Maori-Legende bestätigt Riesenadler hätte Menschen angreifen können

Die vor 500 Jahren ausgestorbenen Haast-Adler gehörten zu den größten Raubvögeln aller Zeiten. Forscher haben bei Knochenuntersuchungen nun festgestellt, dass alte Geschichten der neuseeländischen Ureinwohner durchaus stimmen könnten: Die Tiere könnten Menschen attackiert haben.

Schädel eines Haast-Adlers: CT-Untersuchung gibt Hinweise auf Jagdmethoden
AP

Schädel eines Haast-Adlers: CT-Untersuchung gibt Hinweise auf Jagdmethoden


Hamburg - Größe war für Haast-Adler offenbar kein Hindernis. Denn obwohl sie selbst maximal 18 Kilogramm schwer waren, machten sie Jagd auf Moas. Ihre Opfer waren Laufvögel von 2,5 Meter Höhe und 250 Kilogramm Masse. Mit drei Metern Spannweite gehörten die Haast-Adler zu den größten Raubvögeln aller Zeiten. Bis vor 500 Jahren schwangen sich die Giganten durch die Lüfte. Sie waren damals das größte Raubtier Neuseelands. Aber die Haast-Adler sind längst ausgestorben wie auch die Moas, die massigen Laufvögel, denen die Raubvögel einst nachstellten.

In den Erzählungen der Maori wird der Adler als Räuber beschrieben, der sogar auf Menschen Jagd machte. Nach neuen Untersuchungen von Skeletten der Vögel wollen Wissenschaftler dies nun nicht mehr ausschließen. "Der Haast-Adler war gewiss in der Lage, ein Kind zu packen", sagt Paul Scofield vom Canterbury Museum in Neuseeland. Die Tiere hätten mit ihren Krallen auch harte Dinge wie Beckenknochen knacken können. Die Adler müsse man im Grunde mit Löwen vergleichen, meinte der Experte.

Gemeinsam mit Kollegen von der University of New South Wales hat Scofield die Knochen mit einem Computertomografen untersucht, um aus den Daten die Größe des Gehirns, Augen, Ohren und Wirbelsäule virtuell zu rekonstruieren. Diese Ergebnisse verglichen die Forscher dann mit Daten heute lebender Raubvögel und Aasfresser, um Rückschlüsse auf die Jagdgewohnheiten der Haast-Adler zu ziehen. Die Vögel seien aus großer Höhe auf ihre Opfer zugeschossen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Journal of Vertebrate Paleontology".

Die Studie bestätige die Maori-Legende vom Pouakai oder Hokioi, einem großen Vogel, der sich in den Bergen auf Menschen stürzte, erklärte Scofield. Die Räuber seien in der Lage gewesen, ein kleines Kind zu töten.

Ihr Ende fanden die Riesenadler durch den Menschen. Vor 700 Jahren besiedelten Polynesier Neuseeland, brannten Wälder nieder und machten ebenfalls Jagd auf Moas. 200 Jahre später waren Lauf- und Greifvogel verschwunden. Zurück blieben nur fossile Knochen und die Erzählungen der Ureinwohner Neuseelands, in denen immer wieder Berichte über Riesenvögel auftauchen.

hda



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