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Manipuliertes Sperma: Malaria-Mücken zeugten nur noch Söhne

Anopheles gambiae (Archivbild): Ohne Weibchen keine Fortpflanzung Zur Großansicht
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Anopheles gambiae (Archivbild): Ohne Weibchen keine Fortpflanzung

Erstmals haben Forscher Malaria-Mücken genetisch so manipuliert, dass diese fast nur noch männliche Nachkommen zeugten. Ganze Moskito-Populationen starben aus. Ein weiterer Schritt im Kampf gegen die gefährliche Krankheit.

Ohne Moskito-Töchter keine Moskito-Enkel: Mit diesem einfachen Prinzip wollen Forscher eines Tages die Verbreitung von Malaria eindämmen. Nun sind sie einen wichtigen Schritt weiter gekommen: Erstmals haben sie das Genmaterial malariaübertragender Moskitos so manipuliert, dass die Insekten fast nur noch männliche Nachkommen zeugten. Somit könnten die Experten einer neuen Methode auf der Spur sein, Malaria eines Tages wirksam einzudämmen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen an Malaria. Rund 90 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren in Afrika. Die Krankheitserreger - Parasiten mit dem Namen Plasmodium - sind sehr anpassungsfähig und daher schwierig zu bekämpfen. Übertragen werden sie von weiblichen Anopheles-Mücken.

Um die Zeugung weiblicher Nachkommen bei den Mücken zu verhindern, nutzten die Wissenschaftler ein Enzym, das bei der Spermaproduktion das Erbgut der X-Chromosomen schädigt. Normalerweise trägt die Hälfte der Spermien das X-Chromosom und zeugt weibliche Nachkommen, die andere Hälfte trägt das Y-Chromosom und zeugt männliche Nachkommen.

Die veränderten männlichen Moskitos der Art Anopheles gambiae hatten fast kein funktionsfähiges Sperma mit X-Chromosomen mehr. Dementsprechen hätten sie bei Laborversuchen zu 95 Prozent männliche Nachkommen gezeugt, schreiben die Forscher um Roberto Galizi vom Imperial College London in der Fachzeitschrift "Nature Communications".

Innerhalb sechs Generationen ausgestorben

Die Wissenschaftler mischten die genveränderten Insekten mit fünf eingesperrten normalen Populationen. Vier der fünf Bestände starben der Studie zufolge innerhalb von sechs Generationen aus, weil ihnen Weibchen fehlten. Die Idee ist, auf diese Weise auch in der Natur Malaria übertragende Mückenpopulationen auszurotten. Welche Folgen das für die Ökologie haben könnte, wurde allerdings nicht untersucht.

"Am erfolgversprechendsten an unseren Ergebnissen ist, dass sie selbsterhaltend sind", erklärt Nikolai Windbichler, ebenfalls vom Imperial College London und einer der Hauptautoren der Studie. "Wenn einmal veränderte Moskitos eingeführt sind, produzieren die Männchen hauptsächlich Söhne, und ihre Söhne tun das selbe, sodass eigentlich die Moskitos die Arbeit für uns machen." Noch sei die Forschung aber ganz am Anfang, ergänzt Galizi.

Seit Jahren versuchen Experten der Malaria auf verschiedenen Wegen Herr zu werden, etwa durch Impfstoffe und wirksamere Medikamente. Ende Mai 2014 entdeckten Forscher bei Kindern in Afrika einen Antikörper, der Ansatzpunkt für einen Impfstoff werden könnte. Mitunter gehen Wissenschaftler im Kampf gegen Malaria auch ungewöhnliche Wege: So hatte ein Team beispielsweise den Geruchssinn bei Mücken so verändert, dass diese Menschen nicht mehr riechen konnten.

jme/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Hoffentlich
mcvitus 10.06.2014
lesen die Chinesen diesen Artikel nicht!
2. ohha...
Frokuss 10.06.2014
schön, dass man an einer Lösung forscht. Aber ob das Ausrotten einer ganzen Spezies tragbar ist, ist meines Erachtens nicht Sinnvoll. um leben zu retten, könnte man ja auch verstärkt gegen den Hunger vorgehen. An Hunger sterben jährlich mehr Menschen als an Malaria. daher sollte man den Fokus auf anderes setzen... entweder zerstört man den Parasiten oder man findet ein Medikament, welches die Überlebenchangen erhöht.
3. typisch Mensch
codek 10.06.2014
Wenn es um ihn geht ist nichts dabei die Natur zu verändern. Dann rechtfertigt man diese Änderungen als Not. Die Natur zu regeln oder zu regulieren hat noch nie geklappt. Die Nebenwirkungen menschlicher Eingriffe in die Natur sind meistens weitaus schlimmer und gefährlicher. Gut, dass bald der Mensch gottesgleich ist und sich bald um natürliche Ressourcen und seine Umwelt bald gar nicht mehr rechtfertigen muss. Diese ganze gentechnischen Veränderungen an Pflanzen und Tieren wird unsere Kinder noch einholen.
4. spannend
zufriedener_single 10.06.2014
Auf die Nebenwirkungen, wenn die Mücken ausgestorben sind, bin ich sehr gespannt.
5. Was denn nun?
belabi 10.06.2014
Zitat von Frokussschön, dass man an einer Lösung forscht. Aber ob das Ausrotten einer ganzen Spezies tragbar ist, ist meines Erachtens nicht Sinnvoll. um leben zu retten, könnte man ja auch verstärkt gegen den Hunger vorgehen. An Hunger sterben jährlich mehr Menschen als an Malaria. daher sollte man den Fokus auf anderes setzen... entweder zerstört man den Parasiten oder man findet ein Medikament, welches die Überlebenchangen erhöht.
Also, wenn ich den Parasiten zerstöre, rotte ich doch auch eine Spezies aus. Und so schlimm kann ich mir die Nebenwirkungen nicht vorstellen, als dass ich eine Welt ohne Stechmücken nicht begrüßen würde.
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