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19. Februar 2013, 08:48 Uhr

Maisanbau in den USA

Biosprit-Boom lässt die Prärie schwinden

Seit Mais zu Treibstoff verarbeitet wird, ist das Getreide immer wertvoller geworden. Das beeinträchtigt auch die Natur im Maisgürtel der USA. Prärieflächen schwinden im Rekordtempo, warnen Forscher.

Hamburg - Biotreibstoffe boomen. 2011 wurde in den USA erstmals mehr Mais zu Bioethanol verarbeitet als zur Tierfütterung verwendet. Mit dem wachsenden Bedarf sind auch die Preise gestiegen - und im sogenannten westlichen Maisgürtel der USA wird im Rekordtempo ursprüngliche Prärie in Äcker umgewandelt.

Wie Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, sind in den Bundesstaaten Iowa, Minnesota, Nebraska, North Dakota und South Dakota zwischen 2006 und 2011 rund 5300 Quadratkilometer Grünflächen verloren gegangen, weil dort nun Mais oder Soja angebaut wird - aus Soja wird Biodiesel erzeugt. Die Fläche entspricht etwa der doppelten Größe des Saarlandes.

Größte Umwandlung seit den dreißiger Jahren

Die Geschwindigkeit, mit der naturbelassene Flächen in den Bundesstaaten verloren gehen, sei mit dem Abholzen von Tropenwäldern in Brasilien, Indonesien oder Malaysia während der achtziger und neunziger Jahre vergleichbar, berichten Christopher Wright und Michael Wimberly von der South Dakota State University. "Historisch gab es eine vergleichbare Umwandlung von Grünland nicht mehr seit den zwanziger und dreißiger Jahren, der Phase der schnellen Mechanisierung der US-Landwirtschaft", schreiben die Forscher.

Die hohen Rohstoffpreise lassen die Farmer in der relativ trockenen Zone demnach sogar Risiken wie Dürre und Bodenerosion in Kauf nehmen. 2012 hatte die lang anhaltende Dürre in den USA zu Ernteausfällen geführt. Die US-Landwirte hatten trotzdem Rekordgewinne eingefahren.

Die beiden Forscher untersuchten anhand von Satellitenaufnahmen die Landnutzung im westlichen Maisgürtel der USA. Dort liegt auch ein Teil der sogenannten Prairie Pothole Region, einem der wichtigsten Feuchtgebiete Nordamerikas. Viele Wasservögel nutzen die Seen und Tümpel für die Brut. Außer Zugvögeln nisten dort auch etliche Entenvögel, denen das hohe Gras als Schutz vor Feinden dient.

Wie stark die ursprünglichen Prärie-Flächen entlang des Maisgürtels bereits zurückgegangen sind, berichten die Forscher auch: Mehr als 99 Prozent der Prärie sei schon geschwunden, in Iowa sogar 99,9 Prozent.

wbr/dpa

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