Korallen-Rettung auf den Malediven Diese Welt darf nicht untergehen

Im Inselparadies der Malediven sterben die Korallen, weil der Indische Ozean immer wärmer wird. Umweltschützer versuchen, die empfindliche Unterwasserwelt zu retten. In Handarbeit.

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Von Christian Schidlowski


Palmenstrände, azurblaue See und bunte Riffe - die Inseln im Indischen Ozean sind ein Paradies für Taucher. Alles hier steht auf Korallensand, der Baustoff, aus dem die Atolle vor Jahrmillionen entstanden sind.

Doch 1998 kam El Niño, eine starke Veränderung der Meeresströmung, und sorgte in diesem Teil des Indischen Ozeans monatelang für Temperaturen von 32 Grad Celsius und mehr. Zu warm für die Korallen, die dann absterben.

"Das Problem war, dass es praktisch keine Wellen- und Wasserbewegungen mehr gab", sagt die britische Meeresbiologin Emily Armstrong-Smith, die das Korallensterben auf den Malediven untersucht. "Das warme Wasser an der Oberfläche heizte sich immer weiter auf, ohne dass jemand genau sagen könnte, warum. Korallen können diesen Temperaturwechsel nicht überleben."

Wenn Korallen sterben, verlieren sie ihre prächtige Farbe - das Ergebnis ist die "Korallenbleiche". Der Meeresgrund gleicht einem Friedhof. Gesunde Riffe können sich in wenigen Jahren erholen und nachwachsen. Doch die Abstände zwischen den Hitzewellen im Indischen Ozean, ausgelöst durch den regelmäßig wiederkehrenden El Niño, sind kürzer geworden - zu kurz, als dass sich die Korallen der Malediven wieder erholen könnten.

Auf Tausenden Kilometern bilden Steinkorallen den Lebensraum für mehr als 700 Fischarten, doch der Kreislauf des Lebens unter Wasser ist ein empfindliches Ökosystem. Auf den Malediven droht es zu kollabieren. Denn ohne Korallen verlieren die Inseln ihren Schutz gegen die See - und drohen, im Meer zu versinken.

Ist die Unterwasserwelt noch zu retten?

"Die Inselwelt der Malediven ist so einzigartig, dass man regelrecht mit einem Virus infiziert wird, und wenn man den einmal hat, dann lässt einen der nicht mehr los und der lässt einen auch immer wieder kommen", sagt Torsten Krußk.

Er und seine Frau Yamila haben sich vor Jahren als Touristen in das Land verliebt. Das Korallensterben hat die beiden so schockiert, dass sie aktiv wurden und die "Coral Doctors" gegründet haben. Die Gruppe hat das Ziel, die Unterwasserwelt der Malediven vor dem Untergang zu retten. Die Krußks verbringen jedes Jahr mehrere Monate Vorort, um das Projekt voranzutreiben.

Im Video: Erste Hilfe für die Korallen

Arte / SPIEGEL TV

Die Coral Doctors wollen die Riffe gesund pflegen. Sie züchten keine neuen, wärmebeständigeren Korallen wie Forscher auf Hawaii. Ihr Konzept ist einfacher, aber trotzdem aufwendig: Taucher entnehmen einem noch gesunden Riff kleine, abgefallene Zweige, vergleichbar mit den Ablegern von Blumen. Diese Korallen-Ableger werden dann an Steinen und Metallgestellen befestigt und anschließend an abgestorbenen Riffs ausgesetzt. Dort wachsen sie wieder an und helfen den bleichen Korallen bei der Regeneration.

"Korallen haben eine Skelettstruktur", erklärt die Meeresbiologin Emily Armstrong-Smith, die ebenfalls bei den Coral Doctors arbeitet. "Darin leben kleine Mikroalgen, sogenannte Zooxanthellen. Die ernähren die Koralle. Die Algen versorgen die Korallen mit Zucker und Kalk, damit bauen die Korallen ihr Skelett aus. Sie können bis zu 15 cm im Jahr wachsen."

