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Makrelenkrieg um Fischfang-Quoten: Ultimatum für die Wikingerräuber

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Makrelen-Fang: "Nehmt es, oder lasst es" Zur Großansicht
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Makrelen-Fang: "Nehmt es, oder lasst es"

Riesige Fischschwärme sind aus EU-Gewässern nach Island und zu den Färöer-Inseln gewandert. Seit Jahren ringen die beiden Staaten und die EU um neue Fangquoten. Jetzt stellt Brüssel ein Ultimatum - und droht mit Sanktionen.

Hamburg - EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki will mit einem Ultimatum an Island und die Färöer-Inseln den seit fünf Jahren tobenden "Makrelenkrieg" um Fischfangquoten im Nordatlantik beenden. "Wir haben den beiden Staaten ein großzügiges Angebot unterbereitet, das ist eine goldene Gelegenheit", sagte Damanaki gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Jetzt heißt es: Nehmt es, oder lasst es."

Das Zeitfenster schließt sich Ende der Woche. "Wenn wir jetzt keinen Deal finden, werden wir allein mit Norwegen weiterreden", sagte Damanaki. Für diesen Fall müssten sich Isländer und Färinger auf Sanktionen einstellen. Schon vergangenen Sommer hat Damanaki Strafmaßnahmen gegen die Färöer-Inseln wegen Überfischung des Herings eingeleitet.

Dienstagvormittag haben im norwegischen Bergen die Verhandlungen zwischen Vertreter der EU und der drei nordischen Staaten über die Fangquoten für die Makrele begonnen. Den Konflikt ausgelöst hat offenbar die Erwärmung des Nordatlantiks. Sie vertrieb Forschern zufolge gewaltige Makrelen- und Heringschwärme aus den Gewässern Großbritanniens, Irlands und anderer EU-Staaten nach Norden: in die Hoheitsgebiete Islands und der Färöer-Inseln.

"Die Natur hat entschieden"

2009 vervielfachten die Insulaner daraufhin eigenmächtig ihre Fangquoten - trotz heftiger Proteste der EU und Norwegens, die einen Preissturz und eine gefährliche Verringerung der Bestände befürchten. "Banditen" und "Wikingerräuber" seien die Nordländer, sagte der einflussreiche schottische Europaabgeordnete Stuart Stevenson.

Der Färinger Fischereiminister Jacob Vestergaard konterte: "Die Natur hat entschieden, dass mehr Fische zu uns kommen. Wir haben ein Recht darauf, entsprechend mehr zu fischen." Die Färöer erwirtschaften 95 Prozent ihrer Exporterlöse mit Fisch, das wirtschaftlich angeschlagene Island 40 Prozent seiner gesamten Deviseneinnahmen.

Vergangenes Jahr eskalierte der Konflikt, als die Gespräche über die Heringquote mit den Färöer scheiterten. Brüssel verhängte ein Einfuhrverbot für Hering und weiterverarbeitete Produkte von der autonomen Inselgruppe, die zwar zu Dänemark gehört, nicht aber zur EU. Zudem dürfen färingische Fangschiffe EU-Häfen nur noch in akuten Notfällen anlaufen.

"Mögliche Sanktionen"

Bei der Makrele könnten ähnliche Strafmaßnahmen drohen. "Die Möglichkeit von Sanktionen liegt immer noch auf dem Tisch", sagte die Fischereikommissarin Damanaki SPIEGEL ONLINE. Sie glaube aber an eine Einigung in letzter Minute. Vorgespräche mit Island und den Färöer-Inseln seien positiv verlaufen.

Immerhin gibt es neuerdings mehr Masse zu verteilen: Die Wissenschaftler erlauben größere Fangmengen. Wie der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) bekanntgibt, können pro Jahr an die 890.000 Tonnen Makrele gefischt werden, ohne die Bestände zu gefährden. Das entspricht den realen durchschnittlichen Fangmengen der Anrainer der vergangenen drei Jahre. Keiner der Staaten müsste sich also einschränken.

Zoff gibt es trotzdem - mit Norwegen. Die Skandinavier forderten nun größere Fangmengen, hieß es in Brüssel. Ihr Anteil an der Quote soll Insidern zufolge von 26 Prozent auf 21 Prozent gesenkt werden. Proportional dazu aber steigt die erlaubte Gesamtmenge, so dass Norwegens Fischer eigentlich genauso viel Makrele an Land holen dürften wie bisher. Island und die Färöer sollen 12 Prozent kriegen, die EU 47 Prozent statt bisher 64 Prozent, Russland den Rest.

Fischereikommissarin Damanaki schließt jegliche Ausweitung der 890.000 Tonnen kategorisch aus: "Wir können nicht über den Rat der Wissenschaftler hinausgehen, nur um es jedem recht zu machen", sagt die Fischereikommissarin.

