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Indien: Dreckige Luft verdirbt Ernte

Bäuerin nahe Dharamsala (Indien): Weniger Reis und Weizen wegen dicker Luft Zur Großansicht
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Bäuerin nahe Dharamsala (Indien): Weniger Reis und Weizen wegen dicker Luft

Abgase sind nicht nur eine Belastung für die Gesundheit - sie mindern auch die Ernte. In einigen Provinzen Indiens verloren Bauern bis zur Hälfte ihrer Erträge.

San Diego - Indien könnte seine Weizen- und Reisproduktion deutlich erhöhen, wenn es die Luftverschmutzung im Land effektiv eindämmen würde. Etwa ein Fünftel weniger Reis und ein Drittel weniger Weizen als möglich wurden demnach wegen der Verschmutzung von den Feldern geholt, berichten amerikanische Wissenschaftler in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Jennifer Burney und Veerabhadran Ramanathan von der University of California in San Diego (USA) haben errechnet, wie stark die Erträge zwischen 1980 und 2010 hätten wachsen können, wenn die Ozonwerte und die Anzahl der Rußpartikel auf dem Niveau von 1980 geblieben wären. Sie kamen dabei auf Ernteminderungen von 36 Prozent für Weizen und 20 Prozent für Reis durch die Luftverschmutzung in Indien.

"Indiens 1,2 Milliarden Menschen hängen in erster Linie von Nahrungsmitteln ab, die im Land selbst produziert werden", schreiben die Wissenschaftler. Auch andere asiatische und afrikanische Staaten seien stark auf den Import von indischem Reis angewiesen. Während der weltweiten Lebensmittelpreiskrise von 2007 und 2008 durch Weizen-Missernten anderswo in der Welt habe Indien Reisexporte aus Sorge um die Nahrungsmittelsicherheit im eigenen Land unterbunden und damit eine weltweite Kaskade von Importstopps und Hungerunruhen ausgelöst.

Giftiges Ozon

Burney und Ramanathan wollten herausfinden, welchen Einfluss die regionale Luftverschmutzung auf die indische Landwirtschaft hat. Sie konzentrierten sich zum einen auf Rußpartikel, die das Sonnenlicht streuen und dadurch die Sonneneinstrahlung verändern. Zum anderen betrachteten sie das für Pflanzen giftige Ozon. Indikatoren für das Ozon waren dessen Ausgangsstoffe: Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen (ohne Methan). Zur Berechnung griffen die Forscher auf Daten früherer Studien zurück.

Reisfeld bei Gauhati (Indien):  Mehr Ruß bedeutet weniger Sonnenlicht  Zur Großansicht
AP

Reisfeld bei Gauhati (Indien): Mehr Ruß bedeutet weniger Sonnenlicht

So ist nach weltweit erhobenen Daten die Sonneneinstrahlung in Indien zwischen 1980 und 2010 um bis zu 10 Prozent zurückgegangen. Die Forscher erstellten ein mathematisches Modell, das es ihnen erlaubte, den Anteil von Ruß und Ozon aus anderen Einflussfaktoren herauszurechnen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Luftverschmutzung rund 90 Prozent zur Ernteminderung beiträgt.

Burney und Ramanathan errechneten die Werte für verschiedene Bundesstaaten. Besonders hoch sind die Ernteeinbußen demnach bei Weizen in Uttar Pradesh, Uttarakhand und Rajasthan: Dort betragen sie jeweils mehr als 50 Prozent.

