr als verdoppelt. China ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde.

Und diese Riesenwirtschaft wuchs zwischen 1999 und 2003 um durchschnittlich 8 Prozent pro Jahr. Der Energieverbrauch steigt stark, liegt zur Zeit pro Kopf jedoch erst bei etwa einem Neuntel des Wertes der USA. Die Chinesen haben im Schnitt auch immer noch deutlich weniger Autos als der Rest der Weltbevölkerung - auch diese Zahl hat sich aber zwischen 1995 und 2002 auf 20,5 Millionen verdoppelt.

Umweltverschmutzung Europa: Maßnahmen greifen
Institut für Umweltphysik, Universität Bremen

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Gleichzeitig errechnete das Team, dass die Stickstoffdioxid-Konzentrationen in den meisten Industrieländern stagnierten oder sogar deutlich abnahmen. Die Forscher führen diese Verbesserung auf in den letzten Jahren umgesetzte Maßnahmen zurück: etwa auf Filteranlagen in Kraftwerken und Autos und auf den Einsatz saubererer Brennstoffe.

Stickstoffdioxid ist ein gesundheitsschädliches Gas. Es verursacht Atemwegsprobleme und schädigt die Lunge. Zusammen mit anderen Stickoxiden entsteht es vor allem bei Verbrennungsprozessen, also etwa in Kraftwerken, Automotoren oder bei Waldbränden. Stickoxide sind auch mitverantwortlich für Smog und sauren Regen.



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