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Schon nach zwei Wochen haben einige Korallen das Gestell überwachsen und fangen an, sich am Untergrund anzuheften.

Auch der steigende CO2-Spiegel in den Meeren bedroht die Riffe

"Das ist tatsächlich ein Erfolgserlebnis, wenn man sieht, dass die Korallen anwachsen, dass sie langsam vielleicht die ersten neuen Triebe ausbilden. Und man sich vielleicht schon vorstellen kann, wie das alles einmal überwachsen ist", sagt Yamila Krußk.

Die Coral Doctors haben bisher Rettungsprojekte auf drei Inseln der Malediven durchgeführt. Das kann natürlich nur ein Anfang sein. Unterstützung bekommt die Gruppe vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund - und von lokalen Hotelbetreibern, die um die bunte Unterwasserwelt fürchten. Mehr als 70 Tauchlehrer auf den Malediven sind inzwischen zu Coral Doctors ausgebildet worden.

Das El-Niño-Phänomen ist allerdings nicht die einzige Gefahr für die Korallen. Auch der steigende CO2-Spiegel in den Meeren bedroht die Riffe. Für ihre Rettung ist das "Gärtnern" mit Korallen-Ablegern zumindest ein Anfang.


Sendehinweis Mehr über die "Coral Doctors": "Äquator - Die Linie des Lebens" wird am Samstag, den 22. September, ab 9.35 Uhr auf Arte ausgestrahlt.

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Seite 1
4magda 20.09.2018
1.
Die Welt hat noch 4 Mrd. Jahre vor sich. Die geht nicht unter. In 500000 Jahren sieht es schon wieder deutlich schöner aus und in 500 Mio Jahren gibt es auch wieder genug Erdöl. Ganz einfach und deshalb keine Panik.
c.PAF 20.09.2018
2.
Zitat von 4magdaDie Welt hat noch 4 Mrd. Jahre vor sich. Die geht nicht unter. In 500000 Jahren sieht es schon wieder deutlich schöner aus und in 500 Mio Jahren gibt es auch wieder genug Erdöl. Ganz einfach und deshalb keine Panik.
Danke, einzig vernünftige Antwort.
fd53 20.09.2018
3. Das Korallensterben begann dort schon 1997
Schon 1998 waren dort 90% der Korallen ein Opfer der Korallenbleiche geworden. Ähnlich verlief es rund um Mauritius, aber auch im Golf von Thailand. Ende Juni 1998 hatte das Meerwasser am Strand vor Kompong Cherating (Westmalaysia, Nähe Kuantan) irre 36 Grad! Baden macht dabei keinen Spass mehr. 1999 hatte das Wasser vor Nordmindanao bei Dakak in 10 m Tiefe satte 35 Grad - ich packte meine Schnorchelausrüstung gar nicht erst aus. Und derzeit sterben massenhaft die Korralen im großen Riff vor Austalien. Laut guten Fachleuten braucht so ein Korallenriff ca. 1000 bis 10 000 Jahre für seinen Neuaufbau oder die Regenerierung. Aber jetzt kommt erstmal wieder eine warme Phase der Planeten. Mit drastischen Auswirkungen auf die Nahrungsketten im Meer … .
pförtner 20.09.2018
4. Alles eine Frage von Biologie
Die Welt geht nicht unter aber der Mensch, weil der biologische Baustein der er ist, sich dem ganzen nicht einfügen will.
g_bec 20.09.2018
5. Prima.
Zitat von 4magdaDie Welt hat noch 4 Mrd. Jahre vor sich. Die geht nicht unter. In 500000 Jahren sieht es schon wieder deutlich schöner aus und in 500 Mio Jahren gibt es auch wieder genug Erdöl. Ganz einfach und deshalb keine Panik.
Prima. Aber darauf kann man sich auch ein Ei braten.
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