hda/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Auch Indien betet den Götzen
Holledauer 04.11.2014
Ich habe in Indien Schadgase emittierende Anlagen gesehen, deren Betreiber in Mitteleuropa schon längst im Knast wären! Dies klingt jetzt wie Indienbashing, ist jedoch die Wahrheit: In vielen Regionen Indiens fehlt sowohl den Behördenvertretern als auch der Bevölkerung jegliches Gefühl, die Umwelt schützen zu müssen. Ich war längere Zeit in Bengaluru (früher: Bangalore): Man findet in der ganzen Stadt kaum Abfallbehälter, in die die Leute ihre Abfälle, wie leere Zigarettenschachteln hineinwerfen können. Konsequenz: Was man nicht mehr braucht, lässt man einfach fallen! Ich habe noch unlängst Sonderabfallverbrennungsanlagen als den neuesten Schrei der Technik vorgeführt bekommen. Alle Anlagen, die ich gesehen habe, erfüllten nicht den Mindeststandard einer umweltfreundlichen Abfallbehandlung. Eine sogenannte "Plasmaverbrennungsanlage", welche sich übrigens bei genauerer Betrachtung der Technologie als Etikettenschwindel herausstellte, emittierte eine kilometerweit sichtbare Staubfahne. Eine Altlast mit krebserregendem Chromat in Zentralindien, über Google-Earth deutlich zu identifizieren, besteht schon seit mehr als 20 Jahre, ohne dass die Behörden tätig werden, die das Problem kennen. Ebenfalls in Zentralindien müssen Landbewohner Brunnenwasser trinken, welches bis zu 10 mg/l Chromat enthält. Ursache ist eine unsachgerecht abgedichtete und betriebene Deponie. In Deutschland steht der Grenzwert für Chromat im Trinkwasser bei 10 µg/l, also einem Tausendstel. Derzeit wird diskutiert, den Grenzwert wegen der Gefährlichkeit des Chromats auf 1 µg/l zu senken. All dies sieht natürlich der Tourist nicht. Er weiß nicht, dass die besseren Hotels täglich per Tankwagen mit besonders reinem Trinkwasser versorgt werden, da das normale Trinkwasser dem Tourismus schaden würde!
2. na...
fatherted98 04.11.2014
....dann muss die Luft aber schon arg dreckig sein und das Feld umgeben von Schwerindustrie...denn wenn das stimmen würde, hätte es im Deutschland der 60er Jahre eine Missernte nach der anderen gegeben.
3. Die doofen Ökos übertreiben mal wieder
shooop 04.11.2014
Zitat von fatherted98....dann muss die Luft aber schon arg dreckig sein und das Feld umgeben von Schwerindustrie...denn wenn das stimmen würde, hätte es im Deutschland der 60er Jahre eine Missernte nach der anderen gegeben.
Na klar, die Ökos übertreiben mal wieder. Lieber fatherted, auch wenn Sie mit offenen Augen durch Deutschland gehen, werden sie sehen, dass sich unsere Umwelt verändert. Diese Prozesse sind für den Stadtmenschen, der nur Beton kennt, nicht wahrzunehemen, weil er dafür keine Sinne hat. Der Landmensch sieht zum Beispiel, dass es kaum noch Champignons auf den Wiesen gibt und dass im Wald Gräser wachsen, die dort nicht hinhgehören. Beides zeigt an, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt bzw. Veränderungen eingetreten sind, die Champignons nicht tolerieren und die das Gras wachsen lassen. Jetzt könnte man denken, was solls...wer braucht schon Champignons und Gras im Wald - mir doch egal. Aber das sind nur Indikatoren und der Mensch verändert und zerstört seine Umwelt, die ihn ernährt. Man kann es leugnen, verdrängen und so tun, als gäbe es diese Prozesse nicht. Einholen wird uns das irgendwann sowieso.
4. #1 dem kann ich nur zustimmen...
edizone 04.11.2014
... denn ich war auch eine Weile in Indien unterwegs und z.B. zm Thema Plastiktüten haben die Inder auch kein Bewußtsein. Ganze Flüsse und Seen sind damit verstopft, weil alles in Plastiktüten transportiert wird und dann einfach weggeworfen wird. Die denken wohl, das Plastik sich abbaut wie ein Jutebeutel... Also ich fahr da jedenfalls nicht nocheinmal hin.
5. Luftverschmutzung
3komma1415... 04.11.2014
Die Impressionen meines letzten Indientrips werden - nicht nur aus touristischer Sicht - unvergessen bleiben. Ein leuchtendes Beispiel wie weit wir in Deutschland mit Umweltschutz gekommen sind (ich sage nur Bitterfeld) und wie einfach es zu bewerkstelligen wäre, wenn man nur das Bewusstsein dafür hätte. Nur eines von vielen Beispielen war die Busfahrt in die Berge. Ab einer gewissen Höhe sieht man, wie man eine "Glaskugel" aus dichtem Smog verlässt. Innerhalb der Smogwolke nimmt man das kaum mehr wahr, weil man sich an diesen Zustand als Normalität gewöhnt hat. Aber die sichtbare Grenze zu sauberen Luftschichten zu durchqueren war unheimlich beeindruckend. Naja, zu weiteren Beispielen der Umwelt- und Wasserverschmutzung könnte ich noch viele weitere Worte verschwenden, aber das will ja sowieso keiner hören, der im Urlaub nie weiter als bis zum Ballermann gekommen ist :^)
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