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Luftverschmutzung: Schlimmster Smog des Winters verpestet Peking

AFP

Peking leidet erneut unter extremer Luftverschmutzung, die Schadstoffbelastung hat zeitweise den Index gesprengt. Die Behörden raten den Bewohnern der chinesischen Hauptstadt, im Haus zu bleiben - oder Atemmasken zu tragen, falls sie doch vor die Tür müssen.

Peking - Es ist ein Fall, der so gar nicht vorgesehen ist: Normalerweise geht die Skala des sogenannten Air Quality Index bis 500. Wird die Obergrenze erreicht, ist die Luft extrem belastet mit Schwefel- und Stickstoffdioxid, Feinstaub verschiedener Größenklassen, Kohlenmonoxid oder bodennahem Ozon. Der Index wurde einst in den USA entwickelt, wird aber längst auch in anderen Staaten genutzt, darunter China. Doch in Peking reicht er im Moment nicht mehr aus, um die Dramatik der Lage zu beschreiben: Erstmals in diesem Winter kletterte der Wert über die 500er-Marke.

Eine Zahl zwischen null und 50 symbolisiert exzellente Luftqualität, bei 300 wird es bedenklich für die menschliche Gesundheit. Die Luftwerte in Peking waren ab Mittwochnachmittag plötzlich in die Höhe geschnellt und lagen auch am Donnerstagvormittag noch zwischen 400 und 500. Trotz der gefährlich hohen Werte riefen die Behörden am Morgen vorerst nur die zweithöchste Alarmstufe "Gelb" aus. Der Index der US-Botschaft für den besonders gefährlichen Feinstaub mit Partikeln kleiner als 2,5 Mikrometer (PM2,5) erreichte jedoch zwischenzeitlich sogar den Wert von 671. Das ist das 26-Fache des Grenzwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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Smog in Peking: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts
Autobahnen gesperrt

Die chinesischen Behörden warnen vor Aktivitäten im Freien. Sie empfehlen den rund 20 Millionen Bewohnern von Peking, Atemschutzmasken zu tragen, wenn sie dennoch vor die Tür müssen. Die Sonne kommt tagsüber kaum durch den Smog. Die Sichtweite beträgt dadurch oft nur wenige hundert Meter, teilweise auch deutlich weniger. Mehrere Autobahnen wie etwa von Peking nach Shanghai, Harbin oder Pinggu wurden gesperrt. Nach amtlichen Angaben soll der Smog mindestens bis Freitag anhalten.

Die hohen Luftbelastungen folgen fast genau ein Jahr auf den Mega-Smog im Januar 2013, als sogar Rekordwerte von mehr als 800 gemessen worden waren. Es ist die zweite Smogwelle seit Dezember, als Shanghai und weite Teile Zentral- und Ostchinas unter ungewöhnlich schwerer Luftverschmutzung litten. Die starke Kohlenutzung in Haushalten im Winter, der Ausstoß von Heiz- und Kraftwerken sowie der wachsende Autoverkehr gepaart mit windstiller und ungünstiger Wetterlage lassen die Belastung mit Schadstoffen drastisch ansteigen.

Ärzte warnen, dass die extrem belastete Luft Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Atemwegsleiden, Geburtsschäden oder Krebs auslösen kann. Im Kampf gegen den Smog wären nach Berechnungen der Akademie für Umweltplanung bis 2017 Investitionen in Höhe von umgerechnet 210 Milliarden Euro nötig. Mehr als ein Drittel davon müsste in die Industrie fließen.

chs/dpa

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1. Mitleid ist nicht angesagt
josho 16.01.2014
Vielleicht ist es eine Anregung an die chinesische Führung auch mal innerhalb des Landes etwas Geld auszugeben- zum Beispiel für die Umwelt.
2. Alles wird gut?
robert.c.jesse 16.01.2014
Wunderbare Welt. Bald haben Wir ALLE ein "Smartphone" um uns dann gegenseitig zu informieren wie schlecht es sich hier leben lässt. Wir gehen dann auch nicht mehr vor die Tür. Drohnen liefen uns das Wichtigste zum Überleben. Draussen würde man das Display auch kaum mehr erkennen...
3. Schrecklich
Europa! 16.01.2014
Zitat von sysopAFPPeking leidet erneut unter extremer Luftverschmutzung, die Schadstoffbelastung hat zeitweise den Index gesprengt. Die Behörden raten den Bewohnern der chinesischen Hauptstadt, im Haus zu bleiben - oder Atemmasken zu tragen, falls sie doch vor die Tür müssen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/luftverschmutzung-schlimmster-smog-des-winters-belastet-peking-a-943810.html
Die Luftverschmutzung ist eins der größten Probleme in China. In Europa sind diese Dinge zum Glück seit einem halben Jahrhundert nicht mehr vorgekommen. (Die größte Smog-Katastrophe war 1952 in London.) Wir sollten darüber nachdenken, ob es sinnvoll und nachhaltig ist, immer noch mehr Autos mit Brennstoffmotoren in China verkaufen zu wollen.
4. ???
Sharoun 16.01.2014
Zitat von Europa!Die Luftverschmutzung ist eins der größten Probleme in China. In Europa sind diese Dinge zum Glück seit einem halben Jahrhundert nicht mehr vorgekommen. (Die größte Smog-Katastrophe war 1952 in London.) Wir sollten darüber nachdenken, ob es sinnvoll und nachhaltig ist, immer noch mehr Autos mit Brennstoffmotoren in China verkaufen zu wollen.
..sollten "wir" das? Vernünftig denkenden Menschen war schon vorher schummrig zumute bei dem Gedanken, daß 1,4 Milliarden Leute dort demnächst das gleiche (grundfalsche) Mobilitätsverhalten wie hier übergestülpt bekommen. Aber wurde das in dieser ach so pluralistischen Gesellschaft jemals auch nur ANNÄHERND mal diskutiert?! Nein, der Rubel muß rollen - Autos ohne Ende; die Börsenblätter jubeln - und die Leute krepieren!
5. China könnte die Dreckluft leicht beseitigen...
fraumarek 16.01.2014
... wenn es das Geld nicht für eine sinnlose und aggressive Aufrüstung stecken würde. "Hyperschallraketen", wow... Genau das was China jetzt dringend braucht ! Diese Hunderte von Milliarden wären im Umweltschutz richtig gut investiert, wenn man das wirklich wollte. Der überdimensionierte Unterdrückungsapparat, der jeglichen Dissens auszuradieren versucht, Polizeischläger im ganzen Land, besonders in Tibet, das Heer von Internet-Spitzeln, die Arbeitslager usw. usw. Wenn China diese Milliarden die das alles kostet, für den Umweltschutz investieren würde, dann wäre das Problem bald gelöst und China täte sich (und dem Rest der Welt) den größten Gefallen.
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Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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