Badeverbote auf Mallorca So gefährlich sind Portugiesische Galeeren

Auf Mallorca sorgten die Portugiesischen Galeeren für Badeverbote. Dabei leben die Nesseltiere eigentlich woanders. Wie gefährlich sind sie - und was ist bei einem Kontakt zu tun?

Portugiesische Galeere im Meer treibend
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Portugiesische Galeere im Meer treibend


"Malle ist nur einmal im Jahr", heißt es in einem Ballermann-Hit. Doch nun trübt ein kleines, bunt schimmerndes Tier den jährlichen Badespaß auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Vor einigen Stränden der Inselhauptstadt Palma wehten am Mittwoch rote Flaggen, ein Badeverbot wurde ausgerechnet zu Beginn der Ferienzeit verhängt, das seit Donnerstag wieder aufgehoben ist. Schuld an dem Verbot waren kleine wundersame Gebilde, die nur knapp zwei Dutzend Zentimeter groß sind - Portugiesische Galeeren. Was sind das für Tiere?

Was sind Portugiesische Galeeren?

Es war in fast allen Meldungen zu lesen: "Badeverbote auf Mallorca wegen weiterer Quallen", schrieb etwa die Deutsche Presseagentur. Doch streng genommen handelt es sich bei den Tieren nicht um Quallen, wie etwa Feuer- oder Ohrenquallen. Eine Portugiesische Galeere (Physalia physalis) ist auch kein einzelnes Tier, es ist eine Gemeinschaft aus Hunderten oder Tausenden kleiner Polypen: eine sogenannte Staatsqualle, sie gehören zu den Nesseltieren.

Die Wesen haben sich zu einem großen Organismus zusammengeschlossen und sich dort auf verschiedene Aufgaben spezialisiert. Es gibt vier Typen von Polypen: Eine Gruppe formiert sich zur Schwimmblase, welche die Galeere dicht an der Wasseroberfläche hält. Eine andere formt die Tentakel. Die übrigen übernehmen das Fressen sowie die Fortpflanzung.

Gefährliches Strandgut

Wie giftig sind die Tiere?

Portugiesische Galeere haben bläuliche, weiße oder auch violette Tentakel, die im Meer Längen von 50 Metern erreichen können. Das Gift darin besteht aus Eiweißen, eigentlich töten die Tiere damit Beutetiere wie kleine Fische. Doch geraten die Nesselzellen mit der menschlichen Haut in Kontakt, entstehen starke Schmerzen und rote Striemen, die an einen Peitschenhieb erinnern. Erreicht das Gift zudem die Lymphknoten, verstärken sich die Schmerzen noch. Bei immungeschwächten Menschen und Allergikern kann das Gift einen allergischen Schock auslösen, der in sehr seltenen Fällen tödlich endet. Kommt es nicht zu einem solchen Schock, besteht bei einem gesunden Erwachsenen aber keine Lebensgefahr.

Wie verhalte ich mich am Strand richtig?

Unbedingt sollte man zu den Tieren Abstand halten. Das gilt nicht nur im Wasser, viele Unfälle passieren auch am Strand, wo die Nesseltiere häufig nicht als Gefahr erkannt werden. Vor allem Kinder dürften die farbenprächtigen Portugiesischen Galeeren mit ihren sackförmigen Gasblasen spannend finden. 2012 musste ein zehnjähriger Junge in Cornwall ins Krankenhaus gebracht werden, er war bei einem Strandspaziergang mit den giftigen Tentakeln eines Exemplars in Berührung gekommen. Obwohl die Mutter das Tier in einem Einmachglas ebenfalls in die Klinik brachte, verstanden die Ärzte lange Zeit nicht, was die Ursache für die Beschwerden war. Schwimmer, Surfer oder andere Wassersportler sollten zudem einen Ganzkörperanzug zum Schutz tragen.

Was tun bei Kontakt?

Im Falle eine Kontakts sollten Tentakelreste vor Ort zunächst vorsichtig von der Haut entfernt werden - am besten schabt man sie mit einem harten Gegenstand wie einer Messerklinge oder auch einer Kreditkarte ab. Die Tentakel nicht berühren, sie enthalten noch aktive Nesselzellen. Auf keinen Fall sollte man Süßwasser oder ein Handtuch nehmen - das könnte noch zu weiteren Entladungen des Giftes in den Nesselzellen führen.

Umstritten ist, ob man Meerwasser bei Portugiesischen Galeeren zur Wundreinigung einsetzen sollte, wie es bei einigen Quallenarten empfohlen wird. Besser ist auch hier Essig, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Fachmagazin "Toxins". Essig neutralisiert die Funktion der Nesselzellen. Bei Meerwasser können sich diese Zellen entladen. Das bedeutet: Die Nesselkapsel wird aus der Zelle geschleudert und der das Gift enthaltende Nesselfaden durchschlägt mit hoher Geschwindigkeit die Hautoberfläche.

Sind die Tentakel entfernt, kann nach einiger Zeit warmes Wasser über 45 Grad Celsius helfen: Es sorgt für eine Zersetzung des Gifts. Sollten die Beschwerden nach einigen Tagen noch anhalten, sich verschlimmern oder sensible Körperregionen betroffen sein, ist ärztliche Hilfe ratsam.

In welchen Meeren leben Portugiesische Galeeren?

Die Nesseltiere sind vor allem in wärmeren Gewässern anzutreffen - sie sind im Pazifik und in der Karibik weitverbreitet. Doch ihr Vorkommen hängt stark mit einer Eigenart der Tiere zusammen: Sie treiben auf dem Wasser und driften in Wind- oder Strömungsrichtung. Forscher nennen solche Wesen auch Pleuston. Dadurch ist das Auftreten der Tiere starken Schwankungen unterworfen.

Im vergangenen Jahr wurden etwa viele Portugiesischen Galeeren an der britischen Kanalküste und der Irischen See angeschwemmt, das kommt dort häufiger vor. Auch vor der niederländischen und der nordspanischen Küste gab es schon Funde. Und selbst auf den Balearen sind die Nesseltiere nicht unbekannt: Erst im April wurden Strände auf Ibiza gesperrt. 2012 war mindestens ein Tier besonders weit ins Mittelmeer gespült worden. Es war mit seiner Gasblase, die auch für den Auftrieb sorgt, bis vor die Küste von Korsika gesegelt.

joe

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insgesamt 2 Beiträge
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susuki 24.05.2018
1. Nicht ganz richtig...
Ganz normales Speisesalz gehört auf die Tentakel welche die Haut berühren. Das Salz entzieht den Nesselzellen das Wasser und damit die "Treibladung" welche weitere "Giftharpunen" auslösen könnte. Danach die Tentakel entfernen und mit 45 Grad warmen Wasser die Eiweisse zersetzen. Vorsicht den Betroffenen nicht verbrühen.
lindatreder 25.05.2018
2. Spannend
Ich finde diese Tierchen fürchterlich spannend und würde sie selbst gerne mal sehen! Zumindest die Einheimischen haben vor den Tierchen wahrscheinlich wesentlich weniger zu befürchten, als vor der alljährlichen deutschen Invasion...
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