Mammut-Spuren: Forscher entdecken uralte DNS

Nicht in Fossilien, sondern in urzeitlichem Urin haben Paläontologen Erbgut gefunden, das zu dem ältesten der Welt zählt. Die neue Methode soll helfen, mehr über Mammuts und andere Urtiere zu erfahren.

Die fast unendliche Weite der sibirischen Tundra dürfte für Paläontologen deprimierend sein. Kilometerweit können die Forscher graben, ohne auch nur einen Knochen von Mammuts, Bisons oder anderen urzeitlichen Tieren zu finden. Tiere, die einst die Permafrostlandschaft beherrschten.

Permafrost-Landschaft im Osten Sibiriens: Tiefgefrorenes Erbgut
Science

Permafrost-Landschaft im Osten Sibiriens: Tiefgefrorenes Erbgut

Doch eine neue Entdeckung könnte frustrierten Wissenschaftlern neue Hoffnung geben. Wie eine Forschergruppe um Eske Willerslev und Anders Hansen von der Universität Kopenhagen im Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet, verraten Sedimente aus jener Zeit überraschend viel über die damals lebenden Tiere.

Fünf fossilienlose Bohrkerne zogen die Wissenschaftler aus dem ewig gefrorenen Boden - und als die Paläontologen die Ablagerungen analysierten, stießen sie auf gut erhaltene DNS-Spuren. Die Erbinformationen sind bis zu 400.000 Jahre alt und zählen damit zu den ältesten bekannten DNS-Sequenzen.

Bei einer genaueren Untersuchung des Erbguts stießen Willerslev und Kollegen auf die Überreste von mindestens 19 verschiedenen Pflanzenarten. Zudem entdeckten die Forscher bis zu 30.000 Jahre alte genetische Spuren von Mammuts und Bisons, Rentieren und Moschusochsen.

Während die Pflanzen-DNS vermutlich von Wurzeln stammt, die tief in den gefrorenen Boden ragten, könnten die tierischen Spuren aus dem Kot und Urin der damals lebenden Tundrabewohner stammen. Die Forscher hoffen nun zu erfahren, welche Pflanzenarten während der Eiszeit oder während der ersten Besiedlung Nordamerikas dominierten. Die neue Technik könnte es zudem möglich machen, bislang unbekannte ökologische Systeme zu rekonstruieren - vor allem, wenn aus jener Zeit keine Fossilien von Knochen oder Weichgeweben existieren.

Auch in gemäßigten Breiten haben die Wissenschaftler ihre Methode erprobt - ebenfalls mit Erfolg. So konnten die Paläontologen aus einem neuseeländischen Bohrkern die Erbinformationen von 29 Pflanzenarten extrahieren, die typisch für die vormenschliche Zeit waren. Auch entdeckten sie Spuren mehrerer mittlerweile ausgestorbener Vogelarten, darunter die eines flugunfähigen Riesenvogels. Offensichtlich halten sich die DNS-Informationen auch im nicht gefrorenen Boden über Tausende von Jahren.

Für Willerslev und Kollegen ist dieses Ergebnis viel versprechend. Die möglichen Folgen für die Forschungsgebiete Paläontologie, Archäologie und Ökologie seien gewaltig, so die Wissenschaftler in "Science". "Sedimentäre DNS erlaubt es uns auf einmalige Weise, die Genauigkeit der bisherigen, auf Pollenfunden basierenden Aufzeichnungen zu überprüfen."

Alexander Stirn

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