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1.
sahnekefir 28.01.2014
Ich sehe es wie die Färöer. Wenn die Fische in Färörische Gewässern wandern, dann gehören sie nach internationalem Recht eben den Färöern. Die EU muss dann natürlich ihre Fangquoten massiv senken. Na und? Fangen die Spanier eben weniger Fisch.
2.
Ptrebisz 28.01.2014
Zitat von sahnekefirIch sehe es wie die Färöer. Wenn die Fische in Färörische Gewässern wandern, dann gehören sie nach internationalem Recht eben den Färöern. Die EU muss dann natürlich ihre Fangquoten massiv senken. Na und? Fangen die Spanier eben weniger Fisch.
Ich sehe das nicht so. Niemand hat am Ende was davon wenn durch Islands und Faröers Fischereipolitik diese Fischarten komplett aussterben. Dann wird Ihr Geschrei bestimmt groß weil Sie keine Makrelen mehr im Supermarkt bekommen.
3. Europa streitet mal wieder,
JKStiller 28.01.2014
diesmal also um die Fischfangquoten. So hat der europäische Gedanke eine sichere Zukunft. Zum Thema: "Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart", schreibt SPON. Da fragt man sich ob der Begehrlichkeiten der bisherigen Nutznießer, ob es nicht Zeit wäre, hier mal angesichts der Veränderung neue Quoten festzulegen. Wenn es morgen woanders mehr regnet und die Ernteerträge sich verdoppeln, werden wir die glücklichen Bauern dort dann auch auf Schadensersatz verklagen? Total balla balla! EU halt.
4. oh je
lilithmoon 28.01.2014
Nur weil es einen Rekrutenstarken Jahrgang gab bedeutet es nicht, dass auf Teufel komm raus gefischt werden kann. aber das kapieren diese Politiker eh nie. Sägt nur schön an dem Ast, auf welchem ihr sitzt. Wenn es keinen Fisch mehr gibt ist das Geschrei groß und der ICES hat mal wieder bewiesen, wie Recht er doch hatte.
5. Isländische Hoheitsgewässer
Frierhutzel 28.01.2014
Alles was sich nach dem Seerecht innerhalb der Isländischen 12NM Zone befindet bzw. schwimmt, gehört den Isländischen Fischern, da hat Norwegen und die EU sich raus zu halten, wie würde Norwegen und die Schotten sich verhalten wenn der Fisch innerhalb Ihrer Gewässer wäre und Isländer würden dort fischen, nur weil sie dem Fisch hinterher folgen, die würden genau so reagieren und die Sache mit der Quotenregelung ob die heute noch up2date ist steht auf einem anderen Blatt.
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Wie Fangquoten bestimmt werden
Was ist eine Fischfangquote?
Unter einer Fangquote versteht man eine festgesetzte Menge an Fischen oder anderem Meeresgetier, die in einem bestimmten Gebiet während eines festgesetzten Zeitraumes gefangen werden darf.
Wer legt die Fangmengen in Europa fest?
Für Europa erhebt der International Council for the Exploration of the Sea (ICES), eine zwischenstaatliche wissenschaftliche Organisation mit Sitz in Dänemark, wie es um die Bestände der einzelnen Fischsorten bestellt ist. Es wird anhand von Stichproben analysiert, wie sich Populationen entwickeln und wie viele Jungfische nachkommen. Auf Basis dieser Daten gibt der ICES Empfehlungen heraus, wie viel Fisch gefangen werden kann, ohne Raubbau an der Natur zu treiben. Über die Fangmengen, die sogenannten TACs (Total Allowable Catch) entscheiden aber die Agrarminister der Länder. Gingen diese früher oft über die wissenschaftlichen Empfehlungen hinaus, orientieren sich die Minister mittlerweile deutlich stärker daran, was der ICES rät.
Was bedeutet das für die einzelnen Länder?
Sind die jährlichen Höchstfangmengen einmal festgelegt, ergibt sich daraus die Fangmenge pro Land. Welchen Anteil an der Gesamtmenge eines Fisches ein einzelnes Land fangen darf, richtet sich nach einem Quotensystem. Dies stammt noch aus den achtziger Jahren. Es wurde damals auf Basis historischer Fangzahlen vereinbart und gilt weitgehend noch heute.
Wer legt fest, welche Mengen welcher Fischer fangen darf?
Wie die Gesamtmenge unter den Fischern eines Landes aufgeteilt wird, ist europaweit sehr unterschiedlich. Während einige Länder die Rechte nach bestimmten Quotensystemen auf die Fischer aufteilen, werden anderswo Fischereirechte auf dem freien Markt gehandelt. In Deutschland regelt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Verteilung der Fangrechte. Dabei orientiert sie sich an vergangenen Fangmengen der einzelnen Akteure. Wie auch immer die Länder die Verteilung regeln: Letztlich sind sie dafür verantwortlich, dass ihre Fischer die ihnen zugesprochenen Fangmengen nicht überschreiten.
Wie wird kontrolliert?
Die Art der Kontrolle ist europaweit sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Schiffe, die ihren Fang freiwillig per Kamera dokumentieren. Anderswo müssen Fischer Logbücher führen. Größere Schiffe sind zum Teil an Überwachungssysteme angeschlossen, mittels derer kontrolliert werden kann, wo sie sich aufhalten. Hilfestellung bei der Überwachung soll den Mitgliedsländern die Europäische Fischereiaufsichtsagentur (CFCA) im spanischen Vigo leisten.
Gibt es trotzdem Streit?
Auch wenn die Fangquoten innerhalb der EU feststehen: Da Fische sich nicht an Grenzen halten, sind oft auch die Interessen anderer Staaten berührt. Aufgrund klimatischer Veränderungen befanden sich beispielsweise vor kurzem deutlich mehr Makrelen vor Island als noch in den Jahren davor, woraufhin die krisengebeutelte Isländische Regierung die Fangmenge massiv anhob. Die Schotten und Iren, die sich weiter an die innerhalb der EU vereinbarten Quantitäten halten mussten, hatten das Nachsehen